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Brasilien: Konsumgetriebenes Wachstum




06.12.17 10:45
Helaba

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Die Signale für eine wirtschaftliche Besserung in der größten südamerikanischen Volkswirtschaft haben zugenommen, so die Analysten der Helaba.

Das Geschäftsklima habe sich deutlich aufgehellt und die Industrieproduktion habe sich auf niedrigem Niveau stabilisiert. Das reale Bruttoinlandsprodukt habe im ersten Halbjahr 2017 endlich wieder zulegen können. Die lange und tiefe Rezession der brasilianischen Wirtschaft sei damit beendet. Nun gelte es, den kräftigen Rückgang der wirtschaftlichen Leistung aufzuholen - immerhin habe das BIP zuletzt noch fast 7% unter dem Stand von Ende 2014 gelegen.

Maßgeblichen Anteil an der konjunkturellen Verbesserung habe der private Konsum, der für 64% des Sozialprodukts stehe. Die Verbraucher seien wieder optimistischer und die Einzelhandelsumsätze würden erstmals seit 2014 deutlich über dem Vorjahresniveau liegen. Am Arbeitsmarkt liege dies kaum, denn die in den letzten Jahren kräftig gestiegene Arbeitslosenquote werde sich 2018 nur langsam auf jahresdurchschnittlich 12% zurückbilden. Positiv dürfte aber der drastische Rückgang der Inflation wirken, die Anfang 2016 noch im zweistelligen Bereich gelegen habe, im Herbst 2017 jedoch unter 2% gefallen sei. Dies sorge für spürbar steigende Realeinkommen. Die Entspannung bei der Preisentwicklung habe es der Notenbank mit ihrem Inflationsziel von 4,5% ermöglicht, den Leitzins von über 14% auf zuletzt nur noch 7,5% zu senken. Weitere Zinsschritte seien möglich und dürften nicht nur den privaten Konsum stimulieren, sondern würden für 2018 insbesondere auf eine Belebung der Investitionen hoffen lassen.

Die konjunkturelle Erholung in Brasilien werde allerdings im kommenden Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von rund 2% moderat ausfallen - zu sehr würden strukturelle Probleme wie mangelnde Reformen, hohe politische Unsicherheit und die Korruption auf dem Land lasten. Auch der marktwirtschaftlich orientierte Präsident Michel Temer, der erst vor einem Jahr angetreten sei, werde von Korruptionsvorwürfen belastet - dies habe seit Mai die Verbraucherstimmung eingetrübt. Allerdings bleibe ihm wohl das Schicksal seiner Vorgängerin erspart, da das Parlament vermutlich keinen Prozess wegen der Annahme von Bestechungsgeldern einleite.

Der Präsident wolle den Reformprozess vorantreiben, was wegen der schwierigen öffentlichen Haushaltslage dringend geboten sei. Für einen deutlichen Abbau des hohen Budgetdefizits von rund 8% des BIP im zurückliegenden Jahr wäre vor allem die Reform des teuren Rentensystems durch die Einführung eines festen Rentenalters sowie einer Mindestbeitragsdauer erforderlich. Ob diese unpopulären Maßnahmen noch vor der Wahl im Oktober 2018 durchgesetzt werden könnten, sei jedoch fraglich. Wichtige Ansatzpunkte zur Ankurbelung der Wirtschaft wären darüber hinaus die Bekämpfung der Korruption, die Verbesserung von Infrastruktur und Bildungssystem sowie der Abbau von Handelshemmnissen. (Ausgabe vom 05.12.2017) (06.12.2017/ac/a/m)







 
 
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