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Türkei: Staatliche Stützungsmaßnahmen sorgen für starkes 2. Quartal




15.09.17 09:11
DekaBank

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Die türkische Wirtschaft ist im zweiten Quartal schneller gewachsen als erwartet: Das BIP legte um 2,1% qoq und 5,1% yoy zu, so die Analysten der DekaBank.

Der Aufschwung sei zu einem guten Teil auf staatliche Stützungsmaßnahmen zurückzuführen: Infrastrukturinvestitionen seien beschleunigt, Steuerermäßigungen auf langlebige Konsumgüter gewährt und Kreditgarantien vergeben worden. Im August sei der Einkaufsmanagerindex von 53,6 auf 55,3 Punkte gestiegen, was darauf hindeute, dass auch das dritte Quartal noch stark sei. Die Steuerermäßigungen und Kreditgarantien seien jedoch zeitlich befristet, sodass bereits ab dem vierten Quartal Bremseffekte zu beobachten sein dürften. Daher haben die Analysten der DekaBank ihre BIP-Prognose für 2017 von 3,9% auf 5,7% und für 2,3% auf 3,5% angehoben, behalten das Bild einer Konjunkturabkühlung im kommenden Jahr aber bei.

Das hohe Wirtschaftswachstum gehe mit starkem Preisdruck einher: Die Inflationsrate sei im August von 9,8% auf 10,7% gestiegen und liege damit weiterhin deutlich über dem Inflationsziel von 5%. So werde 2017 das siebte Jahr in Folge sein, in dem die Notenbank ihr Inflationsziel deutlich verfehle. Die Analysten der DekaBank erwarten daher, dass die Zentralbank ihren restriktiven geldpolitischen Kurs auch 2018 fortführt, um ihre beschädigte Reputation wieder herzustellen.

Die Spannungen zwischen Deutschland und der Türkei würden unterdessen anhalten und das Verhältnis der Türkei zur EU belasten. Forderungen nach einer Beendigung der EU-Beitrittsgespräche oder einem Stopp von Rüstungsgüterlieferungen in die Türkei dürften jedoch nicht mehrheitsfähig werden, da die Türkei trotz aller bestehenden Probleme noch immer als wichtiger Partner gesehen werde, insbesondere im Hinblick auf die Flüchtlingsfrage und die Nato. Der Kauf eines russischen Raketenabwehrsystems durch die Türkei zeige jedoch, dass die Türkei bestrebt sei, sich außenpolitisch neue Optionen zu erschließen.

Die Wirtschaft sei in den vergangenen Jahren immer wieder durch innen- und außenpolitische Unsicherheiten belastet worden. Gemessen an diesen Belastungen habe sie sich robust gezeigt und dürfte mittelfristig Wachstumsraten um die 5% aufweisen. Ein Problem sei die hartnäckig hohe Inflation, die noch für längere Zeit eine restriktive Geldpolitik notwendig mache. Das Leistungsbilanzdefizit sei seit 2014 aufgrund des Ölpreisrückgangs deutlich gesunken, doch mit rund 4% des BIP bleibe es ein Schwachpunkt.

Problematisch sei die außenpolitische Neuorientierung: Ein EU-Beitritt der Türkei erscheine derzeit angesichts der Einschränkung der Meinungsfreiheit in der Türkei nicht realistisch und insbesondere der Ton zwischen der türkischen und der deutschen Regierung habe sich deutlich verschärft. Gleichzeitig nähere sich die Türkei Russland an und scheine im Nahost-Konflikt neue Schwerpunkte zu setzen. Priorität habe nun die Verhinderung eines Kurdenstaates in Syrien und Irak, was eine gemeinsame Interessenbasis mit Syrien, dem Irak und Iran bedeute. Die Lieferung eines russischen Flugabwehrsystems an den Nato-Partner Türkei sei ein weiterer Hinweis für eine außenpolitische Neuorientierung. Innenpolitisch sei eine Fortsetzung des restriktiven Kurses zu erwarten.

Politische Fehlentwicklungen, schwaches Wirtschaftswachstum und das chronisch hohe Leistungsbilanzdefizit hätten dazu geführt, dass die drei großen Ratingagenturen die Türkei in den in den vergangenen Jahren herabgestuft hätten. Die Türkei habe dadurch bei Moody's und S&P den Investment-Grade-Status verloren, den sie zwischen 2012 und 2013 erhalten habe. Der Ausblick werde vom autokratischen Stil des Präsidenten und anhaltenden außenpolitischen Spannungen belastet. Allerdings spreche die Wirtschaftslage gegen weitere Herabstufungen: Die Staatsfinanzen seien unter Kontrolle, das Leistungsbilanzdefizit sei zwar hoch aber nicht untragbar und die Wirtschaft habe sich schneller als erwartet erholt. (Ausgabe vom 13.09.2017) (15.09.2017/ac/a/m)







 
 
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