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Polen: Willkommene Ablenkung




12.09.17 09:30
Helaba

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Nach einem bereits starken ersten Quartal hat die polnische Wirtschaft im zweiten Quartal nochmals in dergleichen Dynamik nachgelegt, so die Analysten der Helaba.

So sei das BIP im Durchschnitt des ersten Halbjahres 2017 gegenüber dem Vorjahreszeitraum real um satte 4% gewachsen. Für das Gesamtjahr 2017 sei von einem BIP-Wachstum von nahezu 4% auszugehen. Einen maßgeblichen Anteil daran habe der starke private Verbrauch, der von der familienfreundlichen Fiskalpolitik stark unterstützt werde. Aber auch der enger werdende Arbeitsmarkt in Verbindung mit steigenden Löhnen hebe die Kauflaune und trage zur wachsenden Inlandsnachfrage bei. Vieles spreche dafür, dass der Optimismus der Verbraucher das Gesamtbild für 2017 prägen werde. Hinzu kämen höhere Investitionen, die zusätzliche Nahrung von den EU-Strukturfonds erhalten würden. So solle ab 2019 ein neues Motorenwerk in Schlesien die Produktion aufnehmen, rund 700 neue Arbeitsplätze dürften hier entstehen.

Die Inflation entwickle sich moderat, nachdem sie im Frühjahr zunächst an Schwung gewonnen habe. Im Jahresdurchschnitt dürfte sie bei 2% liegen und damit unterhalb des Zentralbankziels von 2,5% bleiben. Steigende Löhne sollten mit der Zeit für eine höhere Teuerung sorgen. Noch scheine der schwache Preisdruck aber die expansive Politik der Notenbank zu bestätigen. So sei in diesem Jahr nicht mehr mit höheren Leitzinsen zu rechnen. Die Tatsache, dass etwa die tschechische Notenbank bereits einen ersten Schritt zur Straffung der Geldpolitik getan habe und die EZB den Tenor ihrer Kommentare langsam in Richtung Verringerung der Anleihekäufe steuere, dürfte eher als Möglichkeit angesehen werden, den Polnischen Zloty nicht zu stark werden zu lassen und so die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten.

Der Politik kämen die positiven Meldungen von der Konjunktur gerade recht - sie würden die Berichterstattung von unerquicklichen Themen (Justiz, öffentliche Proteste) zu erfreulichen Schlagzeilen verlagern. Wirtschaftspolitische Erfolge könnten allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Land international und vonseiten der EU unter Druck gerate. Denn mit seiner umstrittenen Justiz-"Reform" habe das Land nicht nur ein EU-Vertragsverletzungsverfahren ausgelöst, sondern sich zudem international im Hinblick auf seine demokratische Orientierung und die Verlässlichkeit seines Rechtssystems in Misskredit gebracht. Auch auf anderen Gebieten wie der Aufnahme von Flüchtlingen gehe Polen immer wieder auf Konfrontationskurs zur EU. Dies führe aktuell noch nicht zu Wachstumseinbußen. Bereits heute seien aber die Auswirkungen auf das Vertrauen der Investoren sichtbar: Seit vergangenen Herbst lägen die Spreads zu deutschen zehnjährigen Staatsanleihen oberhalb derer Ungarns. Dies sei zuletzt vor rund 15 Jahren der Fall gewesen.

Die anhaltenden Differenzen mit der EU würden sich nicht mit der Meinung der Bevölkerung decken, wenn man jüngste EU-Umfragen heranziehe: Zusammen mit Deutschland gehöre Polen hier zum vorderen Drittel der Mitgliedsländer, in denen der Institution EU am meisten vertraut werde (57%) - das liege rund 10%-Punkte über dem EU-Durchschnitt. Demgegenüber würden nur 35% der Polen ihrer eigenen Regierung vertrauen, der EU-Durchschnitt liege hier bei 40%.(Ausgabe vom 07.09.2017) (12.09.2017/ac/a/m)







 
 
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