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Ist das goldene Zeitalter für Technologieaktien vorbei?




07.12.18 11:45
Nordea Asset Management

Stockholm (www.aktiencheck.de) - War der jüngste Abverkauf von Technologieaktien lediglich ein Rücksetzer innerhalb einer immer noch stabilen Rally oder platzt die Technologieblase? Dieser Frage widmet sich im Folgenden Miro Zivkovic, Global Head of I&WD Product Management bei Nordea Asset Management.

Technologie- und Social-Media-Aktien hätten seit dem Jahr 2016 starke Kursgewinne verzeichnet. Insbesondere seit den Präsidentschaftswahlen in den USA und der Neuausrichtung der US-Finanzpolitik würden sie eine hervorragende Performance hinlegen, sodass viele Anleger den Fokus auf wachstumsstarke Unternehmen verlagert hätten. Fast 98 Prozent der Kursgewinne im S&P 500-Index seien im ersten Halbjahr 2018 auf FAANG-Aktien (Facebook, Amazon, Apple, Netflix und Google (ISIN US02079K3059 / WKN A14Y6F) entfallen.

Der Hype um die Marktlieblinge habe zu Kurs/Gewinn-Verhältnissen (KGVs) geführt, die es seit der Internetblase nicht mehr gegeben habe. Und das, obwohl einige dieser hochgehandelten Unternehmen netto immer noch rote Zahlen geschrieben hätten und Facebook mit aufsichtsrechtlichen Risiken zu kämpfen gehabt habe. Firmen wie Amazon und Netflix hätten mit KGVs von über 80 aufgewartet.

Doch mit den Handelszöllen habe sich die Stimmung an den Aktienmärkten erheblich gedreht. Angesichts der schwierigen Verhandlungen zwischen den USA und Handelspartnern wie China und Kanada hätten viele Investoren Auswirkungen auf das globale Wachstum befürchtet, auch und vor allem in den Schwellenländern. So habe sich die Risikobereitschaft der Anleger rasch verflüchtigt. Stattdessen habe eine "Flucht in Qualität" eingesetzt, also in entwickelte Märkte und defensivere Unternehmen mit niedrigeren Bewertungen.

Dieser Trend zu sicheren Investments habe sich während der Kurseinbrüche an den globalen Aktienmärkten im Oktober weiter verstärkt. Zudem habe sich an den Aktienmärkten sowohl der Industrie- als auch der Schwellenländer die Branchenrotation fortgesetzt. Diesen Umschwung hätten auch die FAANG-Aktien zu spüren bekommen: Gerade überbewertete Aktien seien steil nach unten gefallen - Amazon und Netflix hätten im Oktober etwa 20 Prozent ihres Wertes eingebüßt. Die Marktkapitalisierung vieler bevorzugter Technologiewerte sei um mehr als ein Drittel gesunken. Bei einigen sei der Absturz sogar noch drastischer gewesen (Facebook -38 Prozent, Nvidia -48 Prozent, SNAP -69 Prozent).

Sei diese Katerstimmung im Technologiesektor einfach nur eine überfällige Korrektur, oder bahne sich hier Schwerwiegenderes an? In dieser spätzyklischen Phase würden die Anleger langsam wieder zu hochwertigeren Aktien greifen, die sie nach den US-Wahlen verschmäht hätten. Für diese würden jetzt aus Sicht des Marktes eine geringere Anfälligkeit gegenüber dem Konjunkturzyklus, Bewertungen auf Normallevel und robustere Geschäftsmodelle sprechen. Dieser Trend könnte sich noch beschleunigen, sollten die Märkte wieder außer Kontrolle geraten. Ob man allerdings am Beginn einer viel dramatischeren Entwicklung stehe, sei schwer zu beurteilen, auch wenn die technische Analyse klar zeige, dass die Hightech-Unternehmen - verstärkt durch den Social-Media-Sektor - mittlerweile in der Baisse angekommen seien.

Andererseits lehre die Geschichte, dass Bewertungen immer eine Rolle spielen würden, und dass sich Aktien mit überbewerteten KGVs unabhängig von ihren revolutionären Geschäftsmodellen oder Wachstumsraten irgendwann doch wieder dem Mittelwert annähern würden. Genau das hätten nach der Dotcom-Blase einige Internetunternehmen mit KGVs von 80, 100 oder mehr erfahren. So auch AOL, das zum Höhepunkt des Internet-Hypes eine Marktkapitalisierung von 222 Mrd. USD erreicht habe, nur um im Jahr 2015 schließlich für 4,4 Mrd. USD von Verizon übernommen zu werden. (07.12.2018/ac/a/m)







 
 
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