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Indien: Steuerreform bremst die Wirtschaft nur vorübergehend




09.08.17 08:30
DekaBank

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe in Indien fiel im Juli deutlich von 50,9 auf 47,9 Punkte, so die Analysten der DekaBank.

Hier schlage sich die Einführung der landesweit einheitlichen Mehrwertsteuer zum 1. Juli nieder. Diese habe kleine und mittlere Unternehmen zum Teil vor administrative Probleme gestellt. Auch die Preisgestaltung sorge für Unsicherheit. So seien Transaktionen in den Mai und Juni vorgezogen worden, was nun zu einem Nachfragerückgang führe. Die Subkomponente des PMI, in der die Geschäftserwartungen der Unternehmen abgefragt würden, sei im Juli von 59,0 auf 62,1 Punkte gestiegen, was bedeute, dass die Unternehmen davon ausgehen würden, dass der belastende Effekt der Steuerreform nur von kurzer Dauer sei. Es gebe Parallelen zur Bargeldreform des vergangenen Jahres: Auch damals sei es zu administrativen Schwierigkeiten und einer Belastung der Wirtschaftstätigkeit gekommen. Doch insgesamt sei auch damals die Reform bereit unterstützt worden, weil man sich mittelfristig Vorteile versprochen habe.

Die konjunkturelle Verlangsamung, die sich nun zunächst abzeichne, dürfte dazu führen, dass der ohnehin geringe Preisdruck nicht so schnell wieder zunehme. Im Juni sei die Inflationsrate auf 1,5% gefallen, und damit deutlich unter das mittelfristige Inflationsziel der Notenbank von 4%. Allerdings sei die Entwicklung der vergangenen Monate stark von den Nahrungsmittelpreisen bestimmt gewesen, die im Juni 2,1% unter dem Vorjahreswert gelegen hätten. Die Kerninflationsrate (ohne Nahrungsmittel und Brennstoffe) sei zwar in den vergangenen Monaten ebenfalls gesunken, doch sie habe im Juni bei 4,0% gelegen und zeige an, dass sich die Notenbank nicht zu sicher sein könne, ihre Ziele auch mittelfristig zu erreichen. Dennoch habe die Notenbank auf die Kombination aus niedriger Inflation und schwächeren realwirtschaftlichen Daten am 2. August mit einer Leitzinssenkung um 25 BP auf 6% reagiert.

Erleichtert worden sei die Entscheidung von der Entwicklung der Währungsentwicklung: Die Rupie habe seit Jahresbeginn gegenüber dem US-Dollar um knapp 7% zugelegt und sei damit eine der stärksten Währungen Asiens. Die Notenbank erwarte, dass die Inflationsrate in den kommenden Monaten wieder ansteige und sich die Wirtschaft relativ schnell erhole. Dies entspreche auch dem Ausblick der Analysten. Würden sich diese Prognosen bestätigen, dürfte der Leitzins in den kommenden zwölf Monaten nicht verändert werden.

Indien dürfte auf absehbare Zeit die wachstumsstärkste aller großen Volkswirtschaften sein. Dies ändere jedoch nichts an den grundlegenden Problemen des Landes. So gebe es große Mängel in der Infrastruktur, im Bildungswesen und in der öffentlichen Verwaltung. Die Regierung zeige sich wirtschaftsfreundlich, doch die Investitionsschwäche halte an. Ein wichtiger Pluspunkt sei die Glaubwürdigkeit, die die Zentralbank in den vergangenen Jahren gewonnen hat, da hierdurch die Inflationsbekämpfung erleichtert werde. Der gegenwärtige politische Kurs spreche dafür, dass religiöse Spannungen in den kommenden Jahren zunehmen würden.

Moody‘s, S&P und Fitch würden indische Fremdwährungsverbindlichkeiten mit Baa3/BBB- im untersten Bereich des Investment Grade einstufen. Eine Herabstufung
erscheine gegenwärtig unwahrscheinlich, weil die Defizite in Leistungsbilanz und Haushalt unter Kontrolle gehalten würden. Die Geldpolitik habe in den vergangenen Jahren an Glaubwürdigkeit gewonnen, was geholfen habe, den Wert der Rupie zu stabilisieren und die Preisentwicklung in den Griff zu bekommen. Um aber den Bonitätstrend nach oben zu drehen, müsste ein besseres Umfeld für Investitionen geschaffen werden, was auch nach dem Regierungswechsel bislang nur in Ansätzen erkennbar sei. Das Verhältnis zum Nachbarn Pakistan bleibe angespannt. Im Kaschmir-Konflikt komme es immer wieder zu Anschlägen und Vergeltungsmaßnahmen durch indisches Militär. (Ausgabe vom 07.08.2017) (09.08.2017/ac/a/m)







 
 
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