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Eurozone: Wirtschaft bleibt wohl auf Erholungskurs - Lieferengpässe und Corona-Pandemie als unmittelbare Risiken




15.09.21 09:20
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.aktiencheck.de) - Im zweiten Quartal hat das BIP in der Eurozone mit 2,2% p.q. etwas stärker als allgemein erwartet zugelegt, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Die Öffnungsschritte im Frühjahr hätten vor allem im Dienstleistungssektor zu einem Rebound der Geschäftsaktivität geführt. Spielbildlich hätten die privaten Haushalte nach zwei Quartalen mit Rückgängen (das Minus betrug rund 5%) den Konsum deutlich gesteigert (3,7% p.q.). Im dritten Quartal sei mit einer nochmaligen starken Zunahme des BIP zu rechnen. Neben den Dienstleistungen sollte auch die im Frühjahr enttäuschende Industrieproduktion stärker zulegen. Immerhin lägen Umfrageindikatoren auf einem Niveau, das unter normalen Umständen mit einer starken Produktionsausweitung einhergehe.

In den letzten Monaten dürfte weniger die Nachfrage als Kapazitätsengpässe die Outputleistung des Verarbeitenden Gewerbes gedämpft haben. Laut Umfragen sei auch in naher Zukunft noch mit Lieferverzögerungen bei Vorleistungsgütern zur rechnen. Somit könnte sich der Aufschwung in der Industrie zeitlich etwas stärker strecken als von uns unterstellt, so die Analysten der RBI. Ein verzögertes Abarbeiten von Aufträgen stelle aber nach Meinung der Analysten der RBI den Aufschwung nicht infrage.

Gegen Jahresende sollte der gesamtwirtschaftliche Output wieder an das Vorkrisenniveau heranreichen. Dennoch würden die Analysten der RBI in den kommenden Monaten mit einem Rückgang bei den Konjunkturumfragen und in weiterer Folge einem merklichen Abkühlen der BIP-Wachstumsraten rechnen. Im Frühjahr/Sommer sei immerhin der stärkste Impuls aus der Rücknahme von Geschäftseinschränkungen erfolgt, wobei Stimmungsindikatoren teilweise Allzeit-Höchststände erreicht hätten. Sei der Geschäftsbetrieb einmal hochgefahren, sei es nur natürlich, dass der Anstieg der Wirtschaftsleistung abflache. Somit könnten auch in den Umfragen die Bewertungen zum Geschäftsverlauf kaum noch positiver ausfallen. Bei den Stimmungsindikatoren stehe daher eine Konsolidierung auf einem niedrigeren Niveau an.

Mit Unsicherheiten und Abwärtsrisken sei weiterhin das Corona-Umfeld verbunden. Der Anteil der vollständig gegen das Corona-Virus Geimpften habe in der Eurozone rund 60% erreicht und ebbe an dieser Marke ab. Dieser Impfgrad dürfte nicht ausreichen, um ein verstärktes Infektionsgeschehen im Herbst hintanzuhalten. Die Analysten der RBI würden in ihrem Basisszenario daher mit anhaltenden bzw. teilweise erhöhten Einschränkungen in den kommenden Quartalen rechnen, die aber die Wirtschaft nicht mehr annähernd so stark belasten sollten als im Winterhalbjahr 2020/21. Die Analysten der RBI würden von keiner nochmaligen Rezession ausgehen (unter der Voraussetzung, dass sich keine Virusvarianten verbreiten würden, die den bekannten Impfschutz untergraben würden).

Dem aktuellen Rebound des BIP zum Ausgangsniveau sollte sich eine anhaltende Aufschwungsphase anschließen. Die hohe Ersparnisbildung der privaten Haushalte in den letzten Quartalen lasse auf eine aufgestaute private Konsumnachfrage schließen.

Zudem entwickle sich die Lage am Arbeitsmarkt besser als in der Vergangenheit befürchtet. Jobsicherungsmaßnahmen hätten oftmals ihren Zweck erfüllt. Mit einer Normalisierung des Geschäftsbetriebes sollte ein weiterer Beschäftigungsaufbau einhergehen, sodass selbst ein Abbau der staatlichen Unterstützungen zu keinem verspäteten Hochschnellen der Arbeitslosenquoten führe. Diese Einschätzung gelte sicher nicht für jeden Betrieb und jede Branche im gleichen Ausmaß (z.B. werde die Luftfahrt sicher noch länger unter den veränderten den Rahmenbedingungen leiden). In Summe dürfte es zu gewissen sektoralen Verschiebungen kommen, und wir rechnen bei der Arbeitslosenquote alsbald mit einem Abflachen des steilen Abwärtstrends, so die Analysten der RBI.

Neben der erwarteten starken Konsumnachfrage sollten die privaten Investitionen den Aufschwung tragen. Immerhin setze in einigen Branchen - neben den positiven Absatzaussichten - die anhaltende expansive Geldpolitik hohe Investitionsanreize (z.B. Industrie, Wohnbau). Darüber hinaus werde die Fiskalpolitik in den kommenden Jahren ein unterstützender Faktor bleiben. Dabei sei vor allem das Next Generation EU Programm im Ausmaß von EUR 750 Mrd. zu nennen, das in den kommenden Jahren allen voran in Südeuropa für substanziellen Rückenwind sorgen werde (Zuschüsse aufgeteilt auf diverse Initiativen von rund 4% (Italien) bis zu 10% (Griechenland) des BIP, dazu könnten sich Darlehen im ähnlichen Ausmaß addieren). (Ausgabe vom 14.09.2021) (15.09.2021/ac/a/m)







 
 
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