Erweiterte Funktionen


Europa funktioniert




20.06.17 10:24
Bank J. Safra Sarasin AG

Basel (www.aktiencheck.de) - Entgegen vielfältiger Skepsis steht Europa viel solider da als andere G7-Staaten, so Karsten Junius, Chefökonom, Bank J. Safra Sarasin AG.

Kritik an der EU habe es immer schon gegeben. Aber zu Beginn dieses Jahres seien die Sorgen über die politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen in Europa besonders groß gewesen. Ein Zerfall erschien nicht mehr unmöglich, so Junius. Ein halbes Jahr später sehe man nun einen Kontinent, der stabiler erscheine als einige angelsächsische Volkswirtschaften. Zum Jahrestag des Brexit-Referendums werde dies besonders deutlich.

Freitag diese Woche jähre sich die Entscheidung der britischen Bevölkerung aus der EU auszutreten. Viele hätten dies als ersten Schritt eines unvermeidbaren Auflösungsprozesses gesehen. Die Wahl von Trump im November habe daraufhin signalisiert, dass populistische Politiker deutlich höhere Wahlchancen hätten als bisher angenommen. Mit der Vielzahl der dieses Jahr in Europa anstehenden Wahlen schien es nur eine Frage der Zeit bis ein europakritischer Populist die Mitgliedschaft in der europäische Währungsunion oder der EU zur Wahl gestellt hätte. Passiert sei davon bislang nichts. Stattdessen besitze Frankreich nun einen Präsidenten, der mit seinem Reformbekenntnis und seiner Dynamik das Potenzial besitze, die deutsch-französische ökonomische Divergenz wieder umzukehren und die europäische Integration neu zu beleben.

Selbst die Euro-Peripherie wirke dynamischer als erwartet. Dies möge teilweise an den plötzlichen Tourismusströmen liegen, die sich von Nordafrika abwenden und sicherere Gefilde suchen würden. Und so stehe Kontinentaleuropa ganz unerwartet dieses Jahr für Sicherheit und politische Stabilität. Dies werde umso deutlicher, wenn man die Entwicklungen in den USA oder UK betrachte. Erstere würden sich statt auf die erwarteten Deregulierungen und Steuerreformen hauptsächlich auf politische Schlammschlachten fokussieren, während letztere immer noch kein Konzept vorgelegt hätten, wie sie den Brexit ausgestalten möchten. In beiden Ländern scheine die Ablehnung des bestehenden Systems ausgeprägter zu sein als der Wille und die Fähigkeit, etwas Neues zu gestalten.

Nun sei auch in Kontinentaleuropa nicht alles Gold, was glänze und so viel glänze vielleicht auch gar nicht richtig. Beispielsweise lasse sich an dem letzte Woche für und mit Griechenland gefunden Finanzierungspaket, seinen Bedingungen und Prämissen sicherlich einiges aussetzen. Einen faulen Kompromiss hätten es daher viele Kritiker genannt. Möge sein, dass die Vereinbarungen das ein oder andere faule Element bergen würden. Es sei aber vor allem ein funktionsfähiger Kompromiss, mit dem alle Seiten leben könnten. Und das sei wohl die positive Botschaft, die gar nicht stark genug hervorgehoben werden könne: Europa sei politisch kompromissbereit und -fähig geblieben.

Die viel gescholtene Brüsseler Bürokratie finde auch in schwierigen Situation für viele Parteien noch akzeptable Lösungen. Vermieden worden sei die politische Segregation, die das amerikanische politische System spalte, und die im Vereinigten Königreich zunächst zum Brexit-Referendum und nun eventuell sogar zu einem harten Brexit führen könnte. Dazu möge in Kontinentaleuropa beigetragen haben, dass die wirtschaftliche Ungleichheit weniger stark angestiegen sei. Auf Kosten des Wachstums, würden wiederum manche Kritiker sagen. Aber wie nachhaltig das Wachstum in den angelsächsischen Ländern sei, müsse sich noch beweisen. Dort seien jedenfalls die Staatsverschuldung, Leistungsbilanz- und Haushaltsdefizite höher als in der Eurozone. Die Experten würden daher bei ihrer Einschätzung bleiben, dass es dieses Jahr "Europe first" heißen sollte. (20.06.2017/ac/a/m)






 
 
Aktien des Tages
  


Mit der Anmeldung für den Newsletter "Aktien des Tages" stimme ich dem gleichzeitigen Erhalt des "GeVestor täglich" unseres Partners GeVestor zu.


Mit der Anmeldung für den Newsletter "Aktien des Tages" stimme ich dem gleichzeitigen Erhalt des "Investors Daily" unseres Partners FID Verlag zu.



Aktien des Tages
  


Mit der Anmeldung für den Newsletter "Aktien des Tages" stimme ich dem gleichzeitigen Erhalt des "GeVestor täglich" unseres Partners GeVestor zu.


Mit der Anmeldung für den Newsletter "Aktien des Tages" stimme ich dem gleichzeitigen Erhalt des "Investors Daily" unseres Partners FID Verlag zu.

RSS Feeds




Bitte warten...