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Dominikanische Republik: Finanzpolitik könnte zum langfristigen Problem werden




19.06.17 11:38
Credendo

Brüssel (www.aktiencheck.de) - Mit Danilo Medina verfügt die Dominikanische Republik über den populärsten Präsidenten Südamerikas, was insbesondere auf seine Sozialreformen sowie die wachsende Wirtschaft zurückzuführen ist, so Christoph Witte, Deutschland-Chef des belgischen Kreditversicherers Credendo.

Dennoch gerate die Beliebtheit Medinas ins Wanken, denn die Korruptionsvorwürfe in Zusammenhang mit dem brasilianischen Baugiganten Odebrecht würden sich in Lateinamerika ausweiten und auch vor der Dominikanischen Republik keinen Halt machen. Die soziale Unzufriedenheit wachse und löse regelmäßig Proteste aus - etwa aufgrund grassierender Korruption, hoher Ungleichheit, steigender Kriminalität, unzureichender Gesundheitsversorgung und eines schwachen Stromsektors. "Profiteur dieser Entwicklungen ist eindeutig die Opposition, welche gestärkt in die Wahlen von 2020 gehen wird. Zum Sturz Medinas dürfte dies aber vermutlich noch nicht führen", habe Witte gesagt.

Die Dominikanische Republik habe in den vergangenen zehn Jahren ein BIP-Wachstum von durchschnittlich 6,3 Prozent erzielt - eine beachtliche Leistung, insbesondere vor dem Hintergrund, dass die dominikanische Wirtschaft noch 2003 durch eine Bankenkrise stark angeschlagen gewesen sei. Dieser Erfolg sei in erster Linie auf steigende Umsätze aus der Tourismusbranche und den Freihandelszonen zurückzuführen. Zudem hätten die rasch ansteigenden Rücküberweisungen der im Ausland lebenden Dominikaner das Wachstum angetrieben, da sie das Einkommen dominikanischer Familien erhöhen und den Druck auf lokale Ressourcen senken würden. Darüber hinaus habe der Abbau der im vergangenen Jahrzehnt entdeckten Goldvorkommen dem Bergbau kräftige Impulse verliehen und eine weitere Diversifizierung der Einnahmen bewirkt.

"Die Diversifizierung der dominikanischen Wirtschaft ist im regionalen Vergleich zwar recht gut ausgeprägt, um seine Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten muss das Land jedoch noch weitere Fortschritte erzielen", so Witte. "Das gilt auch für eine Beschäftigungsverlagerung hin zu einer höheren Wertschöpfung und einer größeren Zahl an Fachkräften."

Der niedrige Ölpreis habe neben dem Exportwachstum in den vergangenen Jahren die Leistungsbilanz deutlich verbessert. Öl sei das wichtigste Importprodukt, es mache etwa ein Viertel des Gesamtimports aus. Zudem sei das Leistungsbilanzdefizit 2016 auf ein Zehnjahrestief gefallen. Die ausländischen Direktinvestitionen, die 2016 3,6 Prozent des BIP ausgemacht hätten, hätten das Defizit ausgeglichen. In der Folge seien auch die Devisenreserven angestiegen. "In der Vergangenheit hat der Mangel an Devisenreserven immer eine Schwachstelle dargestellt. Das hat sich nun aber geändert, im März dieses Jahres deckten die Reserven solide 3,5 Monatsimporte ab", so Witte. Und auch die Schuldenentwicklung der Dominikanischen Republik zeige eine positive Tendenz: So sei die Auslandsverschuldung von nahezu 70 Prozent des BIP im Jahr 1990 auf moderate 39 Prozent im vergangenen Jahr zurückgegangen.

Die Finanzpolitik könnte hingegen langfristig zu einem Problem werden. In der Vergangenheit sei die Finanzpolitik stets von einem anhaltenden Haushaltsdefizit und steigenden Schulden geprägt gewesen. Und trotz eines soliden Wirtschaftswachstums habe die dominikanische Regierung die ersten Maßnahmen zur Bekämpfung der erheblichen finanzwirtschaftlichen Ungleichgewichte erst vor vier Jahren eingeleitet. Medina habe die öffentlichen Investitionen und verabschiedete Steuerreformen zur Erhöhung der Einnahmen reduziert. Infolgedessen sei das Haushaltsdefizit in den vergangenen Jahren zwar zum Teil stark zurückgegangen, jedoch werde erwartet, dass es sich künftig langsam wieder verschärfe und 2021 bei 5,2 Prozent liegen werde.

Zudem seien auf der Einnahmenseite zusätzliche Steuerreformen notwendig, um die schmale Besteuerungsgrundlage zu erweitern, Steuervergünstigungen zu eliminieren und Maßnahmen zur Bekämpfung von Steuerhinterziehung zu stärken. Und auf der Ausgabenseite führe der Bau der Kohlekraftwerke bis 2019 zu einer Erhöhung des Haushaltsdefizits und der Staatsverschuldung. Außerdem würden sich die Zinszahlungen zu einer zunehmenden Belastung entwickeln. 2016 seien sie auf etwa 3 Prozent des BIP beziehungsweise 20 Prozent der öffentlichen Einnahmen geschätzt worden und dürften künftig weiter in die Höhe steigen. "Die Haushaltslage ist derzeit zwar noch solide, ob sie sich aber auch künftig noch als tragfähig erweist, bleibt fraglich", so Witte.

Credendo schätze das kurzfristige politische Risiko der Dominikanischen Republik als eher gering ein (2 auf einer Skala von 1 bis 7). Das Geschäftsrisiko werde hingegen mittel bewertet (B auf einer Skala von A bis C). (19.06.2017/ac/a/m)






 
 
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