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Die Dividenden-Zukunft der Ölmultis




12.09.17 10:55
NN Investment Partners

Den Haag (www.aktiencheck.de) - Trotz zahlreicher Ölpreisrückgänge seit dem Zweiten Weltkrieg haben die großen Ölkonzerne ihre Dividenden nur selten gekürzt, so Carl Ghielen, Client Portfolio Manager High Dividend Strategien bei NN Investment Partners (NN IP).

Sowohl BP (ISIN: GB0007980591, WKN: 850517) als auch ENI (ISIN: IT0003132476, WKN: 897791) hätten das zweimal getan, Shell (ISIN: GB00B03MLX29, WKN: A0D94M), Exxon Mobil (ISIN: US30231G1022, WKN: 852549), Chevron (ISIN: US1667641005, WKN: 852552) und Statoil (ISIN: NO0010096985, WKN: 675213) noch nie. Die Ölkonzerne hätten nun allerdings einige harte Jahre mit schwacher Nachfrage und niedrigen Ölpreisen durchgestanden, und ihr Geschäftsmodell sei herausgefordert: Auf der Förderseite seien die Unternehmen gezwungen, nach alternativen Quellen Ausschau zu halten, da ihr Fundus an herkömmlichen Projekten schrumpfe.

Die Konzerne würden so zu ökonomisch und ökologisch grenzwertigen Projekten genötigt und seien in technologisch anspruchsvolle Bereiche wie Ultra-Tiefwasser, Ölsand und Schieferöl sowie in politisch instabilere Regionen wie Westafrika eingestiegen. Diese Projekte lägen am oberen Ende der Kostenkurve. Der Ölpreiskollaps Mitte 2014 habe jedoch eine Kostensenkungswelle zur Folge gehabt, die Ölunternehmen hätten Stellen abgebaut und auch große Projekte eingestellt, die die Profitabilitätskriterien nicht mehr erfüllt hätten.

Diese Maßnahmen würden allmählich eine verbesserte finanzielle Nachhaltigkeit in der Branche erkennen lassen. Die Experten von NN IP berechnen dazu, ob die Renditen von Projekten die Finanzierungskosten übersteigen. Die jüngste Erholung des Ölpreises habe die Aussichten für die kommenden Jahre wieder etwas verbessert. Exxon Mobil habe bis 2014 kontinuierlich überdurchschnittliche Ergebnisse erzielt. Das Unternehmen sei jedoch von Total (ISIN: FR0000120271, WKN: 850727) überholt worden, da dessen zyklusübergreifende Rendite stabiler sei als bei den Mitbewerbern.

Shell und ENI seien am unteren Ende zu finden, aber die Prognosen für die Eigenkapitalrendite für 2017 und 2018 würden darauf hinweisen, dass Shell zum Mittelwert zurückkehren werde (ENI eher nicht). Angesichts der großen Beeinträchtigung durch die Macondo-Tragödie (Deepwater Horizon), die Zahlungen von 60 Mrd. USD verursacht und BP dazu gezwungen habe, einige seiner Kronjuwelen zu verkaufen, erziele BP überraschend stabile Ergebnisse. Statoil habe den zweithöchsten Durchschnittswert, sei aber aufgrund mangelnder Diversifikation unbeständiger.

Da die Ölriesen ihr Geschäft nicht wirklich weiterentwickelt hätten, seien Dividenden ihr Hauptanziehungspunkt. Ihre erwarteten Dividenden lägen etwa zwischen 4 und 7 Prozent.

Aufgrund des Gegenwinds seitens der Rohstoffpreise und der Kapitaleffizienz würden Anleger aktuell die Nachhaltigkeit der Dividenden infrage stellen. Auch wenn das direkte Risiko dank der Erholung des Ölpreises und Maßnahmen zur Erhaltung der Liquidität eindeutig nachgelassen habe, gebe es immer noch Bedenken, dass in den Kerngeschäftsfeldern zu viel ausgeschüttet und zu wenig investiert werde.

Zur Beurteilung der Nachhaltigkeit stellen die Experten von NN IP den freien Cashflow an den Ausgangspunkt ihrer Analyse. Dieser werde berechnet als liquide Mittel aus dem operativen Geschäft abzüglich der erforderlichen Investitionsaufwände zur Ersetzung der aktuellen Produktion. Der Restbetrag könne zur Finanzierung von Wachstum, zum Schuldenabbau oder als Ausschüttung an die Aktionäre verwendet werden.

Eine Regressionsanalyse über den Zeitraum von 1998 bis 2016 lasse folgende Rückschlüsse zu: BP, Exxon und Total würden prinzipiell mehr Cash als die anderen Unternehmen generieren. Chevron sei am anfälligsten für Ölpreisschwankungen, BP sei am wenigsten anfällig. Das überraschendste Ergebnis sei die geringe Ölpreisanfälligkeit von Statoil. Aber das könnte durch die hohen Steuersenkungen und eine Tendenz in Richtung Gas erklärt werden. Die Regressionsanalyse lege nahe, dass Exxon die beste Kapitaldisziplin gehabt habe, während Shell und Statoil hinter ihren Konkurrenten zurückgeblieben seien.

Die Analyse deute darauf hin, dass nur Chevron und Royal Dutch Shell ernste Probleme hätten, beim aktuellen Ölpreis ihre Dividende zu decken. Diese beiden Unternehmen hätten aber auch die geringste Disziplin im letzten Zyklus gezeigt und Schwierigkeiten bei ihren Projekten gehabt. Allerdings hätten beide Unternehmen Investoren einen Plan präsentiert, wie sie ihre Kapitalintensität und ihre Kostenbasis reduzieren würden, damit sie sich künftig ihre Dividendenverpflichtungen leisten könnten. Insbesondere Shell habe nach drei Quartalen in Folge Glaubwürdigkeit am Markt zurückgewonnen.

Die Ölmultis seien in der Lage, sich an niedrigere Ölpreise anzupassen. Geringere Investitionsaufwände, eine höhere Kosteneffizienz, die Veräußerung von Vermögenswerten oder eine Aufnahme von Fremdkapital seien die Mittel der Wahl, um dem Sturm zu trotzen. Investoren mögen sich zwar über die Nachhaltigkeit der Dividenden in diesen Schwächephasen sorgen, aber solche Phasen wurden bisher (fast) immer ohne Dividendenkürzungen überbrückt, so die Experten von NN IP. Die Experten seien der Meinung, dass das Risiko von Dividendenkürzungen bei den großen Ölkonzernen in den kommenden Jahren vom Markt überschätzt werde. Daher und aufgrund der attraktiven Bewertungen sind die Experten von NN IP in all ihren High-Dividend-Fonds im Energiesektor übergewichtet. (12.09.2017/ac/a/m)







 
 
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