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Brasilien: Endlich Wachstum




12.09.17 08:30
Helaba

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Die Signale für eine allmähliche Besserung in der mit Abstand größten südamerikanischen Volkswirtschaft haben in den letzten Wochen und Monaten zugenommen, so die Analysten der Helaba.

Das Geschäftsklima habe sich deutlich aufgehellt, die Industrieproduktion habe sich auf niedrigem Niveau stabilisiert und die Einzelhandelsumsätze hätten zuletzt wieder über dem Vorjahresniveau gelegen. Schon in den letzten Quartalen sei das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Vorjahresvergleich immer weniger geschrumpft - von in der Spitze 5,7% im Schlussquartal 2015 auf nur noch -0,4% im ersten Quartal dieses Jahres. Die Zahlen für das zweite Quartal würden diesen Trend bestätigen. Erstmals seit zwölf Quartalen liege das BIP über dem Stand vor einem Jahr. Die lange und tiefe Rezession in Brasilien scheine damit beendet. Nun gelte es, den kräftigen Rückgang der wirtschaftlichen Leistung aufzuholen - immerhin habe das BIP zuletzt fast 7% unter dem Stand von Ende 2014 gelegen.

Die Erholung werde aber mit einem BIP-Wachstum 2017 von nur 0,5% und 1,5% 2018 schwach ausfallen - zu sehr lasten strukturelle Probleme wie mangelnde Reformen, hohe politische Unsicherheit und Korruption auf dem Land. Auch der marktwirtschaftlich orientierte Präsident Michel Temes, der nach der Amtsenthebung von Dilma Rousseff vor einem Jahr angetreten sei, werde von Korruptionsvorwürfen belastet. Allerdings bleibe ihm wohl das Schicksal seiner Vorgängerin erspart, denn Anfang August habe das Parlament entschieden, keinen Prozess wegen der Annahme von Bestechungsgeldern einzuleiten. Damit sei eine erneute Phase der politischen Instabilität vermieden worden. Die geringe Beliebtheit des Präsidenten dürfte dies aber nicht verbessern.

Der Präsident wolle den Reformprozess vorantreiben, was nicht zuletzt wegen der schwierigen öffentlichen Haushaltslage dringend geboten sei. Für einen Abbau des hohen Budgetdefizits von rund 8% des BIP in diesem Jahr wäre vor allem die Reform des teuren Rentensystems durch die Einführung eines festen Rentenalters sowie einer Mindestbeitragsdauer erforderlich. Ob diese unpopuläre Maßnahme aber noch vor der Wahl im Oktober 2018 durchgesetzt werde, sei fraglich. Wichtige Ansatzpunkte zur Ankurbelung der Wirtschaft wären darüber hinaus die Bekämpfung der Korruption, die Verbesserung von Infrastruktur und Bildungssystem sowie der Abbau von Handelshemmnissen.

Die Inflationsrate sei von einem sehr hohen Niveau deutlich zurückgegangen, von jahresdurchschnittlich fast 9% 2016 auf voraussichtlich nur 3,5% in diesem Jahr. Die Entspannung bei der Preisentwicklung habe es der Notenbank mit ihrem Inflationsziel von derzeit 4,5% ermöglicht, den Leitzins von über 14% Ende letzten Jahres auf zuletzt 9,25% zu senken. Weitere Zinssenkungen bis Jahresende seien wahrscheinlich. Dies lasse auf eine Belebung der Investitionen hoffen. Auch sorge die rückläufige Inflation für steigende Realeinkommen, die dem privaten Konsum Impulse geben sollten. Der Unternehmenssektor sei durch die lange und tiefe Rezession geschwächt und leide unter einer hohen Verschuldung. Eine deutliche Besserung auf dem Arbeitsmarkt werde sich erst mit der üblichen Verzögerung einstellen, wenn die Gesamtwirtschaft wieder kräftiger wachse. Im laufenden Jahr seien noch die höchsten Arbeitslosenquoten seit Jahren zu verkraften. (Ausgabe vom 07.09.2017) (12.09.2017/ac/a/m)







 
 
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