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Die Börsen halten den Atem an - die erste Runde der Präsidentschaftswahl in Frankreich steht an




21.04.17 10:01
DONNER & REUSCHEL AG

Hamburg (www.aktiencheck.de) - Am Wochenende findet in Frankreich der erste von voraussichtlich vier wichtigen Wahlgängen in den kommenden zwei Monaten statt, so Carsten Mumm, Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Privatbank DONNER & REUSCHEL.

Am 23. April werde über den Nachfolger Francois Hollandes als französischer Staatspräsident entschieden. Sollte im ersten Wahlgang kein Kandidat eine absolute Mehrheit erhalten, würde am 7. Mai eine Stichwahl zwischen den beiden Kandidaten mit den meisten Stimmen aus der ersten Runde stattfinden.

Verschiedene Umfragen und Wahlprognosen würden darauf hindeuten, dass der ehemalige französische Wirtschaftsminister Emmanuel Macron in der Stichwahl gegen die Parteichefin der rechtspopulistischen Front National, Marie Le Pen, gewinnen werde. Allerdings müssten diese Vorhersagen wegen zweier weiterer aussichtsreicher Kandidaten und aufgrund des komplexen französischen Wahlsystems mit Vorsicht betrachtet werden.

So würden die Umfragen nahe legen, dass Le Pen und Macron Stimmenanteile zwischen 20% und 25% erreichen könnten. Dicht darauf würden jedoch der Euro- und EU-kritische Jean-Luc Mélenchon sowie Francois Fillon von der Partei "Les Républicains" mit jeweils knapp 20% der Stimmen folgen. Besonders schwer prognostizierbar sei zudem das Verhalten der Wähler in der zweiten Runde, denn sowohl Le Pen als auch Macron seien für viele Anhänger anderer Kandidaten nicht wählbar. Das zeige sich daran, dass der Anteil der für die zweite Runde noch unentschlossenen Wähler mit 30% bis 40% sehr hoch sei. Einerseits stünden viele Franzosen den politischen und wirtschaftlichen Eliten, denen Macron zuzuordnen sei, kritisch gegenüber. Andererseits möchte die deutliche Mehrheit der Franzosen den Euro behalten.

Unabhängig vom Wahlausgang könnte sich für Franzosen zukünftig einiges ändern. Anders als in den Niederlanden stelle sich kein amtierender Ministerpräsident zur Wiederwahl. Zudem würden die etablierten Parteien in Frankreich nur noch eine untergeordnete Rolle spielen. Le Pen und Mélenchon stünden für einen Euro-Austritt. Dagegen würden Macron und Fillon weitergehende Strukturreformen, z.B. eine Flexibilisierung des Arbeitsmarktes, angehen wollen, um die französische Wirtschaft wieder wettbewerbsfähiger zu machen. Alle Präsidentschaftskandidaten wären jedoch machtlos, wenn sie bei den im Juni stattfindenden Parlamentswahlen nicht auch Mehrheiten erringen könnten. In diesem Fall wären kaum politische Richtungswechsel zu erwarten.

Die Situation sei offensichtlich sehr komplex. So bleibe nur, die Situation Schritt für Schritt und in Szenarien zu analysieren. Das Basisszenario sei, dass Macron tatsächlich in der Stichwahl gegen Le Pen gewinne. In diesem Fall dürften die Aktienmärkte zunächst beruhigt sein und könnten sich vorübergehend auf die guten fundamentalen Daten konzentrieren. Sollte jedoch Le Pen gewinnen und/ oder neben ihr Mélenchon in die zweite Runde einziehen, wären zumindest zeitweilige Turbulenzen an den Börsen wahrscheinlich. Die Risikoaufschläge französischer Staatsanleihen würden sich ausweiten, der Euro abwerten und die Aktien ihren seit Herbst letzten Jahres bestehenden Höhenflug vorerst beenden.

Der weitere Verlauf hinge dann von den Reaktionen der anderen Euro-Staaten sowie insbesondere der EZB ab. Es sei davon auszugehen, dass die Notenbank im Falle größerer Turbulenzen beruhigend eingreifen würde, und sei es auch nur verbal, wie es Mario Draghi in den letzten Jahren einige Male bereits getan habe.

Ach ja, und dann sei in dieser Woche auch noch die überraschende Ankündigung von Neuwahlen in Großbritannien gekommen. Die amtierende Ministerpräsidentin Theresa May scheine die Gunst der Stunde nutzen zu wollen, um sich mit einer stärkeren innenpolitischen Machtbasis für die anstehenden Brexit-Verhandlungen ausstatten zu lassen. Dieser Urnengang finde am 8. Juni, also noch vor der französischen Parlamentswahl statt - als wäre der europäische Wahlkalender nicht schon voll genug. Die direkten Auswirkungen auf die Kapitalmärkte dürften überschaubar bleiben. Trotzdem sei dieser Schritt bemerkenswert, denn es sei vor der Wahl kaum mit konkreten Brexit-Verhandlungen zu rechnen. Die ohnehin knapp bemessene Verhandlungszeit werde also noch weniger. (21.04.2017/ac/a/m)






 
 
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