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Aktien: Auf günstigere Einstiegsmöglichkeiten warten




10.08.17 09:59
BMO Capital Markets

Toronto (www.aktiencheck.de) - Aktien bieten weiterhin Potenzial. Investoren sollten Aktien in ihrem Portfolio dennoch nur moderat übergewichten. Dieser Ansicht ist Steven Bell, Chefvolkswirt bei BMO Global Asset Management.

"Die derzeit positive Entwicklung der Unternehmensgewinne stützt die Aktienkurse", so Bell. Im ersten Quartal dieses Jahres hätten die Ergebnisse von 70 Prozent der US-Firmen die Erwartungen der Analysten übertroffen, bei europäischen Konzernen habe dieser Anteil so hoch wie seit Jahren nicht mehr gelegen. Die Gewinne europäischer Unternehmen seien im Schnitt um 28 Prozent gegenüber dem vorangegangenen Quartal gestiegen, in den USA seien es im gleichen Zeitraum 15 Prozent gewesen.

"Bei allen Diskussionen über eine Überhitzung der Aktienmärkte: Aus den Quartalsergebnissen lässt sich das nicht ableiten", erkläre Bell. "Sollten die Unternehmen ihre Gewinndynamik beibehalten und die Erwartungen weiterhin übertreffen, dann werden die Marktbewertungen nicht länger zu hoch, sondern eher moderat erscheinen." Der Volkswirt weise in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Berichtssaison für den S&P 500 im vollen Gange sei und das Ertragswachstum bei 11 Prozent liegen werde. "Das wäre das vierte Quartal in Folge, in dem die Gewinne zulegen würden", so Bell.

Sehr aufmerksam würden Bell und sein Team die politische Situation in den USA verfolgen, wo Präsident Donald Trump damit zu kämpfen habe, seine Pläne für eine Steuerreform und höhere Infrastrukturausgaben auf den Weg zu bringen. "Das Tempo der Reflation ist erlahmt und entspricht mittlerweile mehr dem einer Ente als einem springenden Tiger", stelle Bell nüchtern fest.

Der US-Dollar habe seit Ende vergangenen Jahres an den Devisenmärkten mehr oder weniger kontinuierlich an Wert verloren, die Aktien der internationalen Großkonzerne würden die der Small- und Mid-Caps überflügeln und der nach der Wahl im November einsetzende Börsenaufschwung in einzelnen Sektoren wie etwa bei Finanztiteln habe nachgelassen oder sei gänzlich zum Erliegen gekommen. Außerdem seien einige Konjunkturindikatoren wie das US-Verbrauchervertrauen unter die Höchststände gerutscht, die sie nach der Wahl Trumps erreicht hätten. "Hinzu kommt, dass sich das Tempo der chinesischen Volkswirtschaft - einem weiteren Wachstumstreiber für die Weltwirtschaft - verlangsamt hat", sage Bell.

"Dennoch haben sich Aktien bislang durch die Bank weg als widerstandsfähig erwiesen", beobachte der Ökonom. Und das, obwohl sich die Höhenflüge an den Aktienmärkten bislang noch nicht in Investitionen der Unternehmen oder höhere staatliche Ausgaben niedergeschlagen hätten. Er weise zudem darauf hin, dass in manchen Bereichen die Erwartungen mittlerweile so pessimistisch seien, dass dies Raum für positive Überraschungen biete.

Im Gegensatz zu den USA würden sich die politischen Risiken in Europa nach der Wahl von Emmanuel Macron zum französischen Staatspräsidenten zu zerstreuen beginnen. Zumal Angela Merkel in den Umfragen zur anstehenden Bundestagswahl im September deutlich führe und es Anzeichen dafür gebe, dass die deutsch-französische Achse in der Europäischen Union gestärkt daraus hervorgehen werde. "Das ist ein gutes Zeichen für die Integration und die Stärke der europäischen Märkte", sage Bell.

Unter dem Strich würden nach Einschätzung des Experten zwei Faktoren bleiben, die zuversichtlich hinsichtlich Risikoanlagen stimmen würden: Die zunehmend dynamische Gewinnentwicklung der Unternehmen und das zwar nur moderate, aber dennoch erkennbar positive Wirtschaftswachstum.

"Dies bestärkt uns in unserer grundsätzlich positiven Einschätzung für Aktien", sage Bell. Dennoch empfehle er, Aktien im Portfolio nur moderat überzugewichten: "Wir denken, dass der Markt die bestehenden politischen Risiken nicht in angemessener Weise berücksichtigt und einpreist. Gleichzeitig beschäftigt uns die Selbstzufriedenheit vieler Marktakteure aufgrund der guten Gewinnentwicklung vieler Unternehmen und der zurückgegangenen Volatilität."

In den kommenden Wochen und Monaten könnten sich nach Einschätzung des Experten für einen Einstieg bessere Möglichkeiten ergeben: "Derzeit signalisieren nur wenige Indikatoren eine günstige Bewertung. Daher sollten Investoren Dividendentitel weiterhin im Blick behalten, aber auf günstigere Einstiegsmöglichkeiten warten." (10.08.2017/ac/a/m)







 
 
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