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Marktkommentar: Warum es nicht auf die Größe ankommt




30.08.18 15:20
Ginmon GmbH

Frankfurt am Main (www.aktiencheck.de) - Es geht rund in den deutschen Börsenbarometern MDAX, SDAX und TecDAX, so Lars Reiner, Gründer und Geschäftsführer des digitalen Vermögensverwalters Ginmon.

Gemeint sei dabei weniger deren Entwicklung in Zeiten eines herausfordernden Börsenumfelds. Vielmehr drehe es sich um die Veränderung ihrer Zusammensetzung. Am 24. September sei es soweit und die gewohnte Trennung nach den Segmenten Tech und Classic werde von der Deutschen Börse aufgehoben. Für Anlegerinnen und Anleger werde sich einiges ändern. Zugleich würden sich am Beispiel der Indexzusammensetzung klar die Nachteile einer Portfolio-Gewichtung rein nach Marktkapitalisierung, also der Größe zeigen.

Was passiere? MDAX und das Technologiebarometer TecDAX würden Zuwachs durch neue Titel erhalten. Zusätzlich würden MDAX und SDAX erweitert. So bekomme die zweite deutsche Aktienbundesliga, der MDAX, zehn Werte hinzu und komme somit künftig auf 60 Mitglieder. Der SDAX wachse sogar um 20 Werte auf dann insgesamt 70. Damit aber nicht genug. Denn fortan seien auch Doppelmitgliedschaften möglich. Technologiekonzerne aus dem DAX seien folglich auch im TecDAX zu finden. Bedeute SAP, die Deutsche Telekom und Infineon würden künftig ein Doppelleben führen. Das wirble die Indices durcheinander. Allein Software-Unternehmen SAP bringe mit einer Marktkapitalisierung von rund 130 Milliarden Euro etwa ein Zehntel mehr auf die Börsenwaage als alle anderen 30 bisherigen TecDAX-Mitglieder in Summe. So könnte es zu Klumpenrisiken und verschenktem Renditepotenzial in den Portfolios kommen.

Harry M. Markowitz, der Begründer der modernen Portfoliotheorie, habe einst gewarnt, nicht alle Eier in einen Korb zu legen. Sprich, bei der Geldanlage das Ersparte möglichst über mehrere Anlageklassen und Regionen zu streuen. Wären so gesehen Anlegerinnen und Anleger also mit einem größeren MDAX oder SDAX besser aufgestellt, da die Diversifikation höher sei? Nein! Es komme nicht auf die schiere Anzahl der Mitglieder in einem Index an, sondern auf den Abhängigkeitsgrad. Würden ab September Tech-Werte aus dem DAX und MDAX auch in den TechDAX kommen, hätten sie aufgrund ihrer Marktkapitalisierung einen höheren Einfluss auf die Entwicklung des Gesamtindex. Bedeute, Anlegerinnen und Anleger, die bei Ihrer Geldanlage beispielsweise auf börsengehandelte Indexfonds (Exchange Traded Funds/ETFs) auf den DAX und den TechDAX setzen würden, seien ab dem 24. September vom Wohl und Wehe weniger Titel abhängig.

In einem gut ausbalancierten Portfolio über mehrere Anlageklassen wie Aktien, Anleihen, Immobilien und Rohstoffe werde die deutsche Indexumstellung eine verschwindend geringe Rolle spielen. Dennoch zeige das Beispiel, wie schnell eine Portfolio-Zusammenstellung nach Marktkapitalisierung das Klumpenrisiko erhöhen könne. Ein rein nach Marktkapitalisierung aufgestelltes Portfolio müsse daher nicht immer optimal diversifiziert sein und verschenke unter Umständen Renditepotenziale. Lohnender sei hingegen meist eine Gewichtung nach dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) eines Landes oder nach Faktoren (Faktorinvesting). So verteile sich das Risiko gleichmäßiger und renditestarke Regionen wie Schwellenländer oder renditeträchtigere Anlageklassen wie kleine Unternehemen (Size) würden einen höheren Anteil einnehmen. So könnten Anlegerinnen und Anleger der Indexumstellung gelassen entgegensehen. (30.08.2018/ac/a/m)






 
 
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