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Zu viel quer denken schadet




19.11.20 10:48
Grüner Fisher Investments

Rodenbach (www.aktiencheck.de) - Per heute stehen die Chancen nicht schlecht, dass das Börsenjahr 2020 sogar noch positiv in die Bücher eingehen wird, so Torsten Reidel, Geschäftsführer bei Grüner Fisher Investments.

Dieses Endergebnis würde dann definitiv nicht vermuten lassen, welche emotionale Achterbahnfahrt zu bewältigen gewesen sei. Mit der Corona-Krise und dem Kampf um das Weiße Haus hätten es Anleger dabei mit zwei besonders emotionalen Themen zu tun bekommen.

"Um die Volatilität am Aktienmarkt auszuhalten, ist emotionale Krisenresistenz gefragt - das war für den langfristigen Anlageerfolg immer schon eine entscheidende Eigenschaft", so Reidel. Wer sich gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Themen mit einer gewissen Neutralität annähere, gäbe sich dafür selbst die besten Karten. Dies sei laut Reidel im Börsenjahr 2020 allerdings eine ganz besondere Herausforderung gewesen.

Sei es im Jahr 2020 aus der Mode gekommen, eine gemäßigte oder vernünftige Meinung zu haben? Gewinne der lauteste oder verrückteste Schreihals? Zu den Corona-Maßnahmen seien aus Reidels Sicht kaum neutrale Stimmen zu vernehmen. Nur wenige Kommentatoren nähmen eine neutrale Haltung zur US-Politik ein: Entweder man sei radikal für Donald Trump oder radikal gegen ihn. Auch im Bereich der Klimapolitik oder E-Mobilität vs. Diesel seien extreme Meinungen zum Standard geworden. "Gemäßigt" gäbe es in der Debatte kaum noch. Es herrsche ein radikales Meinungs-Wirrwarr in einer zunehmend polarisierten Welt.

"Für Anleger besteht in dieser emotionalen Zeit die Gefahr, dass die nüchterne Faktenlage in den Hintergrund tritt und vorwiegend die eigene - oft höchst subjektive - Meinung für Investitionsentscheidungen herangezogen wird", konstatiere Reidel. Die "Meinungsbildung" werde dabei erheblich von den jeweils konsumierten Medien beeinflusst. Träfe das beschriebene Thema die eigene Meinung, würde es für gut und richtig befunden. Häufe sich in den sozialen Medien eine bestimmte Meinungsäußerung, fühle man sich bestätigt. "So entstehen Filterblasen - und in der modernen Welt des Internet-Trackings ist es zwangsläufig so, dass der "zugeschnittene" Content diese Meinungsbildung weiter verstärkt", erkläre Reidel.

Vergessen Sie die vermeintliche Schwarmintelligenz, wenn es um erfolgreiche Geldanlage geht. Die Mehrheit der Anleger liegt meistens falsch. Auch wenn es ein gutes Gefühl vermittelt, mit seiner Meinung in guter Gesellschaft zu sein, am Aktienmarkt zählen nur Fakten", führe Reidel fort. Es schade deshalb nicht, stets eine Plausibilitätsprüfung durchzuführen. Halte die Meinungsäußerung, die Anleger lesen, einem simplen Faktencheck statt? Und für die Überprüfung der eigenen Meinung helfe das Prinzip: Wenn etwas richtig sei, müsse das Gegenteil davon falsch sein. So lasse sich diese Meinungs-Falle umgehen, die oftmals zu emotionalen Fehlentscheidungen am Aktienmarkt führe. "Denn leider führt die höhere Menge an verfügbaren Marktinformationen nicht zu einer vereinfachten Entscheidungsfindung für Anleger - sondern eher im Gegenteil", schlussfolgere Reidel.

Es spräche sicherlich nichts dagegen, sich über verschiedenste Themen zu informieren und eine Meinung auszubilden. Für die erfolgreiche Geldanlage sei unvoreingenommene Neutralität allerdings eine unabdingbare Eigenschaft. Wer sich aus irrwitzigen Diskussionen heraushielte und sorgfältig nach Fakten filtere, käme auch im Jahr 2020 und darüber hinaus besser zurecht. Eine gewisse Skepsis gegenüber extremen Meinungen bliebe angebracht. "Und nicht zuletzt auch eine gewisse Portion Optimismus für die Zukunft, denn auch - und vor allem - an der Börse gilt: Der einzige Mist, auf dem nichts wächst, ist der Pessimist", so Reidel. (19.11.2020/ac/a/m)







 
 
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