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Kolumnist: Sven Weisenhaus

Das ultimative Erfolgsrezept an der Börse




11.01.22 08:00
Sven Weisenhaus

Sehr verehrte Leserinnen und Leser,


da dies die erste Börse-Intern des neuen Jahres ist, können Sie zu Recht erwarten, mit meinen guten Wünschen dafür begrüßt zu werden. Allerdings habe ich in diesem Jahr einen besonderen Wunsch für Sie. Und den spare ich mir bis zum Schluss auf. Seien Sie also gespannt!


Der Jahreswechsel – Zeit über Geld nachzudenken


Der Jahreswechsel ist traditionell die Zeit, in der Trader und Anleger ihre Bilanzen fürs vergangene Jahr erstellen, ihre Depots durchforsten und neue Investmentpläne schmieden. In den vergangenen Tagen erhielt ich dazu einige Fragen von Ihnen.


Alle, die schon länger an der Börse sind, haben dafür meist so etwas wie ein fixes Ritual. Börsenneulinge tun sich dagegen damit oft noch schwer, insbesondere mit den Plänen für die bevorstehenden Wochen und Monate. Oft geht es dann darum, welche Anlage der Highflyer des neuen Jahres werden könnte. Dazu gibt es vermutlich so viele Meinungen wie Börsianer. Und ehe man sich versieht, hat man wieder ein Depot voller Aktien, die wegen diverser, mehr oder weniger seriöser Tipps gekauft wurden.


Aber das Kaufen von Aktien oder anderen Geldanlagen aufgrund irgendwelcher Tipps ist nur dann sinnvoll, wenn die Tippgeber selbst eine Strategie verfolgen, die für Sie nachvollziehbar ist. Das ist z.B. bei seriösen Börsenbriefen und Anlageberatern der Fall. Dabei übernimmt man faktisch die Strategie anderer.


Welche Strategie passt zu mir?


Doch auch dabei kommt es darauf an, dass diese (fremde) Strategie zu uns passt. Es nützt ja nichts, dass Sie tolle Empfehlungen bekommen, die vielleicht auch sehr erfolgreich sind, diese aber nicht umsetzen können. Sei es, weil es sehr kurzfristige Trades sind, die schnell ausgeführt werden müssen, was Ihnen aber im (Arbeits-)Alltag nur selten möglich ist. Oder weil es sehr „exotische“ Empfehlungen sind, mit denen Sie sich nicht wohlfühlen und die Sie daher meiden.


Noch wichtiger ist natürlich, die passende Strategie zu finden, wenn Sie selbst aktiv an der Börse handeln wollen – schließlich müssen Sie sich dafür das nötige theoretische Rüstzeug aneignen und es dann auch anwenden. Damit das klappt, brauchen Sie ein „Urvertrauen“ in diese Strategie und in Ihre Fähigkeiten, diese umzusetzen.


Nun gibt es aber eine unüberschaubare Zahl an Trading-Strategien: Momentum, antizyklisch, Scalping usw. sowie eine Vielzahl von Methoden, mit denen Sie diese verwirklichen können: klassische Charttechnik und Indikatoren, Elliott Wellen, Tape Reading und vieles mehr.


Wenn Sie diese Frage beantworten können…


Börsenneulinge probieren vieles davon aus und lassen dann schnell die Finger davon, wenn etwas nicht so klappt wie gewünscht. Aber keine Methode und keine Strategie funktionieren auf Anhieb oder dauerhaft gut. Es wird immer gute und weniger gute Zeiten geben. Woher weiß ich also, ob ich nur zur falschen Zeit mit der richtigen Strategie unterwegs bin oder ob die Strategie mir tatsächlich nicht liegt?


Wenn Sie diese und ähnliche Fragen beantworten können, dann haben Sie das ultimative Erfolgsgeheimnis der Börse gelüftet! Aber wie finden wir die Antwort auf diese Frage? Schließlich ist das doch offensichtlich ein sehr individuelles Problem, und – wie man in Köln sagt – jeder Jeck ist anders.


Daher kann ich Ihnen auch keinen Königsweg nennen, auf dem Sie zu Ihrem persönlichen Börsenerfolg kommen. Aber ich kann Ihnen die drei Schritte zeigen, die Sie auf diesem Weg gehen müssen: Erforschen, Testen, Anwenden.


Rockefeller und ich


Öl-Magnat John D. Rockefeller wird der Ausspruch zugeschrieben: „Lieber eine Stunde über Geld nachdenken, als eine Stunde für Geld arbeiten.“ Da ist viel Wahres dran, aber wirklich effektiv ist dieses Vorgehen aus meiner Sicht nur für Leute, die ein gewisses Grundwissen und etwas Erfahrung in den Gelddingen haben, über die man nachdenken will.


Bezogen auf den skizzierten Weg zum Börsenerfolg bedeutet es, dass Sie den Schritt des Erforschens schon (weitgehend) hinter sich gelassen haben sollten. Sonst ist es meines Erachtens besser, sich an meine folgende Variante von Rockefellers Ratschlags zu halten: „Lieber einen Monat über die Ziele beim Traden bzw. Investieren nachdenken, als einen Monat zu traden bzw. zu investieren.“


Sie müssen herausfinden, wer Sie wirklich sind und was Sie mit Ihren Investments erreichen wollen. Wollen Sie traden oder spekulieren? Lieber langfristig anlegen oder sich sogar an Unternehmen beteiligen? Wie ist es um Ihre Risikobereitschaft und Ihr Nervenkostüm bestellt? Können Sie sich vorstellen, tagein, tagaus als Day-Trader vor dem Bildschirm zu hocken? Oder lassen Ihre Lebensumstände das nicht zu, weil Sie einen Job haben und alleinerziehend sind?


Etwas, das Ihnen niemand abnehmen kann


Sie sehen schon, das sind Fragen, die nur Sie persönlich beantworten können. Niemand kann Ihnen das abnehmen. Sie sollten daher skeptisch werden, wenn irgendwer einen Weg zu Reichtum und Vermögen verspricht, der für alle geeignet und sogar noch scheinbar mühelos ist. (Das ist übrigens der erste Grund, warum es bei allen unseren Börsenbriefen einen kostenlosen Probemonat und den Vollzugriff auf alle aktuellen und bisherigen Ausgaben gibt – wie sollen Sie sonst erkennen, ob dieser Dienst zu Ihnen passt?)


Es ist aber offensichtlich, dass diese Phase des Erforschens der eigenen Ziele und Möglichkeiten Grenzen hat. Wie soll ich schließlich wissen, ob Day-Trading für mich geeignet ist, wenn ich es nie ausprobiert habe? Da ist es sehr wahrscheinlich, dass ich irgendwelchen Illusionen und Trugschlüssen erliege, die aus Erzählungen, Filmen oder (schlechter) Werbung stammen.


Probieren geht über Studieren


Daher schließt sich nun die Phase des Ausprobierens an. Diese Phase ist es auch, mit der die meisten Börsenneulinge anfangen – schließlich kommen nur die Wenigsten auf die Idee, ihren Weg in die Welt der Börse mit dem Erforschen der eigenen Beweggründe zu beginnen.


Das ist auch in Ordnung, denn beide Phasen überlappen sich bzw. wechseln einander öfter ab: Nach einer Zeit des Ausprobierens, reflektiert man die bisherigen Erfahrungen und verwirft oder vertieft das Eine oder Andere – je nach persönlichem Gefühl dabei. Und wer zunächst das Erforschen der eigenen Ziele und Vorlieben übersprungen hat, wird beim Ausprobieren mitunter fast automatisch darauf gestoßen – weil man merkt, dass einem bestimmte Dinge besser liegen als andere, verständlicher, praktikabler oder einfach erfolgreicher sind.


(Das ist der zweite Grund, warum es bei allen unseren Börsenbriefen einen kostenlosen Probemonat und den Vollzugriff auf alle aktuellen und bisherigen Ausgaben gibt – schließlich sollen Sie möglichst schnell sehen, was Sie erwartet und ob es das Richtige für Sie ist)


Vergessen Sie die Praxis nicht!


Das Ausprobieren kann bei einigen Börsianern Züge eine Obsession annehmen. Sie probieren und testen, springen von der einen zur anderen Methode, ohne je ihren Weg zu finden. Gut, für manche ist es genau diese „Dauerbeschäftigung“ mit der Börse, die sie glücklich macht, weniger der finanzielle Gewinn. Aber die meisten von uns möchten diese „Lehrjahre“ möglichst schnell hinter sich lassen und erfolgreich traden und anlegen.


Daher ist es wichtig, den dritten Schritt zu gehen, das Anwenden des Probierten und Gelernten. Jetzt – und erst jetzt! – ist der richtige Zeitpunkt, sich eine geeignete Strategie zu überlegen, Trading-Pläne aufzustellen und über Dinge wie Geld- und Positionsmanagement nachzudenken.


Das wird – aus verschiedenen, zum Teil guten Gründen – in den meisten Trading-Büchern falsch dargestellt oder nicht klar betont: Solange Sie nicht durch Versuch und Irrtum wenigstens den Anflug eines Gefühls haben, was Ihnen beim Traden nach dieser oder jener Methode an der Börse widerfahren kann, ist es sinnlos, diesen Punkten – die zweifellos wichtig sind, um an der Börse zu überleben – zu früh zu viel Aufmerksamkeit zu widmen.


Eine wiederkehrende Schrittfolge


Und wenn Sie dann die Erfahrungen über „Ihre“ Methode(n) gesammelt haben (ja, es dürfen gern mehrere sein – wie wollen Sie entscheiden, wenn Sie keine Alternativen kennen?), dann ist es Zeit, Rockefellers Spruch zu beherzigen und „über Geld“ nachzudenken. Das kann einmal jährlich zum Jahreswechsel geschehen, aber zumindest in der Anfangszeit sollten Sie dies – je nach Trading-Frequenz – öfter tun, z.B. monatlich oder sogar wöchentlich.


Hier geht es dann um praktische Fragen, wie z.B. ob ich mich an meine Regeln gehalten habe, ob ich Fehler gemacht habe, von meiner Strategie und/oder meinem Plan abgewichen bin. Aber Sie sollten dann auch wieder in sich gehen und sich fragen, ob vielleicht eventuelle Fehler auch daraus resultieren, dass Sie diese Strategie insgeheim ablehnen, sie also doch nichts für Sie ist. Sie kehren also auch später immer wieder zur Phase des Erforschens zurück.


Die drei Schritte zum Börsenerfolg sind also keine einmaligen Schritte, sondern eine Schrittfolge – genauso wie wir einmal den linken Fuß vor den rechten und dann wieder den rechten vor den linken setzen, wenn wir von A nach B wollen. Und auf diesem Weg, auf dem Sie Ihr Repertoire nach und nach justieren, verfeinern und erweitern, werden Sie allmählich das Urvertrauen in Ihre Strategie und Ihre eigenen Fähigkeiten aufbauen.


Wie lang ist der Weg zum Börsenerfolg?


Womit sich die Frage stellt, wie lange man braucht, um auf diesem Weg zum Erfolg zu kommen? Nun, das hängt von Ihrem Engagement und Ihren Möglichkeiten ab. Sie haben sicherlich irgendwann mal einen Beruf gelernt oder studiert oder eine ähnliche Ausbildung gemacht. Diese Ausbildung hat sicherlich zwei bis fünf Jahre gedauert, vielleicht auch länger. Und als Sie fertig waren, durften Sie zwar in dem angestrebten Metier arbeiten, aber bis Sie richtig anerkannt und erfolgreich waren, hat es eventuell noch etwas länger gedauert.


Und genauso ist es an der Börse. Sowohl im richtigen Leben als auch an der Börse kann es darüber hinaus zu Umwegen kommen, weil man noch einmal neu anfangen will oder muss. Mein Weg an der Börse dauert z.B. inzwischen mehr als 30 Jahre. Knapp die Hälfte davon war ich Trader bzw. Anleger im Nebenjob, hatte also noch eine „richtige“ Arbeit in meinem Beruf und natürlich – damals wie heute – eine Familie. Die Zeit für meine „Börsenausbildung“ war also begrenzt, was sich natürlich in der Dauer und der Qualität niederschlug. Alle, die schon mal eine nebenberufliche Ausbildung gemacht haben, wissen, wovon die Rede ist.


Vom Pech, zu früh zu erfolgreich zu sein


Zudem hatte ich das „Pech“, anfangs recht erfolgreich zu sein. Das lag aber nicht an meiner Brillanz als Trader und Anleger, sondern an der damaligen Börsenphase: In den 1990er Jahren musste man sich schon sehr anstrengen, um nicht zu gewinnen. Es bestand also wenig Anlass, mein Handeln kritisch zu hinterfragen.


Das rächte sich ab 2000, als die Börsen nicht mehr so gut liefen. Ich arbeitete zwar intensiver an meinen fachlichen und handwerklichen Fähigkeiten als Trader, vernachlässigte aber weiterhin die psychologische Komponente. Kein Wunder, denn zumindest in der Literatur, die ich bis dahin studierte, spielte Börsenpsychologie – wenn überhaupt – nur eine untergeordnete Rolle. Und selbst, als mir ein sehr erfahrener Trader damals sagte, dass die eigene Psyche das wichtigste für den Trading-Erfolg ist, wischte ich diesen Hinweis als „Humbug“ vom Tisch.


Warum der mentale Aspekt entscheidend ist


Erst als ich begann, als Vollzeit-Trader zu arbeiten, merkte ich, wie wichtig der mentale Aspekt ist – und das sehr schnell und nachdrücklich. Er ist letztlich entscheidend für unseren Erfolg, denn wenn unser „Mindset“ nicht stimmt, reißen uns Handwerk und Fleiß auch nicht mehr raus. (Daher ist es besser, eine Pause einzulegen, wenn die Trader-Psyche angeknackst ist – was aus den unterschiedlichsten Gründen immer mal wieder vorkommen kann.)


Zum Glück hatte ich damals schon genug theoretische und praktische Erfahrungen, um die „Erforschungs-Phase“ relativ schnell zu durchlaufen und dahinterzukommen, welche Trading-Strategie mir liegt. (Day-Trading war es jedenfalls nicht.)


Durch die Arbeit bei Stockstreet habe ich später zudem die Gelegenheit bekommen, mich noch intensiver mit der langfristigen Geldanlage zu beschäftigen. So habe ich inzwischen für mich persönlich eine sehr ausgewogene Mischung zwischen Trading und Langfristanlage gefunden – eine Arbeit, die mir nicht nur Erfolge beschert, sondern die ich auch sehr gern mache und die mir dennoch Zeit lässt für Dinge abseits der Börsen.


Das wünsche ich Ihnen für 2022!


Mein Weg dahin war aber mitunter recht verschlungen und damit länger als nötig. Ich wünsche Ihnen daher für 2022, dass Sie – vielleicht auch durch meine Anregungen in diesem Beitrag – schneller Ihren dauerhaften Weg zum Börsenerfolg finden. Und bei all dem, was Sie an der Börse und jenseits davon machen und erleben, wünsche ich Ihnen viel Spaß und Zufriedenheit. Das alles natürlich bei bester Gesundheit!


Mit besten Grüßen


Ihr Torsten Ewert


(Quelle: www.stockstreet.de)


 



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