technotrans manroland-Insolvenz belastet erheblich, aber auch nur kurzfristig


29.11.11 17:14
aktiencheck.de EXKLUSIV

Sassenberg (aktiencheck.de AG) - Die technotrans AG (ISIN DE000A0XYGA7 / WKN A0XYGA), ein Spezialmaschinenbauer aus dem münsterländischen Sassenberg (Nordrhein-Westfalen), rechnet aufgrund der Insolvenz des Druckmaschinenherstellers manroland AG mit Auswirkungen auf ihre Umsatz- und Ergebnisentwicklung im laufenden Geschäftsjahr. Der Vorstand geht in einer ersten Einschätzung davon aus, dass die Ergebniseffekte der Wertberichtigungen auf Forderungen und Vorräte sowie Belastungen aus dem zurzeit offenen Auftragsbestand sich im Jahresabschluss 2011 in einer Größenordnung von bis zu 2 Mio. EUR auswirken werden. Ursprünglich hatte die technotrans AG ein operatives Betriebsergebnis von 6 bis 7 Mio. EUR für das Geschäftsjahr 2011 erwartet.

aktiencheck.de EXKLUSIV führte ein kurzes Interview mit Frau Thessa Roderig von der Corporate Communications/Investor Relations-Abteilung der technotrans AG.

aktiencheck.de EXKLUSIV: Die Insolvenz der manroland AG wird leider wohl auch nicht ohne neagtive Folgen für Ihre Gesellschaft bleiben. Für das Geschäftsjahr 2011 erwarten Sie eine Belastung für das operative Betriebsergebnis der technotrans AG i.H.v. von bis zu 2 Mio. EUR. Das sind ja allerdings wohl nur die kurzfristigen Effekte dieser Insolvenz, denn die nach wie vor ziemlich schwierige Lage der deutschen Druckindustrie könnte sich dadurch weiter verschärfen und so auch Ihr Inlandsgeschäft in den kommenden Quartalen spürbar belasten. Rechnen Sie mittelfristig mit weiteren negativen Folgen für Ihre Gesellschaft aufgrund der manroland-Pleite? Wie schätzen Sie die Perspektiven Ihrer Branche auf dem deutschen Markt insgesamt ein?

technotrans: Die deutschen Druckmaschinenhersteller repräsentieren 70 Prozent des Weltmarktes, es handelt sich hier also keinesfalls um ein inländisches Thema. Tatsache ist, dass sich die Nachfrage nach Druckmaschinen seit der Krise 2008/2009, die einen Einbruch um 50 Prozent verursachte, nicht wieder auf das Ursprungsniveau erholt hat. Der Markt befindet sich derzeit erst bei rund 60 Prozent des Niveaus vor der Krise und es erscheint doch zumindest höchst unwahrscheinlich, dass er hier verharren sollte - schließlich boomen die Geschäfte beispielsweise in China und Südamerika. Die neuerlichen Wolken am Konjunkturhimmel scheinen aber eine weitere Erholung zunächt zu behindern und eine mögliche Investitionszurückhaltung vor der Drupa, der größten Branchenmesse, lässt uns erwarten, dass die ersten Monate des nächsten Geschäftsjahres im Bereich der Druckindustrie etwas verhaltener ausfallen. Die Insolvenz von manroland ist aber ein singuläres Ereignis, das kurzfristig zwar erheblich belastet, aber mittelfristig keine weiteren Auswirkungen haben sollte.

aktiencheck.de EXKLUSIV: Für das laufende Geschäftsjahr gingen Sie aufgrund der Annahme eines sich bessernden konjunkturellen Umfeldes von einem Umsatz von etwa 100 Mio. EUR aus und Ihre Prognose für die EBIT-Marge lag bei 6 bis 7%. Nicht nur die Insolvenz der manroland AG könnte für Ihr Unternehmen zur Belastung werden. Die allgemeine Konjunkturabkühlung ist inzwischen deutlich zu spüren, denn die Auswirkungen der Schuldenkrise schlagen immer stärker auf die Realwirtschaft durch. Ist auch Ihre bisherige 2011er-Prognose jetzt ernsthaft in Gefahr? Welche Risiken für Ihre Geschäftsentwicklung sehen Sie im Hinblick auf die aktuellen gesamtwirtschaftlichen Aussichten für die kommenden Quartale?

technotrans: Das Wachstum, das die technotrans Unternehmensgruppe sich für 2011 vorgenommen hatte, resultiert ganz überwiegend aus dem Bereich außerhalb der Druckindustrie. Schließlich haben wir mit der Übernahme der Termotek AG zum Jahresbeginn zusätzliches Umsatzpotenzial in einer Größenordnung von 10 Millionen EUR integriert. Für den Bereich der Druckindustrie hatten wir für 2011 ein moderates Wachstum unterstellt und diese Erwartungen haben sich auch weitestgehend erfüllt.

In dem sehr guten dritten Quartal wurde ein Umsatz von 25,8 Millionen EUR erwirtschaftet und die EBIT-Marge betrug 7,5 Prozent - das zeigt doch, dass wir uns auf einem guten Weg befinden. Das geplante Ergebnis, vor Sondereffekten, wird für das Gesamtgeschäftsjahr voraussichtlich auch im Zielkorridor von 6 bis 7 Prozent liegen. Dieses Jahr lief also operativ alles weitestgehend wie geplant.

Bereits seit einigen Wochen trüben sich verschiedene Indikatoren für die weitere konjunkturelle Entwicklung ein. Wir haben dies bei den Planungen für die ersten Monate des nächsten Geschäftsjahres berücksichtigt. Da 2012 aber auch wieder eine Drupa stattfindet, die normalerweise positive Impulse für die Druckindustrie bringt, gehen wir davon aus, dass die Belebung in der zweiten Jahreshälfte den verhalteneren Start in das Geschäftsjahr wieder ausgleichen kann.

aktiencheck.de EXKLUSIV: Ihre Gesellschaft versucht seit einiger Zeit sich stärker außerhalb der Druckindustrie aufzustellen und damit ihre Unabhängigkeit von dieser Abnehmerbranche zu erhöhen. Mit dem Kauf der Mehrheitsanteile an der Termotek AG, einem Spezialanbieter für Laserkühlungen, haben Sie ein neues Standbein Ihres Unternehmens aufgebaut. Wie weit ist die technotrans AG mit ihrer Strategie inzwischen fortgeschritten und welche konkreten Ziele haben Sie sich dabei gesetzt? In welchen Geschäftsbereichen sehen Sie langfristig die größten Wachstumschancen für Ihre Gesellschaft?

technotrans: Die Strategie, die Kernkompetenzen von technotrans auch in anderen Industrien zum Einsatz zu bringen, wird seit 2009 umgesetzt. Der Einstieg in die Lasertechnologie ist ein wichtiger Schritt, denn hier handelt es sich um einen echten Wachstumsmarkt. Derzeit realisieren wir rund 15 Prozent des Konzernumsatzes außerhalb der Druckindustrie und wir werden diesen Anteil kurzfristig auf 30 Prozent ausbauen, um das Geschäfts von technotrans auf ein breiteres Fundament zu stellen. Dazu wollen wir unsere Präsenz im Markt der Laserapplikationen weiter ausbauen, uns durch organisches Wachstum neue Märkte wie beispielsweise die Werkzeugmaschinenindustrie erschließen, und wir haben auch weitere Akquisitionen im Visier.

aktiencheck.de EXKLUSIV: Die technotrans AG hat in den letzten Geschäftsjahren aufgrund der schwierigen Bilanzlage keine Dividende ausgeschüttet, was unter unternehmenspolitischen Gesichtspunkten absolut nachvollziehbar war. So wie es zurzeit aussieht, steuert Ihre Gesellschaft auch in den kommenden Quartalen auf wirtschaftlich schwierigere Zeiten zu, was den Spielraum für Ausschüttungen selbsverständlich weiter einengt. Womit müssen Ihre Aktionäre im Hinblick auf die künftige Dividendenpolitik der technotrans AG rechnen?

technotrans: Unser Ziel ist es, in absehbarer Zeit wieder in die Umsatzgrößenordnung vor der Krise, also in die Region von 150 Millionen EUR, zurückzukehren. Dieses Wachstum soll einher gehen mit einer starken Fokussierung auf die Profitabilität, hier streben wir wieder die 10 Prozent EBIT-Marge an. Sofern sich geeignete Möglichkeiten bieten, werden wir das Wachstum auch noch beschleunigen und verfügbare Liquidität dafür einsetzen. Um dann schließlich auch die Aktionäre mittels Dividende an dem Erfolg teilhaben zu lassen.

aktiencheck.de EXKLUSIV bedankt sich für dieses Interview und wünscht der technotrans AG weiterhin viel geschäftlichen Erfolg. (29.11.2011/ac/e/i)






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