Kolumnist: Redaktion boerse-frankfurt.de

pfp Advisory: "Die Finanztransaktionssteuer verfehlt ihre Ziele"




16.12.19 17:15
Redaktion boerse-frankfurt.de

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Es gibt viele Argumente gegen die geplante Steuer. Hier sind einige (überzeugende) von Fondsmanager Christoph Frank.
 


16. Dezember 2019. FRANKFURT (pfp Advisory). Zehn Jahre nach der Finanzkrise soll sie ab 2021 tatsächlich kommen, die Finanztransaktionssteuer. Die Reaktionen seitens der Finanzbranche waren erwartbar. Erstaunlicherweise sind mit dem Vorschlag von Finanzminister Olaf Scholz aber auch viele Akteure aus dem linken politischen Spektrum überhaupt nicht zufrieden. Als jemand, der seit 25 Jahren am Aktienmarkt aktiv ist, davon über die Hälfte der Zeit als Lenker eines Fonds mit deutschen Aktien, bin ich in dieser Angelegenheit naturgemäß ebenfalls nicht neutral. Gleichwohl werden Sie sehen, dass die Fakten für sich sprechen, ganz ohne Zuspitzungen oder gar Polemik.


Wie soll die Finanztransaktionssteuer ausgestaltet werden? Laut dem Gesetzesvorschlag von Olaf Scholz sollen alle Aktienkäufe mit 0,2 Prozent je Transaktion besteuert werden, sofern die betroffenen Unternehmen ihren Sitz in Deutschland haben, einen Börsenwert von über 1 Milliarde Euro aufweisen und es sich nicht um einen Börsengang handelt. Das betrifft in Deutschland derzeit grob 150 Aktiengesellschaften. Sollte das französische Vorbild Anwendung finden, wären außerdem Intraday-Transaktionen ausgenommen, da alle Positionen am Ende eines jeden Handelstages verrechnet („genettet“) würden.


Sind außer Aktien noch andere Anlageformen betroffen? Laut aktuellem Stand sollen die Einzelstaaten selbst entscheiden, ob sie Aktienfonds oder vergleichbare Anlageprodukte zur privaten Altersvorsorge besteuern. Ungeschoren kommen in jedem Fall Derivate, CFDs, Futures und Optionsgeschäfte davon.


Mit anderen Worten: Investoren, die in Aktien größerer deutscher Unternehmen investieren, und das möglicherweise regelmäßig mit vielen kleinen Käufen, werden durch die Steuer schlechter gestellt. Spekulanten, die Derivate handeln und/oder sogar intraday, also sehr kurzfristig, sind überhaupt nicht betroffen. Genau daran entzündet sich meine Kritik: War die Finanztransaktionssteuer nicht dafür gedacht, um „Spekulanten an den Kosten der Finanzkrise zu beteiligen“? Das wird uns doch gebetsmühlenartig von Politikern aller Couleur seit zehn Jahren erzählt. Wie auch immer dieses angebliche Ziel bewerkstelligt werden soll – mit dieser Finanztransaktionssteuer wird es garantiert nicht erreicht. Denn die oben beschriebenen Investoren, die regelmäßig kleine Beträge in Aktien größerer deutscher Unternehmen stecken, sind häufig deutsche Privatanleger. „Spekulanten“ sind sie mit Sicherheit nicht. Und bestraft gehören sie auch nicht. Immerhin kümmern sie sich selbst um ihre finanzielle Zukunft und die ihrer Kinder und wollen der Allgemeinheit im Alter nicht auf der Tasche liegen. Das gehört m. E. gefördert und nicht bestraft.


Weiß Finanzminister Scholz das nicht? Zweifel an seinem finanziellen Know-how sind mir schon gekommen, als ich vor einigen Wochen seinen Auftritt in der „Focus Online“-Gesprächsreihe „Talking Good“ verfolgt habe, während dem er sich nicht nur beharrlich weigerte, irgendeine Lehre aus dem erfolgreichen norwegischen Staatsfondsmodell zu ziehen, sondern auch konstatierte, sein privates Geld komplett auf dem Sparbuch zu horten. Das darf er selbstverständlich, aber es verstärkt bei mir schon den Eindruck, dass er nichts dazulernen will, sei es nun in seiner Funktion als privater Geldanleger oder als oberster Kassenwart der Republik. Deshalb wundert es mich auch nicht, dass am Ende ein so inkonsistentes Modell wie „seine“ Finanztransaktionssteuer herauskommt, mit dem sogar die nicht gerade kapitalmarktfreundlichen Grünen rein gar nichts anfangen können. Vermutlich will Scholz eben nicht „Spekulanten bestrafen“ oder gar die „Zockerei eindämmen“, sondern nur politischen Profit für sich herausschlagen.


Neben der unsinnigen Ausgestaltung habe ich mit dieser Steuer noch zwei weitere Probleme. Erstens gilt erfahrungsgemäß: Wenn eine Steuer einmal da ist, geht sie meist nicht wieder weg. Wir alle zahlen heute noch so „zweckgebundene“ Abgaben wie die Schaumweinsteuer, die Kaiser Wilhelm II. zur Zeit unserer Urururgroßväter zur Finanzierung der kaiserlichen Kriegsflotte einführte. Flotte und Kaiserreich sind längst Geschichte, die Steuer nicht. Auch der Solidaritätszuschlag, ursprünglich nur für eine Übergangszeit vorgesehen, existiert seit mittlerweile fast 30 Jahren.


Zweitens: Es ist ja richtig, dass Zusatzkosten von 0,2 Prozent je Aktienkauf vermutlich keine katastrophale Belastung darstellen. Aber wer sagt denn, dass der Steuersatz auf diesem Niveau bleiben wird? Einmal eingeführt, wird es für künftige Regierungen sehr verlockend sein, einfach am Steuersatz zu drehen, um die Einnahmen zu steigern. Denken Sie nur an die Entwicklung der Spekulationsfrist (siehe meine Kolumne vom 6. Mai 2019)! Nebenbei bemerkt: Die 0,2 Prozent mögen nicht viel sein. Schädlich sind sie aber so oder so, weil auf Aktienkäufen nun ein weiteres „Unappetitlich“-Etikett klebt. Das wird die Aktienscheu der Deutschen sicherlich nicht reduzieren.


Nein, diese Finanztransaktionsteuer ist gründlich missraten. Sie ist inkonsistent, ungerecht, trifft die Falschen, setzt Fehlanreize und verfehlt ihre angeblichen Ziele. Meines Erachtens sollte sie genauso durchfallen wie ihr Initiator bei der Wahl zum SPD-Vorsitzenden.


von: Christoph Frank, 16. Dezember 2019, © pfp Advisory GmbH


Über den Autor


Christoph Frank ist geschäftsführender Gesellschafter der pfp Advisory GmbH. Gemeinsam mit seinem Partner Roger Peeters steuert der seit über 20 Jahren am deutschen Aktienmarkt aktive Experte den DWS Concept Platow (WKN DWSK62), einen 2006 aufgelegten und mehrfach ausgezeichneten Stock-Picking-Fonds. Weitere Infos unter www.pfp-advisory.de. Frank schreibt regelmäßig für die Börse Frankfurt.




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