Kolumnist: Redaktion boerse-frankfurt.de

pfp Advisory: "Der Charme der Spekulationsfrist"




06.05.19 15:24
Redaktion boerse-frankfurt.de


Fondsmanager Christoph Frank hinterfragt die Idee der Politik, Aktiengewinne nach fünf Jahren Haltedauer von der Steuer zu befreien. 6. Mai 2019. FRANKFURT (pfp Advisory). Die FDP-Fraktion macht ernst: In einem (mir vorliegenden) Positionspapier zur Vermögensbildung fordert sie die Steuerfreiheit von Kursgewinnen nach einer Haltedauer von fünf Jahren. Das federführend von Frank Schäffler formulierte Dokument wurde nach dessen Angaben einstimmig in der Fraktion beschlossen und soll in den kommenden Wochen in den Bundestag eingebracht werden. Damit wird endlich konkret, was FDP-Vertreter wie Christian Lindner bislang lediglich unverbindlich in Wahlkampfreden oder auf Bankentagungen vage in Aussicht gestellt haben. Auch wenn die derzeitigen Mehrheitsverhältnisse im Bundestag eine Realisierung unwahrscheinlich erscheinen lassen: Das muss ja nicht so bleiben, und sollte die FDP Regierungsverantwortung bekommen, könnte sie beweisen, dass sie ihren Vorschlag ernst meint und nicht nur eine Show veranstaltet. 

In der Konsequenz stellen die Liberalen damit die Einführung einer Spekulationsfrist auf Kursgewinne zur Diskussion, oder anders formuliert: deren Wiedereinführung. Erfahrene Anleger werden sich gut erinnern: Eine Spekulationsfrist gab es schon einmal und ihre Abschaffung ist gemessen an ihrer Bestandsdauer noch gar nicht so lange her. Als ich an der Börse meine ersten Aktien verkaufte, betrug die Frist sechs Monate. Da Veräußerungsgewinne nach Ablauf dieser Zeitspanne steuerfrei blieben, prüfte ich wie viele andere Anleger vor jedem möglichen Verkauf genau, ob es vorteilhafter erschien, die Aktie sofort zu verkaufen und auf die Gewinne Steuern zu bezahlen oder die aufgelaufenen Gewinne über das Ende der Spekulationsfrist "hinüberzuretten", um sie später steuerfrei einstreichen zu können. Im Jahr 1999 wurde die Spekulationsfrist bei Aktien auf zwölf Monate verlängert, was am Grundprinzip kaum etwas änderte. 

Erst zum Jahreswechsel 2008/09, also vor etwa zehn Jahren, kam die große Zäsur: Die viele Jahre gültige Spekulationsfristregelung wurde von der Abgeltungsteuer abgelöst. Für alle nach dem 1.1.2009 gekauften Aktien oder Aktienfonds gilt seither eine einheitliche Besteuerung von 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer, was effektiv zu einer Gesamtbelastung zwischen etwa 26,4 Prozent und knapp 28 Prozent führt. Immerhin sicherte der Gesetzgeber Bestandsschutz für alle vor 2009 gekauften Aktien und Aktienfonds zu. Was dieses Versprechen der Politiker wert war, zeigte sich nur acht Jahre später: nichts. Mit einem billigen Taschenspielertrick hebelte der Gesetzgeber den Bestandsschutz für diese "Altanteile" kurzerhand aus, indem er deklarierte, dass alle Altanteile zum 31.12.2017 als veräußert und zum 1.1.2018 als wiederangeschafft gelten. Durch dieses unverschämte Manöver unterliegen alle Wertzuwächse seit 2018 (abgesehen von einem Freibetrag) automatisch der Abgeltungsteuer, selbst wenn Bürger im Vertrauen auf die Gültigkeit von Politikerzusagen die Aktien oder Fonds schon viele Jahre als Altersvorsorge im Depot hatten. 

Würde der neue FDP-Vorschlag Gesetz, käme es gewissermaßen zur "Rolle rückwärts": Die Spekulationsfrist würde wieder eingeführt, wenn auch mit deutlich verlängerter Frist. Ich persönlich hege Sympathie für diese Verlängerung; selbst mit einer Spekulationsfrist von zehn Jahren könnte ich gut leben. Denn wer mit Aktien bzw. Aktienfonds sparen will, etwa für den Ruhestand oder zum Vermögensaufbau, sollte ohnehin mindestens einen Anlagehorizont von fünf, besser zehn Jahren, mitbringen. Wer mit Aktien dagegen kurzfristig spekulieren möchte, muss meiner Meinung nach nicht steuerlich gefördert werden. Für all jene aber, die ihr finanzielles Schicksal in die eigene Hand nehmen und der Allgemeinheit im Alter nicht auf der Tasche liegen wollen, sollte der Gesetzgeber den Weg frei machen und wenigstens kleine Anreize setzen. Und wenn Politiker jetzt routinemäßig aufstöhnen, warum "Kapitalisten" steuerlich gefördert werden sollen: Diese Neuerung hilft gerade den "kleinen Leuten", die vielleicht nur 50 Euro im Monat auf die Seite legen können, just wegen ihres begrenzten Kapitals auf hochrentable Anlagen angewiesen sind und deswegen um langfristige Aktienanlagen nicht herumkommen. 

Eine Spekulationsfrist von fünf Jahren erscheint mir daher als guter Kompromiss: Ihre Einführung würde für langfristig orientierte Anleger tendenziell den Anreiz erhöhen, mit Wertpapiersparen für das Alter vorzusorgen, kurzfristig handelnden Tradern aber nichts nützen. Und sie könnte das Verständnis vieler Bürger fördern, dass Aktien(-fonds) keine Spekulationsobjekte zum Zocken für Reiche sind, sondern Wertanlagen zum Vermögensaufbau für alle. 

von Christoph Frank 
6. Mai 2019, © Deutsche Börse AG

Über den Autor


Christoph Frank ist geschäftsführender Gesellschafter der pfp Advisory GmbH. Gemeinsam mit seinem Partner Roger Peeters steuert der seit über 20 Jahren am deutschen Aktienmarkt aktive Experte den DWS Concept Platow (WKN DWSK62), einen 2006 aufgelegten und mehrfach ausgezeichneten Stock-Picking-Fonds. Weitere Infos unter www.pfp-advisory.de. Frank schreibt regelmäßig für die Börse Frankfurt.

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