Kolumnist: Redaktion boerse-frankfurt.de

pfp Advisory: "Die Börse bevorzugt(e) einen Kanzler der CDU"




23.08.21 11:21
Redaktion boerse-frankfurt.de

Fondsmanager Frank betrachtet die Auswirkungen verschiedener Regierungskonstellationen historisch-statistisch und zieht Parallelen zur "Börsenfreundlichkeit" aktueller Wahlprogramme.



23. August 2021. FRANKFURT (pfp Adisory). Geht es nach den DAX-Renditen der vergangenen 60 bzw. 72 Jahre, ist Schwarz-Gelb die beste Farbkombination für den Aktienmarkt. Der Befund ist empirisch eindeutig. Und das schreibe ich, der ich weder Mitglied der CDU oder CSU noch der FDP bin. Konkret: In den 20 Jahren seit 1949, in denen die SPD den Bundeskanzler stellte, brachte der DAX bzw. sein rückberechneter Vorgängerindex ein leicht negatives Ergebnis ein (im Schnitt -0,3 Prozent pro Jahr). Der komplette DAX-Ertrag (präziser: sogar noch etwas mehr) kam aus den Jahren, in denen ein CDU-Kanzler oder eine CDU-Kanzlerin Deutschland regierte. Bis zum Datum dieser Kolumne waren das durchschnittlich +9,2 Prozent (seit 1961) bzw. +14,4 Prozent pro Jahr (seit 1949, Erläuterung folgt unten).


Die Farbkombination Schwarz-Gelb rangiert dabei vor Schwarz-Rot. Besonders renditestark seit 1961 waren die „Kohl-Jahre“ 1982 bis 1998 mit einem durchschnittlichen jährlichen Plus von 14,5 Prozent, gefolgt vom kurzen schwarz-gelben Intermezzo 2009 bis 2013 mit 11,7 Prozent. Die krisenhafte Phase 1961 bis 1966 war der einzige längere Zeitraum mit einer Bundesregierung aus CDU/CSU und FDP, in dem der DAX Verluste verzeichnete (-6,7 Prozent p. a.). Insgesamt kommt Schwarz-Gelb in den rund 25 Jahren seit 1961 auf eine respektable Rendite von durchschnittlich 9,3 Prozent pro Jahr.


Schwarz-Rot, in früheren Jahren auch als „Große Koalition“ bezeichnet, steht bis zum Datum dieser Kolumne kurz vor der Bundestagswahl 2021 für rund 8,9 Prozent pro Jahr. Der mit Abstand wichtigste Renditebringer sind die Jahre 1966 bis 1969 unter Kanzler Kurt Georg Kiesinger, die im Schnitt 22,2 Prozent p. a. beisteuerten. Die Jahre 2005 bis 2009 und 2013 bis 2021 (noch unvollständig) unter Kanzlerin Angela Merkel rangieren mit 2,9 bzw. (Stand heute) 7,6 Prozent p. a. weit dahinter.


SPD-Bundeskanzler stützten sich bisher auf zwei Farbkombinationen: Rot-Gelb oder Rot-Grün. Beide Varianten standen bestenfalls für Magerkost an den Aktienmärkten. Während die sozialliberale Koalition der Jahre 1969 bis 1982 mit den Kanzlern Willy Brandt und Helmut Schmidt DAX-Anlegern sogar Verluste bescherte (im Schnitt -1,1 Prozent p . a.), steuerten die rot-grünen Jahre unter Gerhard Schröder 1998 immerhin positive, wenn auch karge +1,2 Prozent bei.


Für die Jahre 1949 bis 1961 ist die Datenlage dünn


Leider gibt es für die frühen Jahre der Bundesrepublik nur wenige Rückberechnungen für den DAX, die allesamt mit speziellen Problemen zu kämpfen haben. So wurde für 1943 bis 1950, also die letzten Jahre des Zweiten Weltkriegs und die ersten Nachkriegsjahre, kein Index des Statistischen Bundes- bzw. Reichsamtes berechnet. Gerade für das ereignisreiche Jahr 1949 ist die Datenlage äußerst dünn. Das ist schade, gilt doch ausgerechnet 1949 mit einer rückgerechneten Performance von über 150 Prozent als ertragreichster Aktienjahrgang des (rückberechneten) DAX überhaupt, wobei der Großteil der Hausse nach der Bundestagswahl vom 14.8.1949 stattfand. Der Hauptgrund dafür dürfte gewesen sein, dass mit der Verabschiedung des Wertpapierbereinigungsgesetzes und des Bilanzgesetzes vom 21.8.1949 wichtige Unsicherheiten beseitigt und stille Reserven bei den Aktiengesellschaften offengelegt werden konnten.


Die im Sommer 1949 einsetzende Aktienhausse führte den rückgerechneten DAX von einem Niveau von grob 15 Punkten über den Jahresultimo 32,6 Punkte auf rund 500 Punkte bis zur Bundestagswahl 1961, was einer durchschnittlichen Jahresrendite von grob 34 Prozent entspricht. Eine auffallend renditestarke Phase: Es war die Zeit des „Wirtschaftswunders“ – und die Bundesregierung wurde durchgehend von der Union geführt, meist in einer Koalition mit der FDP und der (später aufgelösten) Deutschen Partei, zeitweise auch ohne Koalitionspartner. Wenn wir diese Renditen dem 40-jährigen Union-geführten Zeitraum seit 1961 hinzurechnen, kommen wir für die dann 52 Jahre mit CDU-Kanzlern auf eine durchschnittliche jährliche Rendite von 14,4% und für die rund 33 „schwarz-gelben Jahre“ auf 13,6 Prozent. Aber diese Berechnungen basieren eben auf einer wesentlich wackeligeren Datenlage als die für die Jahre 1961 bis 2021.


CDU-Kanzler sind an der Börse beliebt


So oder so: Die Renditen deutscher Bluechips entwickelten sich während einer CDU-geführten Bundesregierung signifikant besser als unter SPD-Regentschaft. Zufall? Wahrscheinlich agiert die CDU, gerade im Verbund mit der FDP, tendenziell marktwirtschaftlicher als die SPD, was den börsennotierten Unternehmen und ihren Aktienkursen langfristig helfen dürfte. Gerade auf ausländische Investoren wirken manche Projekte der SPD und ihre Protagonisten teilweise stark irritierend. Und dass dies deren Investitionsbereitschaft beeinflussen dürfte, konnte z. B. 2005 beobachtet werden, als sich der DAX im Vorfeld der kurzfristig vorgezogenen Bundestagswahl deutlich von der Entwicklung anderer Leitindizes abkoppelte, weil Investoren auf einen Wechsel auf dem Kanzlerstuhl von SPD zu CDU spekulierten.


Auch die aktuellen Wahlprogramme bestätigen weitgehend die Faustregel, dass CDU/CSU und FDP noch am „börsenfreundlichsten“ agieren (bzw. dies zumindest anstreben). Danach folgen mit teils großem Abstand die anderen Parteien.


So sagen SPD, Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen einheitlich „ja“ zu Vermögensteuer, Finanztransaktionsteuer und zur Abschaffung der Abgeltungsteuer zugunsten der Wiederanwendung des persönlichen Steuersatzes. Worte wie „Aktie“ oder „Vermögensbildung“ kommen nicht oder allenfalls im Zusammenhang mit geplanten Gesetzesverschärfungen vor; konstruktive oder positive Vorschläge zu diesen Themen fehlen völlig.


Auch das CDU/CSU-Programm erwähnt die Aktie mit keinem Wort und bekennt sich zur Einführung einer Finanztransaktionsteuer. Immerhin gibt es im Wahlprogramm ein Kapitel „Vermögensbildung für jeden“ und eine Absage an die Vermögensteuer. Die AfD erwähnt das Wort „Aktie“ nur im Zusammenhang mit Kritik an der EZB, will zwar keine Vermögensteuer, dafür aber aus der EU austreten.


Als einzige der im Bundestag vertretenen Parteien macht die FDP konkrete Vorschläge zum Aktiensparen, fordert die Wiedereinführung einer Spekulationsfrist von drei Jahren für private Veräußerungsgewinne aus Wertpapieren, eine deutliche Anhebung des Sparerfreibetrags und strebt Steuerentlastungen an.


Aktuelle Wahlprogramme und historische Aktienerträge passen zusammen


Gewiss: Was Parteien in ihre Wahlprogramme schreiben und was sie später in Regierungsverantwortung tatsächlich umsetzen, sind zweierlei Paar Stiefel. Das zeigten die Jahre 2005 bis 2009, in der die schwarz-gelbe Koalition schwer enttäuschte. Aber wer sich schon im Wahlprogramm börsenfeindlich zeigt, wird diese Ausrichtung wohl schwerlich ablegen, sobald er auf der Regierungsbank Platz genommen hat. In jedem Fall passen die doch recht deutlichen Unterschiede in den aktuellen Wahlprogrammen gut mit den historischen Aktienerträgen zusammen, auch wenn das Ausmaß des Renditevorsprungs für schwarze bzw. schwarz-gelbe Zeiten doch überrascht.


von: Christoph Frank, 23. August 2021, © pfp Advisory


Christoph Frank ist geschäftsführender Gesellschafter der pfp Advisory GmbH. Gemeinsam mit seinem Partner Roger Peeters steuert der seit über 25 Jahren am deutschen Aktienmarkt aktive Experte den DWS Concept Platow (WKN DWSK62), einen 2006 aufgelegten und mehrfach ausgezeichneten Stock-Picking-Fonds. Weitere Infos unter www.pfp-advisory.de. Frank schreibt regelmäßig für die Börse Frankfurt.


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