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Die jüngste Verschärfung des US-Protektionismus ist eine böse Überraschung für Volkswirte und Märkte




03.06.19 16:30
AXA Investment Managers

Köln (www.aktiencheck.de) - In Europa muss man die Politik genau im Auge behalten - wenn auch nicht wegen der wenig überraschenden Stimmengewinne der Populisten bei den Europawahlen vom 23. bis 26. Mai, so Laurent Clavel, Leiter Research bei AXA Investment Managers.

So sehr sich Italiens Vizepremier Matteo Salvini auch um Einigkeit bemüht habe, ziehe die Allianz der euroskeptischen Parteien doch keineswegs an einem Strang und sei weit von einer Mehrheit entfernt. Selbst in dem unwahrscheinlichen Fall, dass sich die drei rechten Gruppierungen zusammenschließen würden, käme eine solche Fraktion auf weniger Sitze als die Europäische Volkspartei (EVP). Eine erfreuliche Überraschung sei die Wahlbeteiligung gewesen, die so hoch gewesen sei wie seit 20 Jahren nicht mehr. Insgesamt hätten die Wahlen aber die politische Zersplitterung in Europa bestätigt und große innenpolitische Folgen ("European Parliament Elections: More noise but some signals", AXA IM Research). Gefährdet seien vor allem die Koalitionen in Italien und Deutschland. Interessant werde auch sein, wer in die europäischen Spitzenämter berufen werde, insbesondere bei der Europäischen Zentralbank, wo Präsident Mario Draghi und Direktoriumsmitglied Benoît Cœuré zum Jahresende ausscheiden würden.

Monatelang hätten die amerikanisch-chinesischen Verhandlungen für erfreuliche Schlagzeilen gesorgt ("Die Verhandlungen machen Fortschritte"). Die jüngste Eskalation des US-Protektionismus sei daher eine umso bösere Überraschung für die Finanzmärkte gewesen, wo die Risikobereitschaft nachgelassen habe, und für die meisten Beobachter. Präsident Donald Trump habe angekündigt, die Zölle auf US-Importe aus China im Wert von 200 Milliarden US-Dollar von 10% auf 25% zu erhöhen. Für die verbleibenden 300 Milliarden US-Dollar habe er ebenfalls 25% Zoll angedroht.

Warum dieser Rückschlag? Erstens habe sich gezeigt, dass sich die Haltung des Weißen Hauses in den letzten Monaten stark geändert habe. Zweitens gehe die Konfrontation zwischen den USA und China sehr viel weiter und betreffe nicht allein den Handel. Nach wie vor würden die Experten von AXA Investment Managers in ihrem Basisszenario von einer Einigung im Sommer ausgehen, würden aber eher von einem längeren Waffenstillstand als von einem endgültigen Friedensschluss sprechen.

Drittens, und das sei für die Märkte am wichtigsten, könnte Trump hoffen, dass ihn die FED am Ende rette, sozusagen nach dem Motto "Too Crazy to Fail". Seit ihrem Kommunikationsfehler im Dezember - einen geldpolitischen Fehler habe sie nach Ansicht der Experten von AXA Investment Managers nicht gemacht - habe die FED Tonlage und Forward Guidance (die "Dots") geändert und äußere sich jetzt deutlich milder. Dies sei eine angemessene Reaktion auf die strafferen Finanzbedingungen, habe aber auch Auswirkungen darauf, was die Notenbank bei einem Scheitern der Handelsgespräche vermutlich tun werde. Daher könne das Weiße Haus jetzt kompromissloser vorgehen.

Die neuen Zölle kommen zu einer Zeit, in der sich unsere Hoffnungen auf eine schnelle Konjunkturerholung allmählich zu bestätigen scheinen, so die Experten von AXA Investment Managers. Das US-BIP sei im 1. Quartal stärker gewachsen, um 3,2% (annualisiert), und habe positiv überrascht. Vielleicht hätten die - wenn auch volatilen - Kurzfristfaktoren zu Jahresbeginn geholfen, doch auch im 2. Quartal dürfte das Wachstum aus Sicht der Experten mit 2,0% noch immer über dem Trend liegen - und die amerikanische Arbeitslosenquote sei schon jetzt auf ein 50-Jahres-Tief gefallen.

Auch im Euroraum sei das BIP-Wachstum im 1. Quartal in fast allen wichtigen Ländern mit 1,6% (z.Vq., annualisiert) unerwartet hoch gewesen; im 4. Quartal 2018 sei es mit 0,9% noch irritierend niedrig gewesen. Diese positive Überraschung sei aber vielleicht nur von kurzer Dauer, wenn man sich die Indikatoren für das Verarbeitende Gewerbe ansehe: So seien die Auftragseingänge in Deutschland so schwach gewesen wie seit zehn Jahren nicht mehr. Die Experten von AXA Investment Managers hätten ihre Wachstumsprognose für den Euroraum für 2019 daher nur behutsam angehoben, um 0,1 Prozentpunkte auf 1,1%. Ein schwächeres Ergebnis sei dabei wahrscheinlicher als ein unerwartet gutes.

Die monatlichen Daten aus Asien seien zuletzt uneinheitlich gewesen. Chinas Zahlen seien im April durchweg schwach gewesen. Die Experten von AXA Investment Managers hätten nach der starken Erholung im März zwar mit einer saisonalen Korrektur gerechnet, doch das Ausmaß des Rückschlags sei ernüchternd, wenn nicht besorgniserregend gewesen. Auch die Einkaufsmanagerindices vieler Emerging Markets hätten im April etwas nachgegeben, sodass die Fortschritte der letzten Monate zum Teil wieder zunichte gemacht worden seien. Und doch hätten viele ostasiatische Länder Daten vorgelegt, denen zufolge Exporte und Industrieproduktion ihre Talsohle wohl durchschritten hätten. Alles in allem würden die Experten von AXA Investment Managers dank China und der lockeren US-Geldpolitik weiter an Wachstum glauben. Sie könnten aber nicht oft genug betonen, wie krisenanfällig der Aufschwung sei. (03.06.2019/ac/a/m)







 
 
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