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ifo Konjunkturprognose Sommer 2020: Deutsche Wirtschaft - es geht wieder aufwärts




01.07.20 11:35
aktiencheck.de

Bad Marienberg (www.aktiencheck.de) - Die Corona-Pandemie und die Maßnahmen zur Eindämmung haben die deutsche Wirtschaft in die mit Abstand tiefste Rezession ihrer Nachkriegsgeschichte gestürzt, so das ifo Institut in einer aktuellen Pressemitteilung. Näheres entnehmen Sie bitte dem Wortlaut der folgenden Pressemeldung:

Bedingt durch die niedrige Produktion an Waren und Dienstleistungen während des Shutdown fallen die Zuwachsraten mit 6,9% und 3,8% im dritten und vierten Quartal kräftig aus. Dennoch wird die Wirtschaftsleistung im Durchschnitt dieses Jahres voraussichtlich um 6,7% niedriger sein als im Jahr 2019. Im kommenden Jahr setzt sich die Erholung fort. Im Jahresdurchschnitt dürfte das Bruttoinlandsprodukt um 6,4% wachsen.

Deutsche Wirtschaft - es geht wieder aufwärts

Insgesamt dürfte das Bruttoinlandsprodukt nach einem Rückgang im ersten Vierteljahr 2020 in Höhe von 2,2% im zweiten Vierteljahr noch einmal um schätzungsweise 11,9% geschrumpft sein. Dieser Einbruch ist der stärkste, seit Beginn der Vierteljahresrechnung im Jahr 1970 gemessene Rückgang in Deutschland und mehr als doppelt so groß wie jener während der Weltfinanzkrise im ersten Quartal 2009. In Folge der deutlich sinkenden Neuinfektionszahlen wurden die Shutdown-Maßnahmen mittlerweile gelockert oder für manche Wirtschaftsbereiche ganz aufgehoben. Damit gilt als sicher, dass die konjunkturelle Talfahrt gestoppt wurde und die Erholung der wirtschaftlichen Aktivität einsetzte. Bedingt durch die niedrige Produktion an Waren und Dienstleistungen während des Shutdowns fallen die Zuwachsraten mit 6,9% und 3,8% im dritten und vierten Quartal kräftig aus. Dennoch wird die Wirtschaftsleistung im Durchschnitt dieses Jahres voraussichtlich um 6,7% niedriger sein als im Jahr 2019. Bereinigt um die im Vergleich zum Vorjahr hohe Anzahl an Arbeitstagen wird der Rückgang mit 7,1% noch kräftiger sein. Die Auslastung der gesamtwirtschaftlichen Kapazitäten dürfte mit -6,1% im Jahr 2020 auf ein Rekordtief sinken.

Im kommenden Jahr setzt sich die Erholung fort. Im Jahresdurchschnitt dürfte das Bruttoinlandsprodukt um 6,4% wachsen. Unter den getroffenen Annahmen wird das Vorkrisenniveau der Produktion an Waren und Dienstleistungen allerdings erst zum Jahreswechsel 2021/2022 erreicht. Die Produktionslücke dürfte sich im Zuge der Erholung allmählich schließen und im Jahresdurchschnitt bei -1,1% liegen. Somit bleibt die deutsche Wirtschaft im kommenden Jahr weiterhin unterausgelastet. Bei dieser Prognose wurde berücksichtigt, dass die Produktionskapazitäten, die im Rahmen der Potenzialschätzung bestimmt werden, im kommenden Jahr als Folge steigender Unternehmensinsolvenzen um etwa 2% oder reichlich 60 Mrd. Euro niedriger liegen als bei der letzten Schätzung vor Ausbruch der Coronakrise im Dezember 2019.

Coronakrise hinterlässt tiefe Spuren am Arbeitsmarkt

Die Zahl der Erwerbstätigen dürfte im Jahresdurchschnitt 2020 um etwa 450 000 unter ihrem Vorjahreswert liegen. Gleichzeitig steigt die Zahl der Arbeitslosen um durchschnittlich etwa 430 000 auf 2,7 Millionen. Dabei dürfte der Hochpunkt im dritten Quartal 2020 bei etwa 3 Millionen Arbeitslosen erreicht werden.
Konjunkturpaket stabilisiert Konsumausgaben

In der zweiten Jahreshälfte 2020 dürfte sich der private Konsum wieder stabilisieren, da insbesondere die vorübergehende Mehrwertsteuersenkung positive Impulse liefert. Allerdings dürfte die schlechtere Einkommenslage der privaten Haushalte aufgrund von Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit zunächst noch dämpfend wirken. Im Jahresdurchschnitt 2020 werden die privaten Konsumausgaben wohl um 6,4% schrumpfen. Der Anstieg im kommenden Jahr um voraussichtlich 5,1% lässt die Konsumausgaben allerdings noch nicht wieder das Vorkrisenniveau erreichen.
Einbrechende Unternehmensinvestitionen

Die Unternehmensinvestitionen werden in diesem Jahr voraussichtlich um 10,8% im Vergleich zum Vorjahr einbrechen; insbesondere die Investitionen in Maschinen, Geräte und Fahrzeuge dürften massiv gesenkt werden. Hohe Unsicherheit und starke Einbrüche bei den Unternehmensgewinnen stehen einer allzu kräftigen Erholung entgegen, auch wenn mit der weltweiten Konjunkturbelebung die Nachfrage nach Investitionsgütern wieder steigen dürfte. Der Anstieg der Unternehmensinvestitionen im kommenden Jahr wird voraussichtlich bei 8,8% liegen.

Kräftige Impulse von der Finanzpolitik

Die finanzpolitischen Rahmenbedingungen sind wesentlich durch die staatlichen Maßnahmenpakete geprägt, die im Zuge der Coronakrise beschlossen wurden. So wird das Corona-Hilfspaket vom Frühjahr für sich genommen im laufenden Jahr zu einem expansiven Impuls in Höhe von mehr als 77 Mrd. Euro führen. Das im Juni beschlossene Konjunkturpaket wird den fiskalischen Impuls um weitere 87 Mrd. Euro verstärken. Darüber hinaus werden die weiteren finanzpolitischen Maßnahmen den expansiven Impuls nur noch um 26 Mrd. Euro erhöhen. Alles in allem ergibt sich daraus ein deutlich expansiver fiskalischer Impuls in Höhe von über 190 Mrd. Euro bzw. 5,8% in Relation zum Bruttoinlandsprodukt für das Jahr 2020.

Euroraum: Tiefe Rezession

Die Wirtschaftsleistung im Euroraum brach im ersten Quartal 2020 um 3,6% ein. Im zweiten Quartal dürfte das Bruttoinlandsprodukt noch einmal deutlich um 12,9% zurückgegangen sein. Damit befand sich der Euroraum in der tiefsten Rezession seiner Geschichte. Insgesamt wird für das reale Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr ein Rückgang in Höhe von 8,4% erwartet. Im nächsten Jahr dürfte die Wirtschaftsleistung dagegen um 6,1% expandieren. Von den vier größten Ländern des Euroraums wird im laufenden Jahr Frankreich wohl den stärksten Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (-10,1%) hinnehmen müssen. Auch die spanische und italienische Wirtschaftsleistung dürften massiv um -9,8% bzw. -8,9% sinken. In Deutschland wird die Wirtschaft voraussichtlich um (kalenderbereinigt) 7,1% zurückgehen. Die Coronakrise dürfte auch das Produktionspotenzial verringern, da die Anzahl der Unternehmensinsolvenzen deutlich steigen dürfte. Daher liegen die aktuellen Potenzialschätzungen unter denen vom letzten Herbst. In allen großen Ländern des Euroraums wird die Produktionslücke am Ende des Prognosehorizonts noch negativ sein.

Im Einklang mit der rückläufigen Entwicklung der Wirtschaftsleistung dürfte die Arbeitslosigkeit im Euroraum ausgehend von 7,6% im vergangenen Jahr deutlich steigen. Die Arbeitslosenquote wird im laufenden Jahr voraussichtlich 9,4% betragen und im kommenden Jahr geringfügig auf 8,9% sinken. In Spanien dürfte sie nach 14,1% im Jahr 2019 im laufenden Jahr spürbar auf 18,5% steigen und im nächsten Jahr leicht auf 17,8% zurückgehen. Nach Quoten von 9,9% und 8,5% im letzten Jahr wird sich die Lage am Arbeitsmarkt voraussichtlich auch in Italien (10,5% bzw. 10,9%) und Frankreich (9,6% bzw. 9,8%) verschlechtern. In Deutschland werden die Arbeitslosenquoten ebenfalls steigen, wenngleich das Niveau dort weiterhin deutlich unterhalb des Durchschnitts im Euroraum liegen wird.

Auch die Teuerung wird wohl spürbar an Dynamik verlieren. In den kommenden Monaten wird Inflationsrate moderat bleiben, da sich die Energiepreise aktuell unter dem Vorjahresniveau bewegen. In diesem Jahr dürfte die Teuerungsrate damit bei lediglich 0,2% liegen und sich im kommenden Jahr auf 0,9% beschleunigen.

Expansive Finanzpolitik wirkt der Krise entgegen

Um dem Konjunktureinbruch entgegenzuwirken und die Folgen der staatlich verordneten Produktionsstilllegungen abzumildern, haben alle Mitgliedstaaten des Euroraums im ersten Halbjahr 2020 große fiskalische Hilfspakete aufgelegt. Die Europäische Kommission ermöglichte dabei Stützen in großem Umfang. Zum einen hob sie die Fiskalregeln vorübergehend auf. Somit profitieren die nationalen Regierungen von der allgemeinen Ausweichklausel des Stabilitäts- und Wachstumspakts und können von den sonst üblichen haushaltspolitischen Vorgaben abweichen. Zum anderen setzte die Kommission die Regelungen zur Staatlichen Beihilfe aus. Dies ermöglicht eine gezielte Unterstützung von privaten Haushalten und Arbeitnehmern sowie direkte und indirekte Hilfen für Unternehmen. Derartige staatliche Leistungen sind in normalen Zeiten reglementiert, um unverhältnismäßige Verzerrungen des Wettbewerbs im Binnenmarkt zu verhindern.

Weltwirtschaft: Historischer Einbruch

Im zweiten Quartal ist mit einem historisch beispiellosen Einbruch der weltwirtschaftlichen Aktivität zu rechnen. Eine Vielzahl von Konjunkturindikatoren stürzte im Frühjahr regelrecht ab. Eine Ausnahme bildet China. Angesichts des früheren Ausbruchs des Virus dürfte die gesamtwirtschaftliche Produktion dort im zweiten Quartal bereits wieder zulegt haben. Der Tiefpunkt scheint in vielen Volkswirtschaften erreicht zu sein und im dritten Quartal ist mit einer Erholung zu rechnen. Dabei dürfte es zu kräftigen Zuwächsen kommen, die allerdings vor dem Hintergrund des sehr niedrigen Ausgangsniveaus zu sehen sind. Die Expansion wird wohl vor allem aus dem Dienstleistungssektor kommen, der zuvor besonders stark eingebrochen ist. Insgesamt wird das Bruttoinlandsprodukt der Welt in diesem Jahr voraussichtlich um 4,8% sinken und im Jahr 2021 um 6,3% zulegen.

Die Inflationsrate in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften dürfte mit 0,5% im laufenden Jahr deutlich niedriger ausfallen als im Vorjahr. Auch mit der einsetzenden konjunkturellen Erholung ab dem zweiten Halbjahr 2020 dürften sich die Preissteigerungen vorerst in Grenzen halten. Höhere Lohnsteigerungen sind im Prognosezeitraum angesichts der zum Teil schon deutlich gestiegenen Arbeitslosigkeit eher unwahrscheinlich.

Auch der weltweite Warenhandel dürfte im zweiten Quartal stark in Mitleidenschaft gezogen worden und um 13% eingebrochen sein. Mit der Erholung der gesamtwirtschaftlichen Produktion ab dem Sommer wird wohl auch der grenzüberschreitende Handel wieder stärker zulegen. Allerdings ist nicht damit zu rechnen, dass der Warenaustausch zum Ende des Prognosezeitraums wieder das Vorkrisenniveau erreichen wird. (01.07.2020/ac/a/m)






 
 
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