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Kolumnist: Hans-Jürgen Haack

Der größte Feind




23.03.16 15:50
Hans-Jürgen Haack

Lieber Leser,

nachdem die Notenbanken nun als Thema erst mal „abgehakt“ sind, könnte es an den Börsen etwas ruhiger zugehen. Unterstützend wirkt in den nächsten Wochen hierzulande die Dividenden-Saison. Aber auch die Konjunkturen stabilisieren sich einigermaßen, China wächst, wenn auch auf tieferem Niveau als früher, aber dennoch ist dies noch ein solides Wachstum. Der schwächer werdende US-$ unterstützt sowohl Rohstoffe als auch die Emerging Markets. Und schon verblassen einige Problemfelder. Aber es fehlt nun etwas an neuen Impulsen, so dass ein Patt zu einer Seitwärtsphase führen könnte.

Der Mensch ist oft sein eigener „größter Feind

Das gibt mir Gelegenheit, ein paar grundsätzliche Fehler beim Investieren anzusprechen, die gerade neue Börsianer oft begehen. Oft ist nämlich der Mensch selber mit seinen Emotionen sein eigener „größter Feind“, wenn es um Börsenerfolg geht. Doch um es gleich vorweg zu sagen: Ich möchte hier nicht überheblich von oben herab wirken: Denn all diese Fehler habe ich auch schon begangen. Aber das ist bei mir schon lange her und ich habe (zumeist) meine Lektion gelernt. Aber auch das ist keine Garantie, dass mir die Emotionen nicht auch noch einen Streich spielen können. Das Folgende ist zwar auf Aktien-Anleger gemünzt, aber kann durchaus auch auf das Trading bezogen werden.

Gewinne laufen lassen, nicht die Verluste

Der größte Fehler der Börsianer ist eindeutig der, die Gewinne zu früh zu realisieren, die Verluste aber laufen zu lassen. Das resultiert aus dem menschlichen Bedürfnis, positive Erlebnisse (Gewinnrealisierung) sofort erleben zu wollen, negative (Verlustrealisierung) aber hinausschieben zu wollen. Folge: Im Depot befinden sich dann mehr schlechte (weil im Verlust notierende, also fallende) als gute (weil steigende) Aktien. Entsprechend schlecht performt das Portfolio. Diesen Fehler begeht fast jeder Anfänger. Also: Gewinne laufen lassen, Verluste begrenzen, nicht umgekehrt! Eine ganz alte Börsenregel, die fast jeder kennt – aber auch fast jeder mal bricht.

Bei steigenden Kursen kaufen, nicht bei fallenden

Viele Anleger versuchen, nur „billig“ zu kaufen, warten auf fallende Kurse. Aber: Bei steigenden Kursen zu kaufen, ist in 80 % der Fälle richtig. Mit dem Trend gehen ist viel besser als zu versuchen, das Tief bei fallenden Kursen zu fischen. Nur eben bei überhitzten, euphorischen Märkten ist das Kaufen bei steigenden Kursen gefährlich. Aber meistens steigen die Märkte unter Skepsis. Euphorie ist eher selten zu finden. Will man aber unbedingt „billig“ kaufen, kauft man oft in fallende Märkte/Aktien hinein, also im Abwärtstrend oder eben eine fallende Aktie. Darauf sitzt man dann oft lange und schaut weiter fallenden Kursen zu. Kauft man aber im Aufwärtstrend oder starke Aktien, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sich diese positiven Bewegungen fortsetzen.

Billig ist oft auch schlecht

Man sollte nicht zu sehr auf fundamentale Bewertungsdaten schauen. Sicherlich ist es wichtig, ob eine Aktie stark überbewertet ist oder ob sie eine hohe Dividenden-Rendite aufweist. Aber Vorsicht! Wer nur auf KGV und Dividende schaut, schaut oft zu kurz. Aktien mit niedrigem KGV haben oft ein verhaltenes oder unsicheres Wachstum. Und bei der Dividende muss man genau schauen, ob diese sicher ist und wie hoch die Ausschüttungsquote ist. Wird zur Zahlung der hohen Dividende fast der ganze Gewinn gebraucht oder muss man gar an die Substanz gehen? Wie sicher sind die Dividenden? Versorger-Aktionäre können ein Lied davon singen, wie eine vermeintlich hohe Dividende eben nicht vor Kursrückgängen schützt. Oftmals gilt: Fundamental billig erscheinende Aktien sind oft keine guten Anlagen. Gute Aktien bekommt man selten preiswert! Aber ich zahle lieber ein KGV von 20 bei starken und nachhaltigen Wachstumsraten als ein KGV von 10 bei sehr unstetigen Gewinnen. Aber: Wenn Unternehmen über lange Jahre ihre Dividenden erhöhen konnten (weil sich auch die Gewinne solide entwickelten), dann sind das oft langfristig gute Investments. Unten zeige ich einen ETF auf sog. Dividend-Aristocrats aus den USA, den wir in der HAACK-INVEST empfahlen.

Gier

Gier ist auch eine ungünstige Emotion im Börsengeschäft. Aber das kommt weit weniger häufig vor als Angst, welche zu ungünstigen Verkäufen im Ausverkauf führt. Natürlich ist Gier gefährlich. Meist zeigt sie sich dann, wenn man überhitzten Märkten oder Aktien im Hype hinterherläuft. Woran erkennt man es, dass man sich in einer solche Gefahr befindet: Wenn mein Kaufobjekt in der Presse über lange Zeit stark empfohlen wird. So bei Aktien in 1999 oder auch im Frühjahr 2015 geschehen, bei Gold im Jahr 2011 (Kursziel von 4.000 $ und höher machten die Runde), bei Crude Oil in 2011 und 2012 (Goldman Sachs-Studie mit 200 $-Ziel, im Januar 2016 dagegen sprach jemand ernsthaft von 0 $!). Dann also ist Vorsicht geboten. Die Gefahr ist groß, dass man sich einer Meinung anschließt, weil man sie sehr oft hört. Das mag in anderen Bereichen meist richtig sein, an der Börse ist es fast immer falsch.

An der Börse gibt es keine Schwarm-Intelligenz

Lassen Sie sich bitte nichts anderes erzählen: An der Börse gibt es keine Schwarm-Intelligenz! Die Masse liegt eher falsch, macht die wenigen - meist richtig liegenden – Gewinner reich (aber es gibt noch eine Gruppe dazwischen, die durch solides Investieren ihr Vermögen langfristig steigen lässt – ich hoffe, Sie und ich gehören dazu). Viele Kleine zahlen auf Dauer in den Pot ein. Nicht unbedingt viel, aber sie zahlen netto ein. Wenige Große (die u.a. deshalb groß sind, weil sie viel aus dem Pot nehmen konnten; sie sind Gewinner, vermeiden Fehler) entnehmen große Teile aus dem Pot. Nur so kann es funktionieren. Wäre es umgekehrt, wären fast alle reich und nur wenige hätten massiv in den Pot eingezahlt (aber woher käme das Geld dafür). Also: Entscheidend ist – besonders für Trader - sich von der Masse zu emanzipieren! Diejenigen, die meinen Trading-Brief HAACK-DAILY lesen, können das mal testen: Meine empfohlenen Trades, die am wenigsten Ihre Zustimmung finden, dürften in der Summe die besten Ergebnisse bringen. Und die Trades, denen Sie (mit „Sie“ meine ich im Prinzip nicht Sie als einzelnen Leser, der Sie ja durchaus ein großer Gewinner sein können, sondern eher „Sie alle“ als Masse der Leser) vollste Zustimmung entgegenbringen, werden in der Summe eher nicht so gut abschneiden. Denn wenn Sie und ich einer Meinung sind, ist das schon ein Schritt hin zu Masse.

Rat für Leser

Deshalb mein Rat an die Leser meiner Publikationen wie man meine Analysen/Empfehlungen gewinnbringend nutzen kann: 1. Einfach als einen (auch unter mehreren) Ideengeber, Input sehen und dennoch immer (!) sein eigenes Ding durchziehen. Das kann sehr gut funktionieren, wenn man Fehler (o.g. Auflistung ist nicht vollständig) vermeidet. 2. Einfach alle Empfehlungen nachhandeln bzw. zumindest alle Empfehlungen eines Bereiches (also alle DAX-Trades oder alle Währungen). Doch das Rauspicken einzelner Empfehlungen („das gefällt mir, das sehe ich auch so“) ist meist nicht zielführend! Warum sage ich das so deutlich? Es ist einfach sehr unbefriedigend, wenn wir in den Briefen eine gute bis sehr gute Gesamt-Performance erzielen (zeigt sich auch am Haack-Performance-Zertifikat, WKN A17TAL), aber dann einzelne Leser selber ein unbefriedigendes Ergebnis aufweisen. Auf Nachfrage erfährt man dann meist, das nur einzelne Trades mitgemacht und oft die ganz großen Gewinner ausgelassen wurden (siehe oben: „die Trades mit wenig Zustimmung“). Die langjährigen Abonnenten wissen um diesen Umstand inzwischen und vermeiden dies. Aber so wie man als Neuling an den Börsen Fehler begehen kann (siehe oben), kann einem das auch beim Verwenden eines Börsenbriefes passieren. Ich hoffe, ich habe Sie mit meinem Wortschwall, der wenig mit der aktuellen Börsenlage zu tun hatte, nicht zu sehr gelangweilt, aber ich halte solche grundsätzlichen Dinge für elementar, wenn man Börsenerfolg haben will.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Osterfest!

Herzlichst Ihr
Hans-Jürgen Haack




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