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Die frühzyklische Phase ist vorbei, jetzt müssen Aktien auf eigenen Füßen stehen




17.09.21 12:07
Janus Henderson Investors

London (www.aktiencheck.de) - Seit die Corona-Pandemie die Weltwirtschaft ins Wanken brachte, waren makroökonomische Entwicklungen eine treibende Kraft auf den Finanzmärkten, so Matt Peron, Director of Research, Portfolio Manager bei Janus Henderson Investors.

Lockdowns, die einsetzenden Konjunkturmaßnahmen und die rasche Zulassung von Impfstoffen hätten zeitweise wertpapierspezifische Faktoren überlagert und dazu geführt, dass sich risikoreichere Anlageklassen (und in einigen Fällen Staatsanleihen) im Gleichschritt bewegt hätten.

Zwar bestünden nach wie vor Risiken, einschließlich der Verbreitung der Delta-Variante, doch habe sich die Weltwirtschaft soweit erholt, dass die makroökonomischen Einflüsse auf die Anlageklassen bald nachlassen sollten. Das Schicksal der einzelnen Wertpapiere werde dann wieder von idiosynkratischen Faktoren bestimmt.

Da die Aktienbewertungen über den historischen Durchschnittswerten lägen, sollte die erneute Konzentration auf wertpapierspezifische Faktoren den Anlegern helfen, künftige Renditen zu maximieren und vor allem Marktbereiche zu meiden, in denen die hohen Bewertungen möglicherweise nicht durch die Fundamentaldaten gerechtfertigt seien.

Nach einem Rückgang um 3,3% im Jahr 2020 werde für dieses Jahr ein Anstieg des weltweiten Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 6,0% prognostiziert. Verbesserte BIP-Prognosen seien aber nicht die einzigen Kräfte, die den Aktienmarkt nach oben treiben würden. Auch die Billionen US-Dollar der Zentralbanken weltweit würden eine Rolle spielen. Auf der Suche nach angemessenen Renditen dürfte ein Teil dieser Mittel in die Finanzmärkte geflossen sein, was dazu geführt habe, dass die Kurse bestimmter Aktien ein Niveau erreicht hätten, das über ihrem Sachwert liege. Diese Liquiditätswelle mache sich nicht nur auf den Finanzmärkten bemerkbar. In der Realwirtschaft sei die Inflation in die Höhe geschnellt und während sich die höheren Preise, die mit dem Nachfragestau einhergehen würden, als kurzlebig erweisen könnten, könnte sich die Inflation, die durch die Störungen in der Lieferkette und die höheren Löhne verursacht werde, als hartnäckiger erweisen.

Investoren müssten sich fragen, wie viele der "guten Nachrichten" bereits eingepreist seien. Wenn das Wachstum hinter den Erwartungen zurückbleibe, könnten Aktien, die nur auf der zyklischen Welle reiten würden, anfällig sein. Ebenso könne eine zunehmende Regulierung für bestimmte Branchen zum Gegenwind werden. Sollte die Inflation hartnäckiger sein als erwartet, dürften Unternehmen, die höhere Inputkosten weitergeben könnten, besser positioniert sein als solche, die einen Margenrückgang hinnehmen müssten, um ihren Marktanteil zu verteidigen. In jedem dieser Fälle dürfte die Auswahl von Wertpapieren - und deren Vermeidung - eine immer wichtigere Rolle für die Anleger spielen.

Die zunehmende Geschäftsaktivität und günstige finanzielle Bedingungen hätten zu steigenden Aktienbewertungen beigetragen. Wenn die Anleger den ganzen Optimismus, der mit der wirtschaftlichen Erholung verbunden sei, ausreizen würden und sich die Politik auf eine Normalisierung zubewege, müssten sich die Bewertungen an der Performance der Unternehmen messen lassen. Aktien, die weitgehend von den steigenden Märkten profitiert hätten, könnten von einer Verschlechterung der Konjunkturprognose betroffen sein. Dazu würden stark zyklische Unternehmen gehören und solche, die mit säkularem Gegenwind konfrontiert seien, aber aufgrund von wahllosen Aktienkäufen einen Aufschwung erlebt hätten. Obwohl überdurchschnittlich hohe Kurs-Gewinn-Verhältnisse mit einer niedrigeren erwarteten Gewinnrendite einhergehen würden, sollten Anleger beachten, dass die am häufigsten genannten Kennzahlen auf Index- oder Sektorebene - und nicht auf Wertpapierebene - gelten würden. Da die Konzentration der wichtigsten Aktienindices im letzten halben Jahrzehnt zugenommen habe, würden die oft zitierten hohen Bewertungen der Indices nicht bedeuten, dass nur magere künftige Erträge zu erwarten seien.

Chancen für höhere Renditen bestünden, seien aber eher auf Wertpapierebene zu finden, da viele Unternehmen unterbewertet seien oder von Anlegern falsch eingestuft worden seien. Die Zusammenstellung eines Portfolios aus diesen Unternehmen würde höchstwahrscheinlich zu einer anderen Zusammensetzung und einem anderen potenziellen Renditeprofil führen als die großen Benchmarks.

Nach Ansicht der Experten von Janus Henderson Investors hätten sich die Anleger selbst einen Bärendienst erwiesen, indem sie dem Anlagestil gegenüber dem Geschäftsmodell eines einzelnen Unternehmens den Vorrang gegeben hätten. Während die jüngste Dominanz von Wachstumsaktien für viele lohnend gewesen sei, hätten steigende Marktkapitalisierungen zu konzentrierten Portfolios geführt und das Risiko einer Mehrfachkompression bei Wachstumsaktien mit langer Laufzeit erhöht, sollten die Zinsen steigen.

Bei Janus Henderson finde man, dass Fundamentaldaten von Unternehmen nicht immer deren Bewertung rechtfertigen würden. Es gebe viele Deep-Value-Unternehmen mit einer glänzenden Zukunft, da sie sich einerseits effektiv für eine digitale Wirtschaft neu positioniert hätten oder andererseits ihre Fähigkeit bewahrt hätten kontinuierlich Cashflow zu generieren - trotz ihrer Zugehörigkeit zu unattraktiven Branchen. Umgekehrt hätten einige wachstumsstarke Aktien ungeachtet der Begeisterung der Anleger möglicherweise keinen klaren Weg zur Rentabilität. In jedem Fall gehen wir davon aus, dass das Unternehmen und nicht die Branche die zukünftige Entwicklung dieser Aktien bestimmen wird, so die Experten von Janus Henderson Investors. (17.09.2021/ac/a/m)







 
 
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