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Kolumnist: Redaktion boerse-frankfurt.de

Zertifikate-Trends: Viele Long-Positionen




30.05.20 08:51
Redaktion boerse-frankfurt.de

Händlersaal Zertifikate

Anleger erwarten eine Fortsetzung der DAX-, Öl- und Gold-Rallyes. Bei den Einzelaktien stehen Wirecard und VW im Fokus.


28. Mai 2020. Frankfurt (Börse Frankfurt). Während Corona und die potenziellen konjunkturellen Folgen weiterhin die Schlagzeilen in den Medien füllen, sorgen die Lockerungen vielerorts für bessere Laune an den Finanzmärkten. Seit Mitte des Monats gewann der DAX von 10.337 auf über 11.700 Punkte an Wert.


„Die Spannungen zwischen den USA und China konnten die Anleger bisher kaum aus der Ruhe bringen“ beschreibt Kemal Bagci von der BNP Paribas. Entsprechend positionierten sich Derivate-Investoren im DAX zumeist Long. Bagci nennt beispielhaft einen gefragten Call auf den deutschen Bluechip-Index (WKN PN0CF7) mit einer Knockout-Schwelle von 10.849 Punkten.


Investoren handeln besonnen


Investoren scheinen sich leichte Hoffnung auf eine Erholung zu machen, wie Simon Görich von der Baader Bank feststellt. Es gebe allerdings auch Stimmen, die in den derzeitigen Entwicklungen lediglich Zwischenhochs vermuten und mit weiteren deutlichen Rücksetzern rechneten. „Daher sind am Zertifikate-Markt eher trendfolgende und vorsichtige Investoren unterwegs.“ Meist gehandelt worden seien die Basiswerte DAX, Öl und Gold. Bei den Einzelaktien dominierten Tesla und Wirecard das Geschehen.


Setzen auf konjunkturelle Besserung


„Öl ist bei unseren Kunden ein Riesenthema“, meldet Anouch Wilhelms. Nach dem starken Preisverfall im April hätten sich Anleger in den vergangenen Wochen zumeist Bullish positioniert. Zu den beliebtesten Werten zählt der Händler der Société Générale ein 2x Long Zertifikat auf Brent (WKN CJ8EW7) und ein 1x Long Zertifikat auf WTI (WKN CJ8EWX). „Short-Produkte wurden kaum gespielt.“


Anouch Wilhelms

Wilhelms


Auch bei der BNP Paribas kommen Long-Derivate auf WTI (WKN PS7WT1) und Brent (WKN PS701L) besonders häufig zum Zug. Der Preis für das amerikanische WTI legte auf Monatssicht von 11 auf 31,72 US-Dollar pro Barrel zu. Gleichzeitig verteuerte sich die Nordseesorte Brent von 22 auf 35 US-Dollar pro Fass. Die allgemein gute Stimmung an den Finanzmärkten trägt nach Ansicht Bagcis zu den höheren Kursen bei.


Stark rückläufige Investitionen


Der Öl-Preisverfall wird nach Schätzungen der Internationalen Energieagentur (IEA) vermutlich zu einem beispiellosen Rückgang der weltweiten Energieinvestitionen um 20 Prozent führen. Damit würden Unternehmen in 2020 voraussichtlich fast 400 Milliarden US-Dollar weniger als im Vorjahr in den Bereich investieren.


Bullish für Gold


Gold-Zertifikate sind Wilhelms zufolge gesucht. Anleger deckten sich unter anderem mit einem Partizipations-Zertifikat (WKN CU0QXV) ein. Die Entwicklung des Papiers orientiert sich im Verhältnis zehn zu eins am Goldkurs. Ebenfalls Preissteigerungen erwarteten Käufer eines Calls auf Gold (WKN CL7HQG) mit einer Knock-Out-Schwelle von 1.637 US-Dollar pro Feinunze. Auf fallende Kurse setzten hingegen Anleger eines gefragten Gold-Derivats (WKN CJ1JEQ), das bei Berührung oder Überschreitung der Schwelle von 1.781 US-Dollar pro Feinunze Gold verfällt. „Long-Positionen überwiegen aber deutlich“, präzisiert Wilhelms.


Markus Königer von der ICF Bank verbucht Interesse an Long Gold-Derivaten mit Knock-Out-Schwellen von 1.656 US-Dollar (WKN VP2J5Q) und 1.690 US-Dollar (WKN VP3N07).


Langfristiges Aufwärtspotenzial


Die derzeitige leichte Goldschwäche führt Eugen Weinberg von der Commerzbank auch auf die gute Laune an den Aktienmärkten sowie den starken asiatischen Nachfrageeinbruch zurück. Nach Ansicht Weinbergs spricht der angestrebte EU-Wiederaufbaufonds im Volumen von 750 Milliarden Euro künftig für Gold in seiner Eigenschaft als wertstabile Anlage. Die Abtragung dieser massiv erhöhten Schuldenlast werde Jahrzehnte dauern. 


Wirecard im Fokus


Die Nachrichten rund um die möglichen Wirecard-Unregelmäßigkeiten ebben kaum ab. Die Aktie des Bezahldienstleisters verlor auf Monatssicht von 101 auf 90 Euro. Generell gehören Wirecard-Zertifikate laut Händler einmal mehr zu den meist gehandelten Produkten. Königer spricht von Nachfrage nach Long Derivaten auf Wirecard mit Knock-Out-Schwellen von 67,18 Euro (WKN VF2R84) und 46,73 Euro (WKN TD8JM8).


Wilhelms nennt ein rege gehandeltes Capped Bonus-Zertifikat auf Wirecard (WKN SR85SA). Dieses bietet zusätzliche Absicherung, wenn die Wirecard-Aktie die Barriere von 66,00 Euro bis zum Ende der Laufzeit nicht berührt oder unterschreitet. Weit oben in der Umsatzstatistik stehe zudem ein Faktor 4 Long Zertifikat auf Wirecard (WKN CU0CYQ).


VW bewegt die Gemüter


Volkswagen scheint sich auf einer Einkaufstour in China zu befinden, wie Medien berichten. Demnach haben es die Wolfsburger auf eine 50-prozentige Beteiligung an der Muttergesellschaft seines chinesischen Elektrofahrzeug-Partners JAC Motors abgesehen. Darüber hinaus ziele VW darauf, größter Anteilseigner des Batterieherstellers Guoxuan High-Tech zu werden. Anleger reagieren laut Bagci mit Positionierungen in einem Mini Long auf VW (WKN PF2NXD), das bei Berühren oder Unterschreiten des VW Aktienkurses von 107,31 verfällt. Aktuell notiert die Aktie um 134 Euro.


Auf einem ungewöhnlichen vorderen Rang in der Umsatzstatistik führt Wilhelms ein VW-Zertifikat (WKN CU01SP) mit einer Knock-Out-Schwelle von 75,95 Euro.


 


Von: Iris Merker


28. Mai 2020, © Deutsche Börse AG




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