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Zehn Jahre nach der Lehman-Pleite - DAX-Performance deutlich schneller erholt als Anlegervertrauen




10.09.18 12:10
Sutor Bank

Hamburg (www.aktiencheck.de) - Vor zehn Jahren, am 15. September 2008, kam es zur folgenschweren Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers, so Dirk Wittich, Kapitalmarktexperte bei der Sutor Bank.

Im Zuge dessen sei es zu größeren Verwerfungen an den Kapitalmärkten weltweit gekommen. Während die Rückschläge an den Kapitalmärkten jedoch längst wieder wettgemacht seien und zwischenzeitlich neue DAX-Höchststände erzielt worden seien, seien viele Anleger nach wie vor von Investments jenseits von Sparbuch und Tagesgeldkonto abgeschreckt. Vielmehr steige das Vermögen der Deutschen in Form von Bargeld und Sichteinlagen seit Jahren kontinuierlich an und betrage mittlerweile mehr als 2,3 Billionen Euro - zum Vergleich: 2008 seien es rund 1,7 Billionen Euro gewesen (Quelle: Deutsche Bundesbank).

Eine Analyse der Hamburger Sutor Bank zeige: Wer vor zehn Jahren - Ende August 2008 und damit unmittelbar vor der Finanzkrise - in den deutschen Aktienindex DAX investiert gewesen sei und sein Investment bis heute gehalten habe, könne sich annähernd über eine Verdopplung des Kapitals freuen. Zwischen Ende August 2008 (DAX-Schlusskurs 29.8.2008: 6.422,30) und Ende August 2018 (DAX-Schlusskurs 31.8.2018: 12.364,10) lägen fast 6.000 Punkte oder 92,5 Prozent Wertzuwachs. Den unmittelbaren Vor-Krisen-Stand habe der DAX etwas über zwei Jahre später im November 2010 wieder erreicht, und habe im Dezember 2010 erneut die 7.000-Punkte-Schwelle genommen. Nach einem weiteren Einbruch im August 2011 habe der DAX ab September 2011 mit seiner Rally begonnen - bis auf zwischenzeitlich über 13.500 Punkte.

Gegenüber der DAX-Performance habe es deutlich länger gedauert, bis das Vertrauen der Anleger in den Aktienmarkt wieder auf dem Vor-Krisen-Niveau gewesen sei. Nehme man die Zahl der Aktien- und Aktienfondsbesitzer in Deutschland als Indikator für das Vertrauen in die Aktienanlage, dann sei 2017 erstmals wieder seit dem Jahr 2007 die Zahl von 10 Mio. Besitzern überschritten worden. Zwischenzeitlich habe die Zahl der Aktien- und Aktienfondsbesitzer etwa im Jahr 2010 bei nur noch knapp 8,4 Mio. gelegen (Quelle: Deutsches Aktieninstitut). Die damalige Flucht aus Aktien hin zu weniger volatilen Anlagen zeige auch die Entwicklung der Renditen zehnjähriger deutscher Staatsanleihen: Habe die Rendite einer Bundesanleihe am 01.08.2008 noch bei 4,17 Prozent gelegen, habe diese am 31.12.2008 nur noch 2,95 Prozent betragen.

"Der schnelle Renditeeinbruch bei deutschen Staatsanleihen Ende 2008 zeigt, dass Anleger im letzten Quartal 2008 massiv deutsche Staatsanleihen gekauft haben, um auf der vermeintlich sicheren Seite zu sein", habe Wittich gesagt. "Viele Sparer, die sich vor einem Investment am Aktienmarkt scheuen, verwechseln jedoch Schwankungen mit Risiko. Solange man langfristig ohne festen Auszahlungstermin denkt, sind Schwankungen für den Sparer kein Risiko. Sie gehören zum Kapitalmarkt dazu und sind vollkommen normal. Es gilt diese einfach auszusitzen", erkläre Wittich. Erst wenn man auf dieses Kapital habe zugreifen wollen, sollte man sich rechtzeitig vorher und ohne Zeitdruck mit den Kursen beschäftigen.

2008 seien, wie auch heute noch, geldmarktnahe Instrumente wie das Sparbuch oder Tages- und Festgeldkonten bei den Deutschen besonders beliebt gewesen. Wer im August 2008 ausschließlich auf den Geldmarkt gesetzt habe, habe zwar in den ersten Monaten nach der Lehman-Pleite besser als ein Aktienanleger da gestanden, doch das Ergebnis habe sich rasch zugunsten der Aktienanlage geändert. Habe die Rendite am Geldmarkt (Basis: Interbankenzinssatz Eonia) im August 2008 noch 4,3 Prozent betragen, so sei diese in den folgenden Monaten kontinuierlich gesunken und habe bereits im April 2009 bei unter 1,0 Prozent gelegen. Seit November 2014 liege der Eonia-Zinssatz sogar im negativen Bereich und werde mittlerweile auch von einigen Banken an Kunden weitergegeben. Auf Sicht von zehn Jahren (August 2008 bis August 2018) liege die Rendite am Geldmarkt demnach faktisch bei durchschnittlich 0 Prozent pro Jahr.

Im Vergleich dazu werde die Überlegenheit der Aktienanlage auf lange Sicht deutlich: Über einen Zeitraum von zehn Jahren (August 2008 bis August 2018) liege die DAX-Rendite bei 6,77 Prozent pro Jahr. Dazwischen sei die DAX-Rendite gleichwohl stark im Minus-Bereich gewesen, im ersten Krisenjahr von August 2008 bis August 2009 sei es beispielsweise ein Minus von 14,9 Prozent gewesen.

"Sparer, die sich mehr oder weniger ausschließlich am Geldmarkt in Form von Sparbuch oder Tagesgeldkonto engagieren, betreiben kontinuierliche Kapitalvernichtung. Viele Sparer sehen im Prinzip nur den Nominalbetrag auf ihrem Sparkonto. Dass ihr Geld durch die Inflation de facto immer weniger wird, da die Kaufkraft kontinuierlich sinkt, wird gern ausgeblendet", so Dirk Wittich. "Das heißt nicht, sein gesamtes Vermögen in Aktien anzulegen, sondern eine Streuung über verschiedene Anlageklassen vorzunehmen, die möglichst alle Eventualitäten und Planungen des Anlegers berücksichtigt."

Viele Sparer seien unsicher, wie hoch die benötigte Liquidität sei - also das, was etwa auf dem Tagesgeldkonto deponiert werden sollte - und welcher Anteil längerfristig zurückgelegt werden könne. "Die meisten Sparer schätzen die tatsächlich benötigte Liquidität, ob kurz- oder mittelfristig, falsch ein und parken viel zu viel Geld auf zinslosen, aber sofort verfügbaren Konten und Sparbüchern", erkläre Dirk Wittich.

In der Regel sollten Sparer nach Ansicht von Dirk Wittich den Geldbedarf für drei Monate zur Seite legen; von dem Geld, was darüber hinaus vorhanden sei, würden 20 Prozent als kurzfristige Liquiditätsreserve vollkommen ausreichen, sofern nicht bestimmte größere Ausgaben geplant seien. Dadurch fiele die aktuell negative Rendite - nach Abzug der Inflationsrate - im geldmarktnahen Segment nicht allzu schwer ins Gewicht. Würden weitere 30 Prozent mittelfristig angelegt, stünde die Hälfte des Vermögens für eine langfristige Anlage zur Verfügung. "Damit ließ sich in der Vergangenheit problemlos eine Rendite von sechs bis acht Prozent bei einer Anlage von mindestens zehn Jahren erwirtschaften. Neben dem Ausgleich der Inflation wird auf diese Weise noch ein ordentliches Plus gemacht", so Wittich. (10.09.2018/ac/a/m)







 
 
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