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Kolumnist: Feingold-Research

Wolfgang Schäuble hat Europa gegen die Wand gefahren




16.01.18 10:51
Feingold-Research

Kommentar – Wolfgang Schäuble ist nicht am Ziel seiner Träume angekommen, denn still und heimlich hätte sich der Baden Württemberger sicherlich gewünscht am Ende seines politischen Lebens statt Bundestags- vielleicht eher Bundespräsident zu werden. Diesem Schritt stand Angela Merkel einst schon im Wege. Doch immerhin kommt ihm im Amt des Bundestagspräsidenten jetzt eine bedeutende Rolle zu. Eine Rolle, die überdeckt, dass Schäuble mit seiner Politik der schwäbischen Hausfrau in den vergangenen zehn Jahren seit der Finanzkrise Europa einen Bärendienst erwiesen hat. Eine Politik, die man erst in einigen Jahren als destruktiv und wenig förderlich erkennen dürfte. 

Denn während Europa mit Ausbruch der Finanzkrise 2008 getrieben vom Sparmeister aus Süddeutschland, die Geldschleusen viel zu lange verschlossen hielt und selbst danach nur zaghaft öffnete, taten Amerikaner das was sie häufig tun: sie krempelten die Ärmel hoch, öffneten die Geldschleusen und haben deshalb jetzt, 10 Jahre nach der Krise, nicht nur einen Vorsprung in Sachen Bewältigung und Notenbankpolitik, sondern hat sich binnen der letzten 10 Jahre auch die Firmenhierarchie weltweit massiv verändert. Zu Ungunsten der Europäer, was von uns Deutschen dadurch überlagert wird, dass wir mit einem starken Mittelstand noch immer auf der Exportseite bravourös dastehen.


Varoufakis ungleicher Kampf

Euro_EZB_Börse_4Auch dies ist jedoch kein Verdienst Wolfgang Schäubles, sondern einzig und allein der Verdienst Mario Draghis, der den Euro lange angeblich belastete, in Wirklichkeit jedoch das beste Konjunkturprogramm für Deutschland war, das man sich denken konnte. Hinten runtergefallen sind so ziemlich alle Nachbarstaaten – speziell die Südländer. Hinten heruntergefallen sind jedoch auch große europäische Firmen und vor allem der Innovationsstandort Europa. Denn während die europäischen Firmen und Europa an sich, Jahre lang mit sich selbst beschäftigt war und um Milliarden für Griechenland feilschte, um sie dann doch zu bewilligen, mit Geld mögliche Reformen in Frankreich, in Italien, in Spanien lange verzögerte, unter dem Deckmantel des so sinnvollen Sparens, gaben die Amerikaner das Geld mit vollen Händen aus.


Die Zentralbankbilanz in den USA wurde schon aufgeblasen, da man in Europa den Ernst der Lage noch gar nicht erkannte und vom Zuchtmeister aus Deutschland gemäßigt wurde. Denn in Erinnerung bleibt: das Duo Schäuble und Merkel garantierte 2008 die Einlagen der Sparer als sicher. Danach jedoch, 2009 – im Jahr der Bundestagswahl, kam Wolfgang Schäuble auf das Tableau und dominierte Europas Finanzpolitik. Ein junger Hipster aus Griechenland, wie Yanis Varoufakis, war Schäuble möglicherweise intellektuell auf Augenhöhe begegnend, doch konnte der Grieche selbstredend mit dem Schwergewicht aus Deutschland nicht konkurrieren.


Währenddessen hatten die Amerikaner ihren Bankensektor längst saniert und spätesten seit dem Jahr 2010, als die Europäer gerade ihre Scherben zusammenkehrten, schon wieder volle Kraft voraus signalisiert. Dieser Bankensektor wiederum strahlte aus auf die gesamte amerikanische Wirtschaftspolitik. Konzerne wie Facebook, Apple, Tesla – das Silicon Valley per se wurde mit Risikokapital ausgestattet, als man in Deutschland das Wort Risiko nicht hören wollte und stattdessen auf Sicherheit spielte. Ganz so wie es in der DNA und der Denkweise Wolfgang Schäubles verankert ist.


US-Exempel an VW und BNP

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        auto vwDiese Denkweise übertrug sich, dank der Macht der Deutschen in der Eurozone, auf ganz Europa. Mario Draghi tat das was er tun konnte und hielt den Euro am Leben. Jedoch hätte man schon viel, viel früher beginnen können, wenn die Bremse aus Deutschland nicht so evident zu sehen gewesen wäre. Die Folge: amerikanische Großkonzerne handeln aktuell nicht nur in ihrem Kerngeschäft, sondern haben ihre Arme überall hin ausgestattet. Doch damit nicht genug, nicht nur dass man dank angeblich schwäbischer Hausfrauenpolitik, den Haushalt in Europa so schön konsolidiert hatte. Nein, Wolfgang Schäuble blockierte auch jahrelang jegliche Vereinbarungen innerhalb der Europäer US-Großkonzerne steuerlich vernünftig partizipieren zu lasen und etwaige Verstöße entweder durch neue Regeln zu verhindern oder aber gleich zu sanktionieren.


Währenddessen spielten die Amerikaner auch in diesem Bereich ihre Kraft aus. An Volkswagen wird das Exempel just noch immer statuiert. Doch man erinnert sich auch zurück an die zehn Milliarden Euro Strafe, die beispielsweise BNP für seine Geschäfte mit dem Iran zahlen musste. Was haben amerikanische Konzerne in Europa gezahlt? – Peanuts! Apple wurde verdonnert seine Steuerschulden in Irland zu begleichen. Was taten die Iren? – Erst einmal gar nichts! Lächerlich! Peinlich! Und ein Milliardentransfer von Europa Richtung USA.


Goldman zeigt wo es lang geht

Die Folge: unter den größten Konzernen und Banken weltweit finden sich, abgesehen von einer Hand voll Chinesen, mittlerweile nahezu ausschließlich US-Konzerne. Europäische spielen quasi keine Rolle und Banken wie Goldman Sachs und Morgan Stanley oder J.P. Morgan zeigen weltweit wo es langgeht. Das Investmentbanking-Geschäft europäischer Großbanken hat auch durch Regulierung lange Schaden genommen und wurde gebremst, während in den USA die Banken nach einer kurzen Sühnezeit und einem kurzen „wir haben verstanden“ genauso weiter machten wie vorher und im Gegenteil, nach schnellen Deals mit der US-Regierung, aus den Vollen schöpfen konnten.


Goldman Sachs weist brillante Gewinne aus, Morgan Stanley und J. P. Morgan ebenso. Dies geschah nicht, weil die Banken so viel stärker gewesen wären als die Europäer und keinesfalls war es auch so, dass der US-Immobilienmarkt stärker gewesen wäre als der europäische – auf gar keinen Fall! Denn wo begann die Immobilienkrise? – In den USA und sie strahlte in Folge aus auf Europa, speziell dort auf die Spanier. Von einer Immobilienkrise in Frankreich und Italien war dagegen nichts zu hören. Und dennoch die Zentralbankbilanz der USA ist aufgebläht, die Amerikaner machen Schulden ohne Ende und sie kassieren das was sie immer machen: Geld von den großen Investoren.


Wolfgang Schäuble ist eines zu Gute zu halten: er ist seiner, wenngleich falschen Linie, stets gefolgt und ist bei seiner schwäbischen Haushaltspolitik geblieben, bis zum Ende und er hat zu seinem Standpunkt gestanden. Dennoch muss man konstatieren, dass er mit dieser Politik Europa einen Bärendienst erwiesen hat, der in der nächsten Krise spürbar sein wird. Denn dann wird sich die Macht großer US-Konzerne, sei es im Banken- oder Technologiesektor, noch einmal und deutlicher zeigen. Denn während europäische Großkonzerne die Krise überwunden haben und langsam erst wieder anfangen Speck anzusetzen, strotzen die US-Konzerne nur so vor Kraft und sind dank ihres mindestens vier- bis fünfjährigen Vorsprungs gegenüber den Europäern im Vorteil.



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