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Kolumnist: Redaktion boerse-frankfurt.de

Wochenausblick: Vorbereiten auf die Zeit nach Corona




23.03.20 17:05
Redaktion boerse-frankfurt.de

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Corona und die möglichen Folgen für die Weltwirtschaft bleibt Hauptthema an den Finanzmärkten. Einige Analysten halten die Reaktionen an den Aktienmärkten für übertrieben und rechnen im Falle eines Abebbens der Pandemie mit einer raschen Aufholjagd.
 


23. März 2020. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die neue Woche strapaziert erneut die Nerven der Anleger. Nach den deutlichen Verlusten der US-Indizes Ende vergangener Woche – der Dow Jones Industrial büßte am Freitag gut 4,6 Prozent ein, S&P 500 und Nasdaq verloren rund 4,3 bzw 3,8 Prozent – startet der DAX mit 8.536 Punkten 4,4 Prozent schwächer in die neue Woche.


Nach Corona ist vor der Entspannung


Mit den massiven Verlusten an den Aktienmärkten fangen Volkswirte nun an, den möglichen wirtschaftlichen Schaden auszuloten. Noch verhindern Maßnahmen gegen das grassierende Virus nach Ansicht von Ulrich Kater von der DekaBank positive Reaktionen auf die Hilfspakete der Regierungen. Sobald sich die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Krankheit verringert, würden die Finanzmärkte die Effekte der neuen fiskalpolitischen Impulse stärker zu würdigen wissen.


Jean-Marie Mercadel von Ofi Asset Management zufolge ist in den jetzigen Aktienkursen bereits eine starke Rezession mit eingepreist. Zwar werde es ohne Zweifel einen spürbaren globalen Wirtschaftsrückgang geben. Da es sich aber eher um eine Wirtschafts- als um einen Finanzkrise handelt, obliege es den Staaten die durch Corona verursachten Schäden wieder in Ordnung zu bringen. Viele Regierungen hätten bereits massive Unterstützungen zugesagt. Die Reaktionen an den Finanzmärkten hält Mercadel insgesamt für übertrieben und rät langfristig orientierten Anlegern, damit zu beginnen wieder zu investieren. Das gelte insbesondere für Aktien und Hochzinsanleihen.


Volatilität bleibt hoch


Das sieht Chris-Oliver Schickentanz von der Commerzbank ähnlich. Viele Qualitätswerte seien undifferenziert abgestoßen worden, so dass sich mit Blick auf die zweite Jahreshälfte ein Einstieg in Sektoren mit robusten Geschäftsmodellen wie Nahrungsmittel, Gesundheit oder Technologie lohnen sollte. „Großes Zutrauen in Neuanlagen dürften jedoch die wenigsten Anleger haben, so dass die Schwankungsintensität zunächst hoch bleiben wird.“


 


Talsohle noch nicht erreicht


Trauen sich Anleger derzeit in zwischenzeitlichen Aufwärtsbewegungen zurück an die Märkte, verbrennen sie sich nach Auffassung von Robert Halver von der Baader Bank immer noch die Finger. Der Macro Risk Index der Citigroup dokumentiere mit einem Absturz auf 0,99 Punkte – Werte über 0,5 Punkte signalisieren zunehmende Risikoabneigung, unter 0,5 Punkte wachsende Risikofreude -  die dramatische Risikoaversion institutioneller Anleger. Einer Bodenbildung komme der aktuelle Extremwert aber zugute.


Robert Havler

Halver


Schnelle Erholung denkbar…


Wie stark die Pandemie-Folgen für die Konjunktur ausfallen, hängt Kater zufolge davon ab, wie lange die Einschränkungen gelten. Bleibe es bei einem Zeitraum von etwa vier Wochen, sei eine schnelle Rückkehr zur Normalität wahrscheinlich. Dauerten die Belastungen für die betroffenen Betriebe bis in den Mai hinein, gehe die Wirtschaftsleistung um etwa 15 Prozent zurück. Der Produktionsausfall des zweiten Quartals könne durchaus jeweils zur Hälfte im dritten und vierten Quartal nachgeholt werden. In dem Fall prognostiziert Kater einen Rückgang des hiesigen Bruttoinlandsprodukts um 4,5 Prozent in diesem Jahr. Ein länger anhaltender Ausnahmezustand könne die Wirtschaft naturgemäß massiver in Mitleidenschaft ziehen.


…falls Corona mitspielt


Die Erholungsszenarien hängen stark vom Abklingen der Corona-Pandemie ab, wie Schickentanz anmerkt. Lege man die chinesischen Erfahrungen zu Grunde, sei erst im dritten Quartal eine dann aber unter Umständen auch starke Erholung möglich. Hoffnung gäben die rasant sinkenden Fallzahlen aus China oder die Wiedereröffnung der Schulen auf der japanischen Nordinsel Hokkaido.


Medikament als Kurstreiber


Die Hoffnung auf ein wirksames Medikament gegen das Coronavirus würde die Erholung an den Aktienmärkten vermutlich deutlich vorantreiben. Weltweit arbeitet die Pharma-Industrie fieberhaft an einem Wirkstoff. Unter anderem stellt die deutsche CurVac einen Impfstoff bereits für diesen Herbst in Aussicht. Sollten die Daten einer klinischen Studie gut ausfallen, rechnet Franz Werner Hass womöglich noch in diesem Jahr mit dem Beginn einer groß angelegten Studie. Abhängig vom Ausgang und den Entscheidungen der Zulassungsbehörden könnten dann in einer bereits bestehenden Anlage "pro Jahr zwischen 200 und 400 Millionen Impfdosen" gegen das Coronavirus produziert werden. Commerzbank-Analyst Andreas Hürkamp hält in einem derartigen Szenario Kursgewinne zwischen 15 und 20 Prozent binnen weniger Tage für möglich.


von: Iris Merker


23. März 2020, © Deutsche Börse AG

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