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Wirecard: Wie viel ist die Aktie wirklich wert? - Aktienanalyse




11.02.19 09:30
BÖRSE am Sonntag

Bad Nauheim (www.aktiencheck.de) - Wirecard: Wie viel ist die Aktie wirklich wert? - Aktienanalyse

Oliver Götz von der "BÖRSE am Sonntag" nimmt in einer aktuellen Aktienanalyse die Aktie des Anbieters von Lösungen für den elektronischen Zahlungsverkehr Wirecard AG (ISIN: DE0007472060, WKN: 747206, Ticker-Symbol: WDI, Nasdaq OTC-Symbol: WRCDF) unter die Lupe.

Kurschaos bei Wirecard. Nachdem die Financial Times in Bezug auf einen Bericht der Singapurer Kanzlei Rajah & Tann ein zweites Mal auf mögliche kriminelle Machenschaften bei dem Aschheimer Bezahldienstleister hingewiesen habe, sei bei Anlegern am Freitag vor einer Woche endgültig der Geduldsfaden gerissen. Zwischenzeitlich hätten sie die Aktie der deutschen Tech-Hoffnung um 30 Prozentpunkte in die Tiefe geschickt, hätten in nur einer Stunde einen Börsenwert von über fünf Milliarden Euro vernichtet. Die zwei Handelstage vorher mit eingerechnet sogar einen von über sieben Milliarden Euro. Innerhalb kürzester Zeit sei der Kurs so um insgesamt 36 Prozent von 167,40 auf 108,50 Euro abgestürzt.

Zunächst kein Wunder, blicke man auf die Anzahl und Schwere der Verdachtspunkte, die die Singapurer Kanzlei da so aufgelistet habe. Gefälschte Buchführung, Betrug, Korruption, Geldwäsche. Nur einen Handelstag später allerdings und nachdem Wirecard-Vorstandschef Markus Braun die Berichte vehement als "diffamierend und unzutreffend" zurückgewiesen habe, sei der Aktienkurs schon wieder um 20 Prozent auf 131,25 Euro nach oben gesprungen. Dem Handelsblatt gegenüber habe Braun von einer "Non-Story" gesprochen. Man habe alles aufgearbeitet und es gebe keinerlei Risiko. In der Buchhaltung seien weder Korrekturen noch Anpassungen nötig gewesen. "Wir erwarten keinen weiteren materiellen Schaden. Unsere Aktionäre werden ein starkes Jahr 2019 erleben", habe Braun angekündigt.

Am Donnerstag dann, sei es wiederum die Financial Times gewesen, die mit einem dritten Bericht nachgelegt habe. "Wirecard: inside an accounting scandal", habe die britische Wirtschaftszeitung getitelt. Trotz sofortigem und abermaligem Dementi aus Aschheim - "Im neuen Artikel steht nichts Wahres." - sei die Aktie zum dritten Mal innerhalb kürzester Zeit zweistellig ins Minus gestürzt. Am Freitag habe sie es dann gleich noch einmal getan, nachdem bekannt geworden sei, dass die Singapurer Polizei in Zusammenhang mit den Vorfällen Büroräume durchsucht habe. Zum Ende des Handelstages habe sich der Kurs bei rund 94 Euro stabilisiert, habe damit aber nur noch in etwa halb so hoch gestanden wie im September, als Wirecard den Sprung in den DAX geschafft habe.

Bleibe die Frage, wem nun zu glauben sei. Und natürlich die nach dem Wert der Aktie. Sei sie nun günstig oder teuer? Wie viel Potenzial stecke noch drin, in dem Papier, dass die deutsche Börsenwelt seit gut zwei Jahren positiv wie negativ in Atem halte und nicht zuletzt die Commerzbank aus dem DAX verdrängt sei. Schließlich habe Wirecard schon in der Vergangenheit immer wieder mit negativer Berichterstattung und anschließenden Kursausschlägen nach unten zu tun gehabt. Und überhaupt habe sich die Aktie in jüngster Zeit als einigermaßen volatil erwiesen. Schon vor den Financial Times-Berichten sei die Aktie von ihrem Rekordhoch aus dem vergangenen August bei rund 194 Euro bis Ende 2018 um 35 Prozent auf 127 Euro abgestürzt, nur um sich im Januar des laufenden Jahres wieder um 25 Prozent auf 167 Euro zu erholen.

Schuld an diesem Hin und Her könnten auch die zunehmenden Spekulationen gegen die Aktie sein. Genauso allerdings auch deren Folge. Fakt sei: Dem Finanzdatenanbieter Markit nach sei der Wert der Leerverkäufe mit Blick auf das Wirecard-Papier innerhalb eines halben Jahres von 70 auf 566 Millionen Euro angestiegen, was rund 3,5 Prozent der frei handelbaren Aktien entspreche. Allein der britische Hedgefonds Odey Asset Management wette mit knapp 132 Millionen Dollar gegen den Bezahldienstleister.

Gemeinsam mit all dem Tohuwabohu der letzten Tage könne sich da der Blick schnell im Chaos des Ungewissen verlieren. Für den Moment schließlich stehe Aussage gegen Aussage. Rajah & Tan klage an, Wirecard dementiere entschieden, die Behörden würden ermitteln. Wer am Ende Recht behalte, das müsse sich zeigen. Die Gefahr: Wenn sich allein nur die kleinste Anschuldigung bewahrheiten sollte, dürfte Wirecard auf einen Schlag eine ganze Menge Vertrauen verlieren. Und natürlich weiter Geld. Schon jetzt seien von ursprünglich 23 nur noch 13,6 Milliarden Euro an Börsenwert übrig. Dass Vorstandschef Braun die Vorwürfe zunächst zurückweise, erscheine schließlich nur logisch, er halte allein gut sieben Prozent der Konzernanteile. Und eine wirklich schlüssige Erklärung, weshalb es überhaupt zu den Anschuldigen habe kommen können, sei er der Öffentlichkeit bislang schuldig geblieben.

Bis Fakten geschaffen werden könnten, dürfte es nun dauern. Und bis dahin gleiche es einer Lotterie sich als Anleger durch kurzfristiges Handeln an den Spekulationen zu beteiligen. Ja, Schwankungen, wie nun jene bei Wirecard, würden an der Börse reizvolle Möglichkeiten schaffen, mögen einen zum Spiel mit Call- und Put-Optionen verführen. Die Chance auf schnelle und via Hebel oft hohe Gewinne sei hoch, ebenso aber auch das Risiko mit Blick auf Verluste nah oder über der Schmerzgrenze.

Es gelte als wohl Ruhe zu bewahren, sich auf das zu fokussieren, was Wirecard an Zahlen vorlege und für die Zukunft prognostiziere und es in Relation zu dem Kurs zu setzen, den die Wirecard-Aktie vor den jüngsten Chaostagen gefahren habe. Das heiße auch, die Charttechnik erst einmal außer Acht zu lassen. Der Kurs schließlich habe jüngst quasi jede technische Unterstützung gerissen. Egal ob nun 20-,50- oder 200-Tage-Linie.

Nun sei es aus Anlegersicht aber - wie bereits beschrieben - schon vor der jüngsten Berichterstattung alles andere als geradlinig in die richtige Richtung gelaufen, was allerdings auch wenig verwundere, schließlich habe im zweiten Halbjahr 2018 eine allgemeine Tech-Krise um sich gegriffen und der Wert des Wirecard-Papies habe sich auf Zehn-Jahressicht schließlich um fast 3.000 Prozent vervielfacht. Damit war sei die Aktie auch nach den Kurstürzen der letzten Tage hoch bewertet. Das für 2018 erwartete KGV liege bei über 40, das für 2019 immer noch bei über 30. Und Rendite würden Anleger bei Wirecard über den Kurs machen, die Dividende scheine mit rund 20 Cent je Aktie und einer damit einhergehenden Dividendenrendite von 0,15 Prozent vernachlässigbar.

Wer jetzt langfristig einsteigen wolle, der müsse sich wohl an Prognosen orientieren. An denen von Wirecard genauso wie an denen der Analysten. Und die seien vielversprechend. Das EBITDA, sprich das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, würden die Aschheimer 2019 irgendwo zwischen 740 und 800 Millionen Euro erwarten. Gegenüber dem erwarteten Wert für 2018 entspräche dies einem Wachstum von bis zu 45 Prozent. Die Mehrheit der Analysten - Bloomberg nach 26 - rate deshalb weiterhin zum Kauf der Aktie. Vier würden sie halten, drei verkaufen.

Die Untersuchungen bei Wirecard sollten positiv ausfallen und die Anschuldigungen gegen das Unternehmen entkräften, weshalb der Kursrückschlag eine gute Einstiegsgelegenheit eröffne, hätten die Experten vom Analysehaus Kepler Cheuvreux geschrieben und würden damit die Meinung der Mehrheit teilen. Credit Suisse-Analyst Charles Brennan habe mit Blick auf die Aktie gar von einer der attraktivsten Investment-Gelegenheiten im Sektor gesprochen.

Gut möglich also, dass Wirecard eigentlich eine höhere Bewertung verdient hätte, doch wirklich neu sei es nicht, dass es kaum etwas gebe, was Anleger mehr verunsichere als Unsicherheit. (Analyse vom 07.02.2019)

Bitte beachten Sie auch Informationen zur Offenlegungspflicht bei Interessenskonflikten im Sinne der Richtlinie 2014/57/EU und entsprechender Verordnungen der EU unter folgendem Link.

Börsenplätze Wirecard-Aktie:

Xetra-Aktienkurs Wirecard-Aktie:
100,05 EUR +3,29% (11.02.2019, 09:19)

Tradegate-Aktienkurs Wirecard-Aktie:
100,20 EUR +5,70% (11.02.2019, 09:34)

ISIN Wirecard-Aktie:
DE0007472060

WKN Wirecard-Aktie:
747206

Ticker-Symbol Wirecard-Aktie Deutschland:
WDI

Nasdaq OTC Ticker-Symbol Wirecard-Aktie:
WRCDF

Kurzprofil Wirecard AG:

Die Wirecard AG (ISIN: DE0007472060, WKN: 747206, Ticker-Symbol: WDI, Nasdaq OTC-Symbol: WRCDF) ist einer der weltweit führenden unabhängigen Anbieter von Outsourcing- und White-Label-Lösungen für den elektronischen Zahlungsverkehr. Wirecard unterstützt Unternehmen dabei, elektronische Zahlungen aus allen Vertriebskanälen anzunehmen. Über eine globale Multi-Channel-Plattform stehen internationale Zahlungsakzeptanzen und -verfahren mit ergänzenden Lösungen zur Betrugsprävention zur Auswahl.

Für die Herausgabe eigener Zahlungsinstrumente in Form von Karten oder mobilen Zahlungslösungen stellt die Wirecard Gruppe Unternehmen die komplette Infrastruktur inklusive der notwendigen Lizenzen für Karten- und Kontoprodukte bereit.

Die Wirecard AG ist an der Frankfurter Wertpapierbörse notiert (DAX, TecDAX). (11.02.2019/ac/a/d)

Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:

Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.







 
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Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
99,90 € 102,25 € -2,35 € -2,30% 15.02./20:30
 
ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
DE0007472060 747206 199,00 € 86,00 €
Handelsplatz Letzter Veränderung  Zeit
 
Tradegate (RT)
99,98 € -2,88%  15.02.19
München 100,15 € -2,05%  15.02.19
Düsseldorf 99,84 € -2,12%  15.02.19
Hamburg 99,90 € -2,30%  15.02.19
Xetra 99,90 € -2,30%  15.02.19
Berlin 99,94 € -2,31%  15.02.19
Frankfurt 99,90 € -2,35%  15.02.19
Stuttgart 100,00 € -2,44%  15.02.19
Hannover 100,00 € -2,68%  15.02.19
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