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Wirecard: Keine Ruhe im haarsträubenden Milliarden-Bilanzskandal - Aktienanalyse




28.06.20 18:04
Der Aktionär

Kulmbach (www.aktiencheck.de) - Wirecard-Aktienanalyse von "Der Aktionär":

Martin Mrowka vom Anlegermagazin "Der Aktionär" nimmt in einer aktuellen Aktienanalyse die Aktie des Zahlungsdienstleisters Wirecard AG (ISIN: DE0007472060, WKN: 747206, Ticker-Symbol: WDI, Nasdaq OTC-Symbol: WRCDF) unter die Lupe.

Auch am Wochenende gebe es keine Ruhe im haarsträubenden Milliarden-Bilanzskandal um den Noch-DAX-Konzern. Das Bundesjustiz- und das Bundesfinanzministerium würden erste Konsequenzen ziehen und würden den Vertrag mit der Deutschen Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) kündigen. Darauf hätten sich beide Ministerien verständigt, habe ein Sprecher des Justizressorts erste Berichte der "Bild am Sonntag" bestätigt. Auch die BaFin stehe im Kreuzfeuer.

Der privatrechtlich organisierte Verein DPR kontrolliere im Staatsauftrag die Bilanzen. Er habe im Fall von Wirecard nach Ansicht der Ministerien versagt, schreibe das Blatt. Bei der DPR sei am Sonntag keine Stellungnahme zu erhalten gewesen.

Die Bundesanstalt für Finanzaufsicht (BaFin) habe nach eigener Darstellung der DPR im Februar 2019 den Hinweis gegeben, dass es Ungereimtheiten in der Halbjahresbilanz 2018 von Wirecard gebe. "Wir haben unmittelbar reagiert und Mitte Februar 2019 bei der Deutschen Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) eine Bilanzprüfung veranlasst", habe eine Sprecherin auf Anfrage gesagt. Die BaFin sei für die Bilanzprüfung nicht zuständig, nur für die Wirecard Bank. Zuständig sei auf erster Stufe allein die DPR. Dort habe die Prüfung so lange gedauert.

Nur ein Mitarbeiter prüfte Wirecard-Bilanzen

Nach einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAS) habe die auch als "Bilanzpolizei" bezeichnete Prüfstelle allerdings nur wenig Personal. Mit der aufwendigen und komplexen Prüfung sei in den vergangenen 16 Monaten im Wesentlichen nur ein einzelner Mitarbeiter betraut gewesen.

Die Aufgabenteilung zwischen BaFin und DPR stehe laut FAS auch im Zentrum der harten Kritik von Seiten der EU-Kommission an Deutschland im Fall Wirecard. Die EU lasse mittlerweile das Agieren der deutschen Finanzaufseher in dem Bilanzskandal von der europäischen Wertpapieraufsichtsbehörde ESMA überprüfen.

KPMG finde keine Nachweise für Milliarden

Das Asscheimer Unternehmen habe Insolvenz beantragt, nachdem es habe eingestehen müssen, dass in der Bilanz aufgeführte Barmittel von 1,9 Mrd. Euro, die angeblich auf asiatischen Bankkonten gelegen hätten, nicht auffindbar seien. Experten würden vermuten, dass die "Fehl-Summe" in der Bilanz noch deutlich höher liegen könnte. Die von Wirecard selbst mit einer Sonderuntersuchung beauftragte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG habe im April festgestellt, dass die Existenz gut 1 Mrd. Euro nicht nachgewiesen werden könne.

Und schließlich sei dann EY bei der Bilanzprüfung 2019 zur Einschätzung gekommen, dass es sich um kriminelle Manipulationen handele, und habe den Hinweis an die Behörden gegeben. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY, die den Jahresabschluss 2019 geprüft habe, gehe von Betrug in internationalem Maßstab aus. Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittele gegen Ex-Vorstandschef Markus Braun und weitere ehemalige und aktive Spitzenmanager.

BaFin-Präsident spreche von "Schande"

BaFin-Präsident Felix Hufeld habe die Ereignisse in der vergangenen Woche als eine "Schande" bezeichnet. Bundesfinanzminister Scholz habe eine schärfere Regulierung angekündigt: "Wir müssen unsere Aufsichtsstrukturen auch überdenken." Hufeld solle am kommenden Mittwoch im Finanzausschuss des Bundestages Rede und Antwort stehen.

Unter Druck geraten sei auch die deutsche Finanzaufsicht BaFin selbst, weil die mutmaßlichen Bilanzmanipulationen lange unentdeckt geblieben seien. Bei der Bilanzkontrolle börsennotierter Unternehmen gebe es jedoch ein zweistufiges Verfahren, wie die BaFin auf ihrer Webseite schreibe. In der ersten Stufe untersuche demnach die DPR die Verdachtsfälle, erst in der zweiten Stufe werde die BaFin aktiv. Im Tätigkeitsbericht der DPR heiße es nur, 2019 seien 86 Prüfungen abgeschlossen worden, darunter eine Prüfung auf Verlangen der BaFin. Diese habe "in einem Fall konkrete Anhaltspunkte für einen Fehler in einem Halbjahresfinanzbericht identifiziert und die DPR aufgefordert, eine Prüfung einzuleiten".

Eine Kanzlei sei unterdessen davon überzeugt, dass wegen des Wirecard-Skandals werthaltige Ansprüche gegen die BaFin, aber auch gegen die Wirtschaftsprüfer von EY bestünden. Die Finanzaufsicht müsse sich auf eine Klagewelle einstellen, schreibe die FAS.

Am Freitag habe bereits die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) e.V. aufgrund der Vorgänge rund um die Wirecard AG Strafanzeige gegen zwei amtierende und einen ehemaligen Abschlussprüfer der Ernst & Young GmbH gestellt. Ferner habe die SdK große Zweifel an der Geeignetheit von EY als Abschlussprüfer und werde daher zunächst für die von der SdK vertretenen Investoren auf zukünftigen Hauptversammlungen gegen eine Bestellung von Ernst & Young zum Abschlussprüfer und/oder Konzernabschlussprüfer stimmen.

Wirecard arbeite auch nach Insolvenzantrag weiter

Der nach dem Bilanzskandal ums Überleben kämpfende Zahlungsabwickler wolle den Betrieb derweil nach dem Insolvenzantrag fortsetzen. "Der Vorstand ist der Meinung, dass eine Fortführung im besten Interesse der Gläubiger ist", habe der DAX-Konzern am Samstag mitgeteilt. "Der Geschäftsbetrieb der Konzerngesellschaften inklusive der lizensierten Einheiten wird aktuell fortgesetzt." Die Botschaft habe sich an "Kunden und Partner" gerichtet.

Der Vorstand der deutschen Muttergesellschaft Wirecard AG habe beim Münchner Amtsgericht Insolvenz beantragt. Die Insolvenz könne auch noch Tochtergesellschaften treffen, ausgenommen bleiben solle die Wirecard Bank. Diese werde laut Wirecard mit Einverständnis der Finanzaufsicht BaFin finanziell und organisatorisch von der Muttergesellschaft abgekoppelt.

Insolvenzgutachten von bekanntem Sachversändigen

Das Gericht habe den Rechtsanwalt Michael Jaffé als Sachverständigen bestellt, einen der bekanntesten Insolvenzverwalter Deutschlands. Dieser müsse nun im ersten Schritt das Insolvenzgutachten erstellen. Eine ganz zentrale Frage bei Insolvenzgutachten sei, ob das jeweilige Unternehmen seinen Geschäftsbetrieb fortsetzen könne.

Jaffés Kanzlei habe einschlägige Erfahrung sowohl mit Großinsolvenzen wie der Pleite der Mediengruppe Kirch als auch mit der Aufarbeitung von Luftgeschäften wie bei der Kapitalanlagefirma P&R, die zehntausende Kleinanleger mit der Vermietung nichtexistenter Schiffscontainer geprellt habe.

Auch wenn es in der näheren Zukunft immer wieder mal zu prozentual heftigen Wirecard-Kursausschlägen kommen dürfte, sollten Anleger sich von dieser Pleite-Zockerei fernhalten. Wenn professionelle Trader und Shortseller mit Eindeckungskäufen am Werk seien, würden Privatanleger meist als große Verlierer außen vor bleiben, so Martin Mrowka vom Anlegermagazin "Der Aktionär" in einer aktuellen Aktienanalyse. (Analyse vom 28.06.2020)

(Mit Material von dpa-AFX)

Bitte beachten Sie auch Informationen zur Offenlegungspflicht bei Interessenskonflikten im Sinne der Richtlinie 2014/57/EU und entsprechender Verordnungen der EU unter folgendem Link.

Börsenplätze Wirecard-Aktie:

Xetra-Aktienkurs Wirecard-Aktie:
1,281 EUR -63,74% (26.06.2020, 17:37)

Tradegate-Aktienkurs Wirecard-Aktie:
1,4026 EUR -53,30% (26.06.2020, 22:26)

ISIN Wirecard-Aktie:
DE0007472060

WKN Wirecard-Aktie:
747206

Ticker-Symbol Wirecard-Aktie Deutschland:
WDI

Nasdaq OTC Ticker-Symbol Wirecard-Aktie:
WRCDF

Kurzprofil Wirecard AG:

Die Wirecard AG (ISIN: DE0007472060, WKN: 747206, Ticker-Symbol: WDI, Nasdaq OTC-Symbol: WRCDF) ist einer der weltweit führenden unabhängigen Anbieter von Outsourcing- und White-Label-Lösungen für den elektronischen Zahlungsverkehr. Wirecard unterstützt Unternehmen dabei, elektronische Zahlungen aus allen Vertriebskanälen anzunehmen. Über eine globale Multi-Channel-Plattform stehen internationale Zahlungsakzeptanzen und -verfahren mit ergänzenden Lösungen zur Betrugsprävention zur Auswahl.

Für die Herausgabe eigener Zahlungsinstrumente in Form von Karten oder mobilen Zahlungslösungen stellt die Wirecard Gruppe Unternehmen die komplette Infrastruktur inklusive der notwendigen Lizenzen für Karten- und Kontoprodukte bereit. Die Wirecard AG ist an der Frankfurter Wertpapierbörse notiert. (28.06.2020/ac/a/d)

Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:

Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.







 
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Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
2,438 € 2,335 € 0,103 € +4,41% 13.07./17:30
 
ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
DE0007472060 747206 159,80 € 1,08 €
Metadaten
Ratingstufe:Ohne
Analysten: Martin Mrowka
Handelsplatz Letzter Veränderung  Zeit
 
Tradegate (RT)
2,36 € -1,67%  21:59
Hamburg 2,446 € +5,09%  17:10
Frankfurt 2,4395 € +4,70%  19:59
Xetra 2,438 € +4,41%  17:35
München 2,4005 € +4,35%  19:01
Berlin 2,4485 € +4,30%  18:47
Hannover 2,428 € +4,21%  17:44
Düsseldorf 2,4215 € +4,17%  17:36
Nasdaq OTC Other 2,79 $ -2,11%  21:59
Stuttgart 2,3755 € -5,38%  21:55
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