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Wie weit geht die Konjunktureintrübung?




30.09.19 09:50
fairesearch

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Zu Beginn des Herbstes 2019 stellt sich an den Börsen die Frage, wie weit geht die weltweite Konjunkturberuhigung? Die Forschungsinstitute erwarten alle eine Eintrübung, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".

Nur über das Ausmaß bestünden große Unterschiede. In den letzten zwölf Monaten seien überall die Prognosen nach unten gesenkt worden, so z.B. von der OECD, die im Herbst 2018, im Frühjahr 2019 und jetzt ihre Voraussagen jedes Mal nach unten revidiert habe, und zwar für die hoch entwickelten Industrieländer als auch die Schwellenländer.

Die Weltwirtschaft sei zunehmend empfindlicher und unsicherer geworden, so die OECD. Für 2019 werde ein BIP von +2,9% und für 2020 von +3,0% prognostiziert. Es sei die geringste Zuwachsrate seit der Weltwirtschaftskrise in 2008, und das Abwärtsrisiko wachse. In beiden Jahren dürften die USA um +2,4% und +2,0% zulegen, die Eurozone um +1,1% und +1,0%. Selbst China schwäche sich von +6,1% auf +5,7% ab. Eine Rate von +6,0% gelte unter Analysten als kritische Schwelle für den chinesischen Arbeitsmarkt.

Die OECD nenne die Handelskonflikte, die das internationale Vertrauen untergraben würden, als wichtigste Ursache. Eine Fortsetzung könnte zusätzliche Bremseffekte verursachen. Auch der noch ungewisse Zeitpunkt und die Art des beabsichtigten Brexit würden als Belastungsfaktoren wirken. Die Organisation fordere daher die Zentralbanken auf, ihre expansive Geldpolitik fortzusetzen und rege die Regierungen an, mit ihrer Fiskalpolitik die Binnenwirtschaft zu unterstützen. Investitionen in die Infrastruktur könnten dabei hilfreich sein.

Die Forderungen nach einer möglichst expansiven Geldpolitik würden von der Hoffnung ausgehen, dass niedrige Zinsen zu höherer Kreditaufnahme und damit zu stärkeren Investitionen führen würden. Doch dabei würden zwei Effekte nicht berücksichtigt. In vielen Ländern sei die Geldpolitik durch ZIRP und NIRP sowie QE schon so expansiv, dass der Grenznutzen weiterer Lockerungen bereits negativ erscheine. Finanzmittel würden in immer spekulativere Anlagen wandern. Sparer würden enteignet. Pensionsfonds und Lebensversicherungen hätten keine Erträge mehr. Und die Verschuldung in der ganzen Welt sei insgesamt schon so abenteuerlich hoch, dass eine weitere Zunahme das gesamte Finanzsystem gefährde.

Das Institute of International Finance (IIF) schätze die Verschuldung in über 50 Industrie- und Schwellenländern auf USD 247 Billionen (Stand Frühjahr 2018). Auch die Schuldenquote (Verschuldung in % des Bruttoinlandsprodukts) habe mit 318% des Welt-BIP einen Gipfel erreicht. Besonders stark würden die Schulden in den Schwellenländern zunehmen. In China erreiche die Gesamtverschuldung infolge der Fremdwährungsschulden des Finanzsektors fast 300% des BIP. Im US-Markt stünden die Gesamtschulden aller Sektoren bei USD 71 Billionen und allein die staatlichen Schulden inzwischen bei USD 22 Billionen (1 Billion = 10 12).

Trotz dieser Zahlen würden sich die Finanzmärkte relativ unbekümmert geben: "Ein bisschen mehr Schulden, das ist doch unerheblich, die Zinsen bleiben ohnehin niedrig!" Doch die Realität sei das genaue Gegenteil davon. Der Schuldendienst (Soll-Zinsen + Tilgungen) werde zur untragbaren Belastung. Die Ausgaben des Staates würden immer schneller steigen, die Steuereinnahmen würden zurückbleiben, das Defizit werde immer größer. Die Fiskalpolitik werde handlungsunfähig. Das werde sie aber auch bei unverändert niedrigen Soll-Zinsen.

Der Grenznutzen expansiver Geldpolitik erscheine bereits negativ. Der steigende Schuldendienst in den Ländern wirke kontraproduktiv. Eine Lösung der geopolitischen Spannungen (USA/China, Brexit, Iran usw.) sei nicht in Sicht. (Analyse vom 29.09.2019) (30.09.2019/ac/a/m)






 
 
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