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Wie glaubwürdig ist Italiens Budget-Ankündigung?




11.09.18 09:15
FERI Institut

Bad Homburg (www.aktiencheck.de) - Italiens neue Regierung wird in Kürze den Staatshaushalt für 2019 vorlegen, so die Experten von FERI Institut.

Entgegen bisheriger Befürchtungen wolle sich das Land nun an die EU-Spielregeln halten, speziell was die geplante Neuverschuldung angehe. Auch wenn man diese Nachricht in Brüssel und Berlin gerne hören werde, stelle sich sofort die Frage nach ihrer Glaubwürdigkeit. Vieles spreche dafür, dass Italiens populistische Regierung lediglich auf Zeit spiele, um den Verlauf der Europawahlen im Frühjahr 2019 nicht zu gefährden. Danach seien wohl neue Drohgebärden in Richtung EU und EZB zu erwarten. Noch immer sei Italien - mit offiziell 2,3 Billionen Euro Schulden, einem negativen TARGET-Saldo in Höhe von rund 480 Mrd. Euro sowie einem chronisch schwachen Bankensystem - das schwächste Glied der Europäischen Währungsunion (EWU).

"Die Brisanz des "italienischen Patienten" für das gesamte Euro-System hat sich zuletzt deutlich erhöht", sage Dr. Heinz-Werner Rapp, Leiter des FERI Cognitive Finance Institute. Italien habe deshalb - trotz aktuell moderater Töne - für die EWU den Charakter einer potenziellen Zeitbombe. Aus diesem Anlass habe das Institut seine Analyse zum "Zukunftsrisiko Euro Break Up" aktualisiert und erweitert; diese ausführliche Studie liege nun in zweiter Auflage vor.

Gemäß den Ergebnissen der Studie sei Italien derzeit größter Belastungsfaktor des ohnehin fragilen Europäischen Währungssystems. Das Land sei faktisch überschuldet, wirtschaftlich schwach und anhaltend reformunfähig. Auch die Zustimmung zu EU und Euro sei in Italien so niedrig wie nirgendwo sonst in der EWU. Die neue Regierung wolle eine Übernahme von Staatsschulden durch die EZB und schrecke dabei auch vor Erpressung der EWU nicht zurück. Nach anfänglicher Ignoranz hätten inzwischen auch die Finanzmärkte begonnen, offenkundige Italien-Risiken in Form steigender Zinsen und Risikozuschläge einzupreisen.

"Dies erzeugt für Italien und den Euro eine gefährliche Dynamik: Die Tragfähigkeit der italienischen Verschuldung sinkt und die Gesamtsituation wird schlimmer", warne Rapp. Hinzu komme, dass Ende 2018 die massiven monetären Hilfen der Europäischen Zentralbank ausliefen, was Italien sofort negativ spüren werde. Gleichzeitig lehne eine Gruppe von EU-Mitgliedsländern - bekannt als "Hanseatische Liga" - höhere Schulden und neue Transferzahlungen in der EWU ab. "All dies schafft eine explosive Gemengelage. Die Eurozone - und der Euro - könnten in den kommenden Monaten stärker unter Druck kommen, als derzeit von den Märkten erwartet", gebe Rapp zu bedenken.

Die ausführliche Studie des FERI Cognitive Finance Institute habe die maßgeblichen Einfluss- und Belastungsfaktoren der EWU analysiert, speziell deren Zusammenwirken und deren negative Dynamik. Daraus würden grundsätzliche Fragen zum Status und zur Zukunft der EWU resultieren, einschließlich möglicher Risiko- und Zerfalls-Szenarien ("Break Up"). "Seit Erstauflage der Studie im März 2018 - noch deutlich vor den jüngsten Verwerfungen in Italien - sind einige markante Veränderungen eingetreten. Diese betreffen sowohl die politische Architektur der Eurozone als auch deren monetäres und ökonomisches Umfeld'", erläutere Rapp.

"Die meisten dieser Entwicklungen wurden zwar schon in der ursprünglichen Studie thematisiert und vielfach sogar explizit prognostiziert", so Rapp. Einige Punkte hätten sich aber noch schlechter entwickelt als erwartet, speziell was grundlegende Reformen der EWU angehe. Vor diesem Hintergrund sei die Analyse umfassend aktualisiert und in vielen Punkten deutlich erweitert worden. Dies solle Investoren und Vermögensinhabern bereits heute erkennbare Risiken aufzeigen und einen besseren Blick in die Zukunft der EWU ermöglichen. (11.09.2018/ac/a/m)







 
 
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