Kolumnist: Sven Weisenhaus

Werden Gold- und Silberpreise manipuliert?




20.07.22 09:25
Sven Weisenhaus

Zu meinen jüngsten Analysen von Gold und Silber erhielt ich zwei Leser-Mails. Und in beiden wurde davon gesprochen, dass die Edelmetallpreise „nachweislich“ manipuliert würden. Die Kurse seien daher „nicht korrekt“, eine Analyse somit sinnlos. „Sehr geehrter Herr Weisenhaus, wie können Sie versuchen, diesen derartig manipulierten Markt - wie den Goldhandel - fundamental und charttechnisch zu analysieren?“, fragte mich ein Leser konkret. Meine Antwort:


Auch am Goldmarkt sind Gewinne möglich


Ob oder wie stark und wie häufig der Goldmarkt manipuliert wird oder wurde, darüber kann man sicherlich streiten. Aber bringt uns als Trader eine solche Diskussion weiter?


Mit Blick auf vorangegangene Gold-Analysen im Börse-Intern-Archiv scheint es jedenfalls durchaus zu gelingen, den Goldpreis fundamental und charttechnisch zu analysieren und eine entsprechende Einschätzung zu treffen.


Im Stockstreet-Börsenbrief „Target-Trend-CFD“ haben wir auch einige Trades auf Gold platziert und damit durchaus ansehnliche Erfolge erzielt.


Gold: CFD-Trades


Gold: Performance der abgeschlossenen CFD-Trades


Spielt es also vor diesem Hintergrund eine Rolle, ob der Markt tatsächlich manipuliert ist oder nicht? Aus meiner Sicht lautet die Antwort hier klar „Nein“. Und daher macht es für mich durchaus Sinn, sich den Kursverlauf des Edelmetalls regelmäßig anzusehen und auch hier Chancen für Gewinne zu suchen.


Im Grunde ist jeder Markt manipuliert


Zumal: Gibt es nicht in jedem Markt Ansätze zur Manipulation? Erst am vergangenen Freitag hat es wieder einen Verfallstag gegeben. Und jedes Mal erfährt man dazu, dass die Stillhalter versuchen, die Kurse in die für sie richtige Richtung zu bewegen. – Am Aktienmarkt wird also, zumindest kurzfristig, manipuliert.


Zudem machen Unternehmen ihre Aktien durch Aktiensplits optisch billiger. Auch das ist in gewisser Weise eine Art Manipulation. Oder Unternehmen stützen den Aktienkurs durch den Kauf eigener Aktien, was ebenfalls als Kurskosmetik durchaus manipulativ ist.


Ebenso kann das gezielte Veröffentlichen von Nachrichten oder Analysen (zu bestimmten Zeitpunkten), zum Beispiel durch Analysehäuser oder Hegdefonds etc, durchaus auch als Art der Marktmanipulation bezeichnet werden.


Notenbanken manipulieren den Anleihemarkt


Ganz offensichtlich und allgemein bekannt ist auch eine andere Art der Manipulation: Morgen tagt die Europäische Zentralbank (EZB). Diese hat noch bis vor kurzem Anleihen am Markt erworben, über Jahre hinweg, um mit Milliarden bzw. gar Billionen Euros die Anleihekurse zu stützen. Das Ziel: Die Renditen bzw. Zinsen niedrig zu halten. – Die Notenbanken manipulieren den Anleihemarkt. Jeder weiß das, es gehört schließlich in gewisser Weise zur Aufgabe der Notenbanken.


Notenbanken manipulieren den Devisenmarkt


Ebenfalls „normal“ sind Manipulationen am Devisenmarkt: So hat zum Beispiel die Notenbank der Schweiz (SNB) viele Male am Devisenmarkt eingegriffen, um eine Aufwertung des Franken zu verhindern. In der Vergangenheit reagierte die SNB oft kurz vor der Parität zum Euro mit Devisenankäufen, um den Franken wieder zu schwächen. Denn ein zu starker Franken wäre schlecht für die heimische Wirtschaft.


Regierungen manipulieren den Devisenmarkt


Und schon 2010 gab es Pläne der USA, bei der Welthandelsorganisation (WHO) Klage gegen China wegen angeblicher Währungsmanipulationen einzureichen. Dieses Thema wurde 2019 erneut aufgegriffen, als Donald Trump einen Handelskrieg gegen China anzettelte. – Am Devisenmarkt wird also ebenfalls manipuliert.


Die OPEC manipuliert den Ölpreis


Und allgemein bekannt ist auch, dass die OPEC eine Organisation ist, in der die erdölexportierenden Länder bestimmte Förderquoten festlegen, um einen zu niedrigen oder zu hohen Ölpreis zu verhindern.


Eine Diskussion ohne Nutzen für Trader


Man kann vor diesem Hintergrund natürlich davon ausgehen, dass von Marktakteuren auch versucht wird, den Gold- und Silberpreis zu manipulieren. Aber ich würde aus diesem Grund diese Investments nicht meiden. Schließlich könnte ich sonst wohl kaum noch eine Anlagemöglichkeit nutzen, da an allen Märkten auf irgendeine Weise manipuliert wird.


Beachten sollte man stattdessen auch Folgendes: Da die Märkte immer größer werden, dürfte es immer schwerer werden, Kurse zu beeinflussen. Daher gehe ich mit dem Thema relativ entspannt um. Man kann es im Hinterkopf behalten, aber ich würde es beim Trading nicht in den Vordergrund stellen. Zumal Antworten auf die Frage, ob oder wie stark der Gold- bzw. Silberpreis manipuliert ist, reine Spekulation wären. Und letztlich hat man es an der Börse doch eigentlich immer mit Spekulation zu tun.


Also sehen Sie die Diskussion über manipulierte Gold- und Silberpreise als das an, was sie aus meiner Sicht ist: insbesondere für Trader ohne Nutzen.


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg an der Börse
Ihr
Sven Weisenhaus


(Quelle: www.stockstreet.de)



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