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Kolumnist: Ralf Flierl

Wer Visionen hat …




14.11.19 14:29
Ralf Flierl



 muss nach Brandenburg gehen

Made in Germany



Elon Musk hat es mal wieder geschafft: Mit seiner Ankündigung in der Nähe von Berlin die vierte sogenannte „Gigafactory“ von Tesla zu errichten, waren ihm die Schlagzeilen für einen Tag sicher. Nun gut, andere Autohersteller nennen so etwas schlicht und ergreifend Autofabrik, für einen PR-Profi wie Musk ist dies aber zu wenig. Gleichzeitig wolle er in Berlin ein Design- und Engineering-Zentrum errichten, schließlich sei Deutschland weltbekannt für seine Ingenieurskunst. Interessant ist auch die konkrete Standortwahl. So sollen die neuen Teslas künftig in der Nähe des Hauptstadtflughafens BER vom Band rollen – der genau wie die angekündigte Fabrik bis heute ein Zukunftsprojekt ist. Dass es gewisse Parallelen zwischen diesen beiden Großprojekten geben könnte, liegt sogar auf der Hand. Ähnlich wie der neue Flughafen könnten Musks Visionen den deutschen Steuerzahler zunächst einmal viel Geld kosten. Denn so gigantisch wie die Pläne aus dem Hause Tesla klingen, der Elektroautobauer ist stets notorisch klamm. Bereits der Bau der ersten „Gigafactory“ in Nevada war vor allem auf ein Steuergeschenk und anderen finanziellen Erleichterungen über 1,3 Mrd. USD des dortigen Gouverneurs zurückzuführen. Beim Bau der Gigafactory in Shanghai war der hoch verschuldete Tesla-Konzern auf Fremdkapital von chinesischen Banken angewiesen – überwiegend solche unter staatlicher Kontrolle, versteht sich. Laut Brandenburgs Regierungschef Woidke (SPD) seien dem Tesla-Chef Zusagen für Subventionen im Rahmen des EU-Beihilferechts gemacht worden. Er habe Musk als „sehr verlässlichen“ Menschen kennengelernt. Die absurde Posse um die angekündigte aber niemals auch nur ansatzweise realisierte Privatisierung des Konzerns im letzten Jahr scheint dabei wohl an Woidke vorbeigegangen zu sein.




Vom visionären Glanz geblendet




Schon heute dürfte also klar sein, was Musk und die in den Deal involvierten Politiker antreibt. Musk möchte gern vom deutschen Know-How profitieren und sich die Importzölle auf seine Fahrzeuge nach Europa sparen, gleichzeitig jedoch möglichst wenig Geld in die Hand nehmen. Die Politiker möchten sich im Licht des Visionärs Musk sonnen und dürften dafür mit großzügigen Summen aus diversen Fördertöpfen und Krediten von so manchen Staatsbanken werben. Zwar hatte Musk die Börse mit seinen jüngsten Quartalszahlen abermals positiv überrascht und den vielen Shortsellern in seiner Aktie erneut Verluste eingebrockt. Auf stabilen Beinen steht sein Konzern allerdings noch lange nicht. Während die Konkurrenz massiv in Elektroautos investiert, die häufig günstiger sind wie die Modelle aus dem Hause von Musk, haben die knappen Kassen von Tesla für einen enormen Entwicklungsrückstand gesorgt. Das Model Y, das zukünftig in Berlin gebaut werden soll, wurde an der Börse sehr verhalten aufgenommen. Denn das zum SUV aufgebohrte Model 3 ist in keinerlei Hinsicht als innovativ zu werten. Nahezu alle weiteren Versprechen Musks aus dem letzten Jahr sind bislang Ankündigungen geblieben. Bereits heute dürfen wir uns daher auf die wunderschönen Bilder freuen, die wir sehen werden, wenn unsere Politiker zum Spatenstich des neuen Tesla-Werkes in Mannschaftsstärke auftauchen werden. Von durchschlagendem Erfolg sind solche Prestige-Objekte allerdings selten geworden. Erinnern wir uns nur an die gigantische Fertigungshalle des niemals abgehobenen Cargolifters, der – welch Wunder – im Berliner Umland gebaut werden sollte, leider aber niemals abhob.


Goldene Nachlese



Die Internationale Edelmetall- & Rohstoffmesse 2019 liegt hinter uns. Auch dieses Jahr gab es über zwei Tage ein unglaublich dichtes Programm an prominenten Referenten: Prof. Max Otte, Dr. Markus Krall, Markus Koch, Egon von Greyerz, Dr. Bruno Bandulet, Martin Siegel, Folker Hellmeyer, Marc Friedrich & Matthias Weik, Johann A. Saiger und viele mehr. Das Programm war sogar so dicht, dass oft zwei der „Must See!“-Referenten auf den beiden Bühnen gegeneinander gesetzt werden mussten, um überhaupt alle Vorträge in zwei Tagen unterbringen zu können. Natürlich war auch Smart Investor wieder mit einem eigenen Stand vertreten und es hat uns auch dieses Jahr ganz besonders gefreut mit aktuellen und potenziellen Lesern über Gold, Geld, Gott und die Welt zu diskutieren. Die auffälligste Veränderung gegenüber den Vorjahren war der enorme Besucherandrang, der am Freitagmorgen dazu führte, dass die Interessenten vor der Öffnung der Messe bis hinaus auf den Gehweg vor dem MVG-Museum anstanden und auf Einlass warteten. Damit hat sich wieder einmal gezeigt, dass das Goldgeschäft – wie jedes Anlagegeschäft – ein zyklisches Geschäft ist und bleibt. Erst steigen die Kurse, dann kommt das Interesse. Auf der Mikroebene traf allerdings dies genau nicht zu, denn unmittelbar vor und während der Messe durchlitt der Goldpreis seine bislang schlechteste Woche des laufenden Jahres. Echte Goldbugs lassen sich davon freilich nicht verunsichern, sondern nutzten die Gelegenheit, sich gleich vor Ort mit physischer Ware einzudecken. Wohlgetan.



Zu den Märkten



Nach seinem fulminanten Ausbruch über die Marke von 12.500 Punkten (vgl. Abb., schwarze Waagerechte) tut sich der DAX in der Nähe seiner Allzeithochs nun doch etwas schwerer. Es ist nicht zu übersehen, dass die Aufwärtsbewegung zuletzt keilförmig verlief, was ein Hinweis auf eine abnehmende Aufwärtsdynamik ist (vgl. Abb., blaue Linien). Im Verlauf des heutigen Handelstages ist der Index sogar unter diesen Aufwärtskeil ausgebrochen (rote Markierung), konnte sich aber vergleichsweise rasch wieder stabilisieren. Das ist negativ und ein bisschen positiv zugleich. Zu berücksichtigen ist auch, dass der Index aktuell mit dem Hoch aus dem Mai 2018 kämpft (rote Waagerechte), an dem er zunächst gescheitert ist. Nach dem Aufwärtsschub der letzten Wochen hat sich der DAX aber in jedem Fall eine kleine Verschnaufpause verdient und das markante Mai-Hoch ist ein willkommener Anlass für eine solche Auszeit. Das plausibelste Szenario ist aus unserer Sicht, dass diese Konsolidierung letztlich doch noch einmal, zumindest versuchsweise, nach oben in Richtung der Allzeithochs aufgelöst wird. Für saisonalen Rückenwind sollte aufgrund der anstehenden Jahresendrally jedenfalls gesorgt sein. Sollte der Schub für einen Gipfelsturm allerdings in dieser Phase versagen, müsste man positive Szenarien für den DAX grundsätzlich überdenken.



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Smart Investor 11/2019


Kapitalschutzreport 2019: Das „Goldfenster“ schließt sich

Zinsen: Über Negativrenditen und andere Absurditäten

Goldverbot: Alles bedacht und trotzdem verloren?

Auswandern: Ländercheck für Schutzsuchende





Fazit

Elon Musk baut zukünftig auf deutsche Ingenieurskunst und deutsche Politiker auf den Glamour des Ausnahmevisionärs. Dass solche Partnerschaften häufig für den Steuerzahler teure Investitionsruinen wurden, steht dagegen auf einem anderen Blatt.

Ralph Malisch, Christoph Karl




       

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