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Kolumnist: Sven Weisenhaus

Wenn Fondsmanager ihre Jahresperformance sichern




01.12.21 09:50
Sven Weisenhaus

Am 19. November hatte ich berichtet, dass mir bei fallenden Kursen immer wieder der Gedanke kam, es ginge bald sowieso wieder aufwärts. Und an einen Tag mit Kursverlusten von 2 % hätte ich mich schon gar nicht mehr erinnern können. „Wahrscheinlich geht es auch vielen anderen Anlegern so, die sich inzwischen von den stetig steigenden Kursen haben einlullen lassen. Das ist meist genau der richtige Zeitpunkt, um sehr vorsichtig zu werden und Gewinne abzusichern oder mitzunehmen“ hieß es dazu.


Am vergangenen Freitag ist es im S&P 500 dann bereits zu besagtem Kursverlust von 2 % gekommen. Genau genommen waren es im Tief sogar fast -2,5 %. Und der DAX brach gar um stolze -4,23 % ein. Das war der größte Verlust seit dem 28. Oktober 2020. Die Warnung kam also wieder einmal zum genau richtigen Zeitpunkt.


Auf dynamische Rücksetzer folgten schnelle Kurserholungen


Grund für diese Rücksetzer war das Auftauchen einer neuen Corona-Variante. Doch schon am vorgestrigen Montag kamen die Käufer verstärkt zurück an die Aktienmärkte. Die Kursverluste vom Freitag schoben einige Medien daher schnell auf den umsatzschwachen Handel aufgrund des Thanksgiving-Wochenendes in den USA.


Neue Corona-Unsicherheiten machen Anleger äußerst nervös


Aber dann kam gestern früh ab ca. 6 Uhr wieder deutlicher Druck auf die Aktienkurse auf, weil der Chef des US-Pharmakonzerns Moderna mit der Einschätzung in die Öffentlichkeit trat, dass die gegenwärtigen Corona-Impfstoffe wahrscheinlich nicht so wirksam gegen die neue Omikron-Variante sein dürften wie gegen die bislang dominierende Virus-Variante Delta. Konkret sagte er der Financial Times: „Ich denke, es wird ein erheblicher Rückgang sein. Ich weiß nur nicht, wie viel, weil wir die Daten abwarten müssen. Aber alle Wissenschaftler, mit denen ich gesprochen habe, sind der Meinung: Das wird nicht gut sein.“


Liegt die Jahresendrally schon hinter uns?


Doch auch die damit verbundenen Kursverluste wurden bereits wieder zu einem großen Teil aufgeholt. So haben wir es aktuell mit einem sehr wilden und völlig unkalkulierbaren Auf und Ab zu tun, weil Corona zurück in den Köpfen der Anleger ist und diese aktuell äußerst nervös auf entsprechende Meldungen reagieren. Das allein ist schon ein guter Grund, sich etwas defensiver zu positionieren und am besten eine Zeitlang aus dem Markt herauszuhalten, wenn man sich nicht gerade zu den Langfristinvestoren zählt. Schließlich ist es nun mehr als fraglich, ob es noch zu einer Jahresendrally kommt. Womöglich liegt diese bereits hinter uns.


Wenn Fondsmanager ihre Jahresperformance sichern wollen


Denn man muss nun beachten, dass sich die aktuellen korrektiven Tendenzen auch dann weiterentwickeln können, wenn sich die Nachrichten bezüglich der neuen Corona-Variante nicht weiter verschlechtern. Der Grund: Institutionelle Anleger, darunter Fondsmanager, Vermögensverwalter etc., dürften mit ihren Portfolios im laufenden Jahr ordentlich im Gewinn liegen. Doch sie sehen nun die Gefahr, dass sie diese Gewinne kurz vor dem Jahresende noch verlieren und sich damit womöglich ihre Provision verringert. Daher wäre es nun eine logische Maßnahme, die erzielten Gewinne zu realisieren und die entsprechenden Positionen auf den Markt zu werfen. Wenn dies aber eine Vielzahl an Fondsmanagern tut, kann ein Stein eine Lawine ins Rollen bringen.


Erinnerungen an 2018 werden wach


Und dann könnten wir eine Entwicklung erleben, wie wir sie zuletzt 2018 gesehen haben. Damals ist eine Jahresendrally ausgefallen und es gab über den gesamten Dezember herbe Rückschläge. Zwar war 2018 ein generell schwieriges Jahr für Aktien, weshalb dieses nicht 1:1 mit der aktuellen Entwicklung vergleichbar ist, aber dafür haben die Kurse im laufenden Jahr bereits umso stärker zugelegt. Insbesondere von Anfang Oktober bis Mitte November haben wir noch einmal steil steigende Kurse gesehen. Und daher könnte die Jahresendrally 2021 quasi schon hinter uns liegen. Genau auf dieses Szenario hatte ich die Leser des „Börse-Intern Premium“ schon in der Wochenausgabe vom 11. November vorbereitet.


Wo sollte eine Jahresendrally noch hinführen?


Konkret hieß es in der damaligen Wochenausgabe: „…Und alle Welt spricht aktuell wieder von einer Jahresendrally. Mir stellt sich dabei allerdings die Frage, wo diese angesichts der bereits erzielten Kursgewinne insbesondere der vergangenen vier Wochen noch hinführen soll. Sicherlich ist eine solche Rally nicht auszuschließen. Vor einer Woche hatte ich schließlich selbst geschrieben, dass sich die Übertreibung noch deutlich ausweiten kann. Ich erinnere aber an das Jahr 2018, in dem es zum Jahresende mächtig abwärts ging mit den Aktienkursen.“


Inzwischen höre ich allerdings vermehrt Stimmen, die auf das mögliche Ausbleiben einer Jahresendrally hinweisen bzw. annehmen, dass diese bereits hinter uns liegt. Aus Sicht der Sentiment-Theorie macht dies die aktuelle Lage nun schon wieder weniger bearish.


Und auch die relative Stärke der US-Indizes, die sich insbesondere immer noch beim Nasdaq 100 feststellen lässt, schmälert meine Hoffnungen auf eine marktbereinigende Korrektur. Schließlich will sich der Technologieindex nicht so recht von seinem Rekordhoch trennen.


Nasdaq 100 - Chartanalyse


Ich setze aber darauf, dass nun jeder Rücksetzer den Druck auf die Fondsmanager erhöht, ihre Schäfchen vor dem Jahresende ins Trockene zu bringen. Und so bleibe ich bei meiner Aussage vom Freitag: Jetzt droht mehr denn je eine größere Korrektur. Es wäre sicherlich nicht utopisch anzunehmen, dass der Nasdaq 100 in absehbarer Zeit noch einmal durch eine ABC-Korrektur die untere Linie seines Aufwärtstrendkanals testet – und dann vielleicht auch bricht.


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg an der Börse
Ihr
Sven Weisenhaus


(Quelle: www.stockstreet.de)



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