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Weltwirtschaft: Ziehen Wolken auf?




12.06.18 09:56
Candriam

Brüssel (www.aktiencheck.de) - Nach einer deutlichen Beschleunigung im Jahr 2017 dürfte sich das weltweite Wirtschaftswachstum dieses Jahr der Vier-Prozent-Marke nähern, das ist der höchste Anstieg seit 2011. Nach Auffassung von Florence Pisani und Anton Brender, Volkswirtin beziehungsweise Chefökonom bei Candriam, gibt es keinen Grund, warum das Wachstum ins Stocken geraten sollte - auch wenn das unsichere internationale Umfeld die Konjunktur etwas bremsen könnte.

Die Rohstoff-exportierenden Länder würden von der Stabilisierung der Kurse und die Erdöl-Exporteure vom Anstieg des Ölpreises profitieren. In China sei es den Behörden gelungen, den Anstieg der privaten Schuldenlast und die Entwicklung eines Schattenbanksystems einzudämmen, ohne gleichzeitig die Konjunktur allzu sehr zu belasten. Das unsichere internationale Umfeld könnte die Konjunktur zwar etwas bremsen, aber sofern sich die Spannungen nicht verschärfen und die Ölpreise nicht sehr viel stärker steigen würden, dürfte das Wachstum nicht ins Stocken geraten.

In der Eurozone habe das Wachstum im ersten Quartal stagniert, aber nach Auffassung von Florence Pisani, Volkswirtin bei Candriam, gebe es keinen Grund, warum sich das Wachstum jetzt verlangsamen sollte: Die Exportaufträge würden positiv bleiben, die Kreditbedingungen seien immer noch günstig und der Anstieg der Unternehmensinvestitionen setze sich fort. Falls sich der Ölpreis bei rund 75 US-Dollar stabilisiere, werde das Bruttoinlandprodukt (BIP) 2018 um 2,4 Prozent steigen, was in etwa dem Anstieg von 2017 entspreche.

Florence Pisani betone jedoch, dass "dieses insgesamt solide Wachstum im Kontrast zu einer Verschärfung der tatsächlichen Unterschiede in der Eurozone steht". Seit 2006 würden die Pro-Kopf-BIP in Europa auseinandergehen und die Ausweitung der Wachstumsunterschiede habe sehr unterschiedliche Entwicklungen der Arbeitslosen- und Armutsquoten zur Folge. Letztere seien zwar seit der Finanzkrise tendenziell überall gestiegen, aber in den Ländern Südeuropas sei ihr Anstieg besonders ausgeprägt gewesen. "Das Vertrauen der Bevölkerung in die europäische Geldpolitik wird dadurch zwangsläufig erschüttert, wie das Ergebnis der letzten Wahlen in Italien zeigt", folgere Pisani.

In den USA bleibe das Wachstum trotz einer Abschwächung zu Beginn des Jahres solide. Die Unternehmensinvestitionen würden deutlich ansteigen und der Konsum, der immer noch der wichtigste Motor der Wirtschaft sei, werde weiterhin durch die Schaffung neuer Arbeitsplätze gestützt. Der Anstieg der Einzelhandelsumsätze im April sei im Übrigen ein Zeichen dafür, dass die Schwäche im ersten Quartal nur vorübergehend gewesen sei. Im Laufe der nächsten Monate dürfte sich die Steuerreform in begrenztem Umfang auswirken.

"Die im Haushaltsplan 2018 beschlossenen Zusatzausgaben werden sich hingegen deutlicher auf das Wachstum auswirken", erkläre Anton Brender, Chefökonom von Candriam. "Wenn die geopolitischen Unsicherheiten und die Handelskonflikte das Vertrauen nicht beeinträchtigen, dürfte sich das Wachstum 2018 der Drei-Prozent-Marke nähern. Um jedes Risiko einer "Inflationspanik" auszuschließen, wird die US-Notenbank die Normalisierung ihrer Zinspolitik fortsetzen: Sie dürfte ihre Leitzinsen dieses Jahr noch drei Mal erhöhen." (12.06.2018/ac/a/m)






 
 
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