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Die Welt schaut auf eine noch nie dagewesene Halbleiterkrise - Neuorientierung bei Intel, Chance für ASML?




12.11.21 09:58
Bank Vontobel Europe AG

München (www.aktiencheck.de) - Halbleiter sind ein wichtiger Bestandteil des Lebens und der Industrie geworden und sind nicht mehr wegzudenken aus der modernen Zivilisation, so die Bank Vontobel Europe AG in einer aktuellen Veröffentlichung.

Trotzdem schaue die Welt aktuell auf eine noch nie dagewesene Halbleiterkrise. Viele Mikrochips seien aktuell starke Mangelware. Nicht nur die Industrie wie der Auto- und Technologiesektor hätten mit Lieferengpässen und Stillständen in der Produktion zu kämpfen, sondern auch die Konsumenten selbst seien davon betroffen. So seien PC-Komponenten wie die CPU und GPU zu echter Mangelware geworden.

Jedoch nicht nur PC-Komponenten seien häufig ausverkauft und teurer geworden, auch bei Smartphones und Laptops gebe es häufig Wartezeiten. So betrage die Lieferfrist für ein neues iPhone 13 Pro, selbst zwei Monate nach dem Release, noch drei bis vier Wochen. Um diesem Mangel entgegenzuwirken, werde stark in den Ausbau der Produktion bei TSMC (ISIN US8740391003/ WKN 909800) und Samsung (ISIN US7960502018/ WKN 881823) investiert.

Der niederländische Konzern ASML Holding N.V. (ISIN NL0010273215/ WKN A1J4U4) sei der größte Anbieter von Lithographiesystemen für die Halbleiterindustrie. Diese hochkomplexen Maschinen würden für die Belichtung von Siliziumwafern benötigt, um damit die einzelnen Schaltkreise zu produzieren. Dementsprechend hoch seien auch die Preise, welche sich auf bis zu 150 Millionen pro Stück belaufen könnten. Wie ASML im Annual Report für das Jahr 2020 berichtet habe, habe ihr weltweiter Marktanteil dabei bereits rund 62 Prozent betragen.

Dies spiegele sich auch in den aktuellen Zahlen des dritten Quartals wider. ASML habe im Nettoergebnis um 58 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf EUR 1,74 Milliarden wachsen können. Beim Umsatz habe das Wachstum 32 Prozent betragen, was rund EUR 5,24 Milliarden entspreche. Auch für das laufende vierte Quartal werde mit Erlösen zwischen EUR 4,9 bis 5,2 Milliarden gerechnet. Durch diese starken Zahlen und die weiterhin positiven Aussichten habe das Unternehmen mittlerweile eine Marktkapitalisierung von rund EUR 280 Milliarden erreicht. Damit sei es das wertvollste Technologieunternehmen Europas, wie das "Handelsblatt" berichte.

Zu den wichtigsten Kunden von ASML und deren Lithographiesystemen würden die großen Halbleiterproduzenten wie TSMC (Taiwan Semiconductor), Samsung Electronics und Intel (ISIN US4581401001/ WKN 855681) zählen.

Nach großen Problemen mit dem 10-nm-Produktionsverfahren für die Halbleiter sei Intel Corporation zunehmend ins Hintertreffen zu den Konkurrenten Advanced Micro Devices Inc. (AMD) (ISIN US0079031078/ WKN 863186) und NVIDIA Corporation (ISIN US67066G1040/ WKN 918422) geraten. Dies habe den Halbleiterproduzenten aus Kalifornien gezwungen, neue Wege einzuschlagen und Maßnahmen zu ergreifen. So plane der Technologiekonzern ein milliardenschweres Investitionsprojekt für zwei neue Chipfabriken, wie das "Handelsblatt" berichte. Ebenfalls wolle man neue Standorte in Europa eröffnen.

Diese neuen Produktionskapazitäten seien auch notwendig, da sich Intel entschieden habe, nicht mehr nur die eigenen Mikrochips zu produzieren, sondern zusätzlich auch Auftragsfertigungen für andere Unternehmen zu übernehmen. Dabei habe man bereits erste Erfolge erzielen und einige Halbleiter für Amazon.com Inc. (ISIN US0231351067/ WKN 906866) und QUALCOMM Incorporated (ISIN US7475251036/ WKN 883121) fertigen können. Ebenfalls habe Pat Gelsinger, CEO von Intel, verkündet, man sei weiterhin an einer erneuten Zusammenarbeit mit Apple (ISIN US0378331005/ WKN 865985) interessiert. Diese könne in Form von erneuter Lieferung von Intel CPUs (Central Processing Unit) oder auch der Fertigung von Apples hauseigenen Chips geschehen.

Intel fokussiere sich neu zusätzlich auf den GPU-Markt (Graphics Processing Unit). So plane man, laut Intel, im ersten Quartal 2022 eine eigene Grafikkarte unter dem Namen Intel Arc zu veröffentlichen und in diesem Markt mit AMD und NVIDIA zu konkurrieren.

NVIDIA feiere einen Rekord nach dem anderen - sei es bei der Leistung ihrer Grafikkarten oder bei den Quartalszahlen. Dabei könne NVIDIA bei der Produktion kaum mit der Nachfrage mithalten. Viele neue Grafikkarten des Herstellers seien nur schwer oder zu sehr hohen Preisen noch erhältlich. Diese Grafikkarten hätten ein breites Einsatzgebiet. So würden sie bei der professionellen Video- und Bildbearbeitung benötigt, genauso wie bei 3D-Animationen und komplexen Berechnungen in der Astrophysik.

Im privaten Haushalt gewinne die Grafikkarte auch zunehmend an Bedeutung. Durch den E-Sports- und Kryptomining-Boom sei auch hier die Nachfrage nochmals stark gestiegen.

Aktuell versuche NVIDIA, den britischen Chipentwickler ARM Ltd. zu übernehmen und damit seine Marktposition zusätzlich zu stärken. ARM Ltd. entwickle die Grundarchitektur der ARM-basierten SoC (System-on-a-Chip) und lizensiere diese. Diese Lizenzen würden anschließend an die Chipentwickler für Smartphones, Tablets und Laptops verkauft. Die größten Kunden seien dabei Apple, Samsung und QUALCOMM, deren Chips alle auf der ARM-Architektur aufbauen würden. (Ausgabe vom 11.11.2021) (12.11.2021/ac/a/m)







 
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