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Kolumnist: Bernd Niquet

Weihnachtskolumne: Es ist irgendwie ein bisschen schade




23.12.17 09:45
Bernd Niquet

Ein paar besinnliche Gedanken zur Weihnachtszeit: Beschäftigt man sich mit der Vergangenheit und mit der Wirtschaftsgeschichte, dann sieht man, dass es in der Vergangenheit immer wieder riesige Zusammenbrüche, Staatspleiten und totale Geldentwertungen gegeben hat. Meistens sind diese jedoch mit Kriegsereignissen in Verbindung zu bringen.

Staaten sind dann pleite gegangen, wenn sie sich darin übernommen haben haben, einen Krieg zu führen oder die Kriegsfolgen abzumildern.


Schauen wir aus diesem Blickwinkel auf unsere Gegenwart, dann müssen wir uns eigentlich keine Sorgen machen. Schließlich haben wir seit mehr als siebzig Jahren Frieden in Europa. Die Einkommen und der Lebensstandard haben sich in den letzten Jahrzehnten vervielfacht. Niemals zuvor ist es Menschen auf diesem Planeten so gut gegangen wie den Menschen im heutigen Europa.


Und trotzdem sind wir bei Licht besehen eigentlich komplett pleite.


Und das ist schon irgendwie ein bisschen schade. Vor allem ist es eine historische Anomalie epochalen Ausmaßes. Und auch mit dem gesunden Menschenverstand kaum zu begreifen.


Schauen wir daher kurz auf die Lage: Von unserem Bundeshaushalt geben wir das Meiste für Arbeit und Soziales aus, nämlich 42 Prozent. Doch nicht, um temporär in Not geratenen Menschen zu helfen, wofür der Sozialstaat ja da ist, nein, wir geben den Hauptteil davon als Zuschüsse zu den Renten aus.


Trotz bester Wirtschaftslage haben wir nichts zurückgelegt und müssen uns jetzt jährlich etwas borgen. Gleiches gilt für die gesetzliche Krankenversicherung, allerdings auf geringerem Niveau.


Und dabei ist die Bundesrepublik noch der solideste Staat in Europa. Gäbe es die EZB mit ihrer Kamikaze-Politik nicht, wäre ganz Südeuropa heute schon faktisch pleite.


Die Anleihekäufe der EZB machen mittlerweile bereits 55 Prozent von deren Bilanzsumme aus und betragen das Fünffache des Eigenkapitals. Bisher war das ein gutes Geschäft, denn man hat die Staatsanleihen zu niedrigen Kursen gekauft und wird sie zum Nennwert zurückbekommen, beziehungsweise neue Anleihen zum Nennwert dafür bekommen.


Doch das Gerüst ist fragil. Die nächste Eurokrise könnte die EZB ins Wackeln bringen. Da können wir eigentlich nur jubilieren, dass unsere Konkurrenten wie die USA und Japan genauso pleite sind wie wir.


Mitten in der sonnigsten Phase der Geschichte steht es also Spitz auf Knopf. Und zwar überall, in allen Institutionen, die den Staat verkörpern.


Den privaten Unternehmen erlauben wir im Gegenzug, die alten Manchester-Zeiten wieder einzuführen und riesige Gewinne einzufahren, ihren Arbeitern jedoch nur Löhne zu zahlen, von denen sie nicht leben können. Mitten im größten Reichtum wird die Armut daher immer größer.


Ich denke, wenn wir in den letzten Jahrzehnten Kriege oder vernichtende Naturkatastrophen erlebt hätten, dann würde ich das irgendwie verstehen und auch akzeptieren, dass wir jetzt auf eine Pleite zusteuern. Doch dass wir gerade in der wirtschaftlich allerbesten Zeit, die es jemals gegeben hat, stiften gehen werden, macht mich fassungslos.


Das ist bei näherem Hinsehen dann wirklich mehr als nur irgendwie ein bisschen schade.


Ich wünsche Ihnen dennoch ein gabenreiches Weihnachtsfest. Noch ist ja nichts passiert.




Bernd Niquet







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