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Kolumnist: Geldanlage-Report

Was Börsianer wählen!? Die Bundestagswahl aus Anlegersicht...




16.09.13 14:15
Geldanlage-Report

http://www.geldanlage-report.de


 


Lieber Geldanleger,


der Herausgeber des Geldanlage-Reports, René Wolf, bat mich darum, die Bundestagswahl und speziell die Wahlprogramme der Parteien doch mal aus Börsianer-Sicht zu beleuchten.


Das mache ich gerne, zumal ich in meinem Bekanntenkreis eine beunruhigende Tendenz zur Protestwahl feststelle. Das könnte ins Auge gehen - speziell für Börsianer.


Verständlich ist diese Tendenz aus emotionaler Sicht ja schon. Die Wahlprogramme von CDU und SPD überschneiden sich in weiten Teilen und die Eurokrise und mit ihr die "Wir zahlen für die Schulden der anderen"-Parolen sind tief im (Unter-)Bewusstsein vieler Bürger verankert.


Der Kurzschluss daraus: "Die regierenden Parteien haben uns in dieses Dilemma geführt, haben Griechenland und Co. fahrlässiger weise in die Eurozone aufgenommen, also müssen sie jetzt weg!"


Da trifft es sich ja gut, dass sich - ebenfalls ganz kurzfristig - im April dieses Jahres die so genannte "Alternative für Deutschland" (AfD) in eine Partei umgewandelt hat und genau in dieses Horn bläst: Ende der Hilfskredite für die südeuropäischen Staaten, eine Insolvenz Griechenlands und darüber hinaus die geordnete Auflösung des Euro-Währungsgebiets wird da gefordert. Sogar die Wiedereinführung der D-Mark dürfe kein Tabu sein.


Offenbar zeigt der Wahl-O-Mat - ein vor allem bei jungen Menschen beliebtes interaktives Tool, bei dem man die eigenen Positionen mit insgesamt 38 Thesen der Parteien abgleichen kann und dann einen Wahlvorschlag ausgespuckt bekommt - für viele Börsianer hohe Übereinstimmungen mit der AfD.


Das könnte u.a. an den Punkten "Vereinfachung des Steuerrechts (Kirchhof-Modell)" und ein "Verbot des Ankaufs von Schrottpapieren durch die Europäische Zentralbank" liegen.


Klingt zunächst ja auch sympathisch und sinnvoll. Beschäftigt man sich aber ernsthaft mit dem Thema wird schnell klar: Eine Auflösung der Eurozone oder gar eine Rückkehr zur D-Mark ist gerade aus Börsianersicht ein absolutes No-Go.


Große Teile der wichtigsten börsennotierten deutschen Firmen sind exportorientiert und profitieren daher extrem von der Währungsunion. Grenzenloser Warenverkehr in einer einheitlichen Währung erleichtert den Handel, bietet neue Wachstumsmöglichkeiten und somit die Chance auf höhere Umsätze. Diese höheren Umsätze sorgen durch Skaleneffekte für höhere Gewinne, ebenso die höheren Gewinnmargen, die u.a. auf Grund des geringeren bürokratischen Aufwands entstehen.


Höhere Unternehmensgewinne bedeuten wiederum höhere Steuereinnahmen für den Fiskus und damit mehr Geld, das der Staat ausgeben kann - auch für Soziales und Bildung. Viele Eurogegner beachten diese elementaren Zusammenhänge nicht und sehen nur die Kosten für die Hilfspakete.


Auch wenn man die geopolitischen Zusammenhänge und Machtverhältnisse betrachtet wird aus meiner Sicht schnell klar, dass wir ein vereintes und starkes Europa brauchen, als Gegenpol zu den USA und den aufstrebenden bevölkerungsreichen asiatischen Wirtschaftsregionen wie China und Indien.


Nur so hat Europa überhaupt eine Chance seinen Positionen Nachdruck zu verleihen. Das kleine Deutschland stünde hier alleine auf verlorenem Posten und würde sich isolieren. Die Globalisierung lässt sich nicht aufhalten!


Wahltaktisch betrachtet könnte die AfD für börsenaffine Protestwähler sogar zum Bumerang werden. Denn die Stimmen der Alternative für Deutschland aus diesem Bereich dürften dann überwiegend zu Lasten der CDU oder der FDP gehen, die Börsianer normalerweise bevorzugen.


CDU/FDP-Koalition als beste Option


Und dafür gibt es gute Gründe. Für Vollblutbörsianer hat die viel gescholtene FDP nach wie vor ihren Reiz:


"Ein leistungsfähiges und stabiles Finanzsystem ist in der Sozialen Marktwirtschaft unerlässlich für eine innovative und erfolgreiche Wirtschaft, die verlässliche Altersvorsorge der Menschen und die Finanzierung der öffentlichen Hand", so lautet einer der Kernsätze des Wahlprogramms.


Zurecht! Bei aller berechtigten Kritik an den Auswüchsen scheint die Wichtigkeit des Finanzsystems doch für ein reibungsloses Funktionieren der Wirtschaft von Vielen unterschätzt zu werden. Ein staatlich gelenktes Finanzsystem, dessen Vorstufe in Form einer "Bankenunion" von den Linksparteien gefordert wird, kann dies nicht leisten - genauso wenig wie eine im Staatsbesitz befindliche Telekom, Post oder Deutsche Bahn auch nur im Ansatz so leistungsfähig sein kann wie die privatisierten Varianten.


Ich halte es zudem für einen Trugschluss, dass neue Steuern wie die Börsentransaktionssteuer irgendeinen Nutzen haben oder die Finanzmärkte sicherer machen. Im Gegenteil: Sie führen zu einer weiteren Belastung für die Sparer und Anleger, die bereits mit der Abgeltungssteuer zur Kasse gebeten werden.


Max Mustermann, der monatlich einen Geldbetrag X, den er von seinem bereits versteuerten Einkommen abzweigt, in Aktien anlegt, muss einen möglichen Ertrag daraus, erneut mit 27 Prozent versteuern (25 Prozent Abgeltungssteuer + Solizuschlag + Kirchensteuer) - und soll nun, wenn es nach dem Willen von SPD, den Grünen, der Linken und auch der CDU geht, auch noch beim Kauf der Aktie (oder wahlweise eines anderen Anlageprodukts) eine Finanztransaktionssteuer entrichten.


Und diejenigen, die eines solche Steuer eigentlich treffen soll, nämlich die Handelsabteilungen multinationaler Banken (Stichwort: Hochfrequenzhandel), für die ist es ein leichtes diesen Geschäftsbereich ins außereuropäische Ausland zu verlegen und damit dem Zugriff des Fiskus zu entziehen.


Auch das diskutierte Herkunftsprinzip, wonach sich die Erhebung der Steuer nach dem Wohnsitz bzw. Firmensitz des Traders richten soll, würde daran nichts ändern.


Das einzige Ergebnis wäre eine Schwächung der europäischen Finanzplätze und eine Stärkung der ohnehin schon dominanten Finanzzentren London und New York. Ein weiterer Rückgang des Handelsvolumens beispielsweise bei den ohnehin schon dünn gehandelten deutschen Nebenwerten könnte dazu führen, dass der Markt austrocknet und damit kein reibungsloser Handel mehr gewährleistet ist.


Wie soll so etwas wie eine Aktienkultur in Deutschland entstehen, wenn potenzielle Anleger schon im Vorfeld abgeschreckt werden?


Die FDP ist die einzige deutsche Partei, die eine solche Entwicklung zu verhindern versucht. Sogar die Piraten sind eher dafür (siehe aktuelle Aussagen), wobei das Thema parteiintern nicht unumstritten scheint. So hat sich der von mir sehr geschätzte Matthias Schrade, Beisitzer im Bundesvorstand der Piratenpartei, bereits im Januar 2012 in einem interessanten Interview klar gegen die Einführung ausgesprochen.


Mehr Rendite mit konservativer Regierung


"Entscheidend ist, was hinten rauskommt", sagte einst Helmut Kohl, und zumindest während seiner Amtszeit als Bundeskanzler kam für Börsianer einiges raus an Performance.


Zwischen 1983 und 1998 stiegen die globalen Aktienmärkte um den Faktor 6,5. Das ist die mit Abstand beste Bilanz aller Kanzler. Während die SPD-Kanzler Willy Brandt und Helmut Schmidt kandidierten reichte es dagegen für Aktien nur zu einer Nullrendite.


Auch Gerhard Schröder schaffte nur einen Miniertrag von durchschnittlich 1,3 Prozent für die Börsianer. Bei Angela Merkel wiederum liegt die Bilanz aktuell bei 11,2 Prozent pro Jahr. Errechnet hat die Werte übrigens Daniel Eckert von "Die Welt". Eine entsprechende Graphik liefert er hier: http://www.welt.de/finanzen/geldanlage/article119971257/Merkel-besiegt-den-Fluch-des-Boersenzyklus.html.


Natürlich sind diese Zahlen nur bedingt aussagekräftig, denn für die Kursentwicklung an den Aktienmärkten sind bekanntermaßen eine Vielzahl unterschiedlicher Faktoren verantwortlich, die sich noch dazu gegenseitig beeinflussen können. Doch reiner Zufall ist es meiner Meinung nach auch nicht, denn es gibt durchaus messbare Sachverhalte, die eine logisch nachvollziehbare Begründung für diese Performance-Differenz liefern.


Asoka Wöhrmann, Chefanlage-Stratege der DWS, hat in einer Studie den Effekt errechnet, den die Umsetzung der aktuellen Steuerpläne der verschiedenen Parteien, auf den Konsum der Privathaushalte haben würde. Zumindest auf dem Papier versprechen ja CDU und FDP Steuersenkungen während SPD, Grüne und Linke zumindest für bestimmte Einkommensgruppen höhere Steuern fordern.


Kann Schwarz-Gelb die Pläne umsetzen, würde das den realen Wachstumsbeitrag des Konsums für das Bruttoinlandsprodukt von 0,83 auf 1,56 Prozentpunkte erhöhen. Die Pläne der SPD würden zu einem kleinen Rückgang von 0,09 Prozent führen. Die laut Wöhrmann "noch massivere Belastung der Privathaushalte" durch die Grünen würde zu einem negativen Wachstumsbeitrag von minus 0,38 Prozent pro Jahr führen.


MEIN FAZIT:


Aus Sicht der Börsianer ist die Lage vor der Bundestagswahl klar: Eine schwarz-gelbe Koalition wäre das wünschenswerteste Ergebnis. Dabei kann es durchaus Sinn machen, der FDP strategisch die Zweitstimme zukommen zu lassen, um den Einzug der Liberalen in den Bundestag zu ermöglichen.


Auch die Performance der Aktienmärkte während vergangener "schwarzer" Regierungen im Vergleich zu SPD-geführten Regierungen sowie aktuelle Studien bezüglich der Auswirkungen der Parteiprogramme auf die Börse, unterstreichen diese These.


Abstand nehmen sollten Börsianer dagegen von der Anti-Europapartei "Alternative für Deutschland". Deren Pläne einer Auflösung der Eurozone hätte mit hoher Wahrscheinlichkeit massiv negative Auswirkungen für die deutsche Konjunktur und damit auch für den hiesigen Aktienmarkt.



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