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Warum Europa die Krise am schnellsten meistert




12.05.20 16:19
Legg Mason

Baltimore (www.aktiencheck.de) - Die Krise wird erst in zwei Jahren ausgestanden sein, so die Experten von Legg Mason.

Am besten aus der Krise komme neben einigen kleineren Volkswirtschaften Asiens ausgerechnet Europa. Warum uns die Pandemie noch so lange beschäftigen wird und worauf es beim Wirtschafts-Comeback genau ankommt, erklärt Andreas Billmeier, Analyst bei der Legg Mason-Boutique Western Asset Management, in seinem aktuellen Marktkommentar.

Kaum eine Frage werde aktuell häufiger diskutiert als die nach der ökonomischen Erholung. Doch was mache eine Erholung überhaupt aus? Mit Wachstum allein sei es nicht getan. Schon im zweiten Halbjahr würden die Experten damit rechnen, dass die Wirtschaft wieder wachse. Doch erst, wenn man das Vor-Krisen-Niveau wieder erreicht habe, sei die Erholung vollzogen. Bis das allerdings der Fall sein werde, könne es durchaus zwei Jahre dauern. Warum?

Neben der Nachfrage sei auch das Angebot stark von der Krise betroffen. Zwar hätten Notenbanken und Staaten, so gut es gegangen sei, gegengesteuert, doch würden die Folgen des Lockdown, die steigenden Arbeitslosenzahlen, das veränderte Verhalten der Konsumenten sowie aufgeschobene Investitionen tiefe Narben in der Wirtschaft hinterlassen. Zugleich seien weltweite Lieferketten gestört und selbst nach einem vorsichtigen Anfahren der Wirtschaft bleibe das Risiko von Rückschlägen.

Angesichts der weltweiten Verschränkung der globalisierten Wirtschaft seien sämtliche Volkswirtschaften von der Pandemie betroffen. Dennoch gebe es regionale Unterschiede: Neben der Schwere der Krise und der Einschränkungen seien dies die Höhe und Art der fiskal- und geldpolitischen Unterstützung, die Struktur der Wirtschaft sowie die Bedeutung der Auslandsnachfrage für das jeweilige Land.

Die USA und Europa würden sich in ihren Maßnahmen gegen die Krise in erster Linie in Details unterscheiden: Zwar hätten die Vereinigten Staaten mit rund zwölf Prozent gemessen an der Wirtschaftsleistung mehr Geld für direkte Anreize in die Hand als Europa (fünf Prozent) genommen, jedoch habe Europa deutlich mehr Darlehensgarantien vergeben. Diese würden dabei helfen, mehr Arbeitnehmer in ihren Jobs zu halten, während dies in den USA aufgrund eines flexibleren Arbeitsmarktes weniger nötig sei.

Im Bereich der Geldpolitik hätten die Eurozone und auch die USA in etwa gleich starke Signale gesetzt. Die Volkswirtschaften in Schwellenländern seien im Vergleich hierzu deutlich zurückgeblieben. Dies sei dem Umstand geschuldet, dass die Pandemie die Länder außerhalb Chinas mit Verzögerung getroffen habe und sie zudem weniger finanziellen Spielraum für derartige Maßnahmen hätten. Auch die ökonomische Struktur der Wirtschaft in vielen Schwellenländern spreche eher gegen eine rasche Erholung: Die Krise habe gezeigt, dass Volkswirtschaften im Vorteil seien, die einen großen Teil ihrer Wertschöpfung aus dem Homeoffice erzielen könnten. Volkswirtschaften mit Schwerpunkten in den Bereichen Rohstoffförderung und Industrie dürften daher vorerst das Nachsehen haben.

Dass diejenigen Regionen, die früher von der Pandemie getroffen worden seien, gegenüber Nachzüglern im Vorteil seien, sei ein weit verbreiteter Irrglaube. Dieser Irrtum werde umso deutlicher, je eher man die Exportabhängigkeit berücksichtige: In den USA liege diese bei zwölf Prozent, in China bei zwanzig Prozent und in Europa bei dreißig Prozent. Auch wenn die Pandemie in einer Region eingedämmt scheine, sorge die hohe Abhängigkeit von der Nachfrage aus dem Ausland dafür, dass die Wirtschaft so schnell nicht wieder in Fahrt komme.

Einzige Profiteure ihrer Exportabhängigkeit könnten dagegen diejenigen Schwellenländer in Asien sein, die schon jetzt an der Erholung der chinesischen Wirtschaft partizipieren würden und zugleich im Bereich Dienstleistungen stark aufgestellt seien. Von den großen Wirtschaftsräumen dürfte Europa die Krise mit am schnellsten hinter sich lassen. Die Interventionen von Regierungen und Notenbanken seien umfassend gewesen und auch der Arbeitsmarkt bleibe dank der ergriffenen Maßnahmen intakt. (12.05.2020/ac/a/m)






 
 
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