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Kolumnist: Sven Weisenhaus

War der Schwenk der US-Notenbank überzogen?




03.05.19 09:25
Sven Weisenhaus

Die US-Notenbank hat vorgestern beschlossen, den Leitzins unverändert in der bisherigen Spanne von 2,25 % bis 2,5 % zu belassen. Das Statement zum Zinsentscheid wurde im ersten Absatz lediglich an die aktuellen Konjunkturentwicklungen angepasst. Es enthielt dadurch aber nichts, was uns die jüngsten Wirtschaftsdaten nicht längst verraten hätten. Und in den weiteren Absätzen blieb der Wortlaut unverändert.


Die Fed bestätigte, dass ihr Programm zum Abbau der Bilanzsumme per Ende September eingestellt wird. Und wie bereits angekündigt, wird das Volumen des Abbaus des Staatsanleihebestands ab Mai, also ab sofort, bereits von 30 auf 15 Milliarden Dollar halbiert.


US-Notenbank - Plan zum Abbau der Notenbankbilanzbilanz


Auf der Pressekonferenz betonte Fed-Chef Jerome Powell, man wolle bei zukünftigen geldpolitischen Entscheidungen weiterhin „geduldig“ bleiben. Dieses Schlüsselwort werteten Beobachter dahingehend, dass die Zentralbank vorerst keine weiteren Zinsanhebungen plant - aber eben auch keine Zinssenkungen.


War der grobe Schwenk der US-Notenbank überzogen?


Und dieses Puzzleteil passt aus meiner Sicht nicht so ganz in das Bild der stark gestiegenen Aktienkurse und der überraschend starken US-Wirtschaft. Warum hat die US-Notenbank mit den vorangegangenen Sitzungsergebnissen einen derartigen Schwenk vollzogen, so dass die Märkte sogar wieder eine Zinssenkung eingepreist haben, obwohl es der US-Wirtschaft doch offenbar gut geht – deutlich besser sogar als erwartet?


Haben sich Anleger und Notenbank geirrt?


Haben sich etwa nicht nur die Anleger geirrt, die den Aktienmarkt Ende 2018 zu weit nach unten gedrückt haben, so dass nun wieder eine Kurserholung sämtliche Verluste wieder aufholen musste (siehe Börse-Intern vom vergangenen Freitag), sondern hat sich auch die US-Notenbank geirrt, weil sie die US-Wirtschaft zu schwach gesehen hat? Dann müsste sie allerdings auf einer der kommenden Sitzungen wieder mögliche Zinsanhebungen signalisieren und damit die Markterwartungen deutlich korrigieren. Das könnte dann die Aktienanleger verschrecken, die fälschlicherweise eine Zinssenkung einkalkuliert haben - fallende oder zumindest nicht weiter steigende Kurse wären dann die Folge.


Hohes Wachstum nur aufgrund von Sondereffekten?


Oder ist das überraschend hohe Wachstum des 1. Quartals vielleicht nur auf Sondereffekte zurückzuführen (hohe Staatsausgaben, hoher Lageraufbau), so dass sich dieses Wachstum im weiteren Jahresverlauf nicht halten lassen wird? Auch in diesem Fall läge ein Grund für nicht mehr weiter steigende bzw. sogar fallende Kurse vor.


Machen Sie sich auf einen Rücksetzer gefasst


So oder so - es spricht wenig dafür, dass die Aktienkurse in den USA (und damit auch der Märkte hierzulande) einfach weiter steigen können. Zumal die fundamentale Bewertung der US-Indizes inzwischen wieder so hoch ist wie vor der Korrektur, die Gewinnerwartungen und die aktuellen Gewinnentwicklungen dies aber nicht rechtfertigen. Daher bleibe ich bei der Erwartung einer „großen Seitwärtstendenz auf hohem Niveau“. Und aktuell befinden sich die Kurse wieder am oberen Ende der möglichen Range, die sich auch als Trompete darstellen kann, also als nach rechts geöffnetes Dreieck.  Machen Sie sich also besser auf den nächsten scharfen Rücksetzer in den US-Indizes gefasst.


Nur wenn sich die Tendenz von überraschend positiven Konjunkturdaten fortsetzt und dadurch auch die Gewinnerwartungen nach oben geschraubt werden, wäre ein weitergehender Kursanstieg gerechtfertigt. Danach sieht es aber aktuell nicht aus. Die Berichtssaison in den USA kann zwar die zuvor reduzierten Schätzungen übertreffen, aber dies hatten wir bereits so erwartet. Und charttechnisch zeigen sich im sehr kurzfristigen Bereich auch aktuell erste (!) Anzeichen einer beginnenden Wende in den US-Indizes.


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Geldanlage


Ihr
Sven Weisenhaus


(Quelle: www.stockstreet.de)



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