Kolumnist: Feingold-Research

WTI und Brent im Schockzustand




17.09.19 13:17
Feingold-Research

Die Ölpreise eröffneten am Montag mit einem Plus von bis zu 20%, was einem der stärksten prozentualen Tagesanstiege überhaupt entsprach. Brent stieg in der Spitze auf 72 USD je Barrel. Wir rechnen weiter mit Übertreibungen in beide Richtungen. Brent sollte volatil zwischen 60 und 75 Dollar sein. Je mehr Eskalation gepreist wird desto eher gehen Sie Short, je tiefer der Preis zurück kommt desto eher Long. Unser Handwerkszeug dazu lautet Turbo-Bull CP4YAY der Citi und Turbo-Bear MF7RG6 von Morgan Stanley auf Brent sowie Turbo-Bull DDT1LV der DZ Bank und Turbo-Bear ST551Z der Societe Generale auf WTI. Der Hebel liegt jeweils bei rund 5.



 


Wir blicken auf die Einschätzung der Commerzbank-Experten:


Der Ölmarkt reagierte damit auf die folgenreichen Drohnenattacken von Huthi-Rebellen aus dem Jemen auf ein großes Ölfeld und die größte Ölraffinerie in Saudi-Arabien. Infolge der Angriffe sind 5,7 Mio. Barrel des täglichen Ölangebots Saudi-Arabiens abgeschnitten. Das entspricht ca. 60% der zuletzt berichteten saudi-arabischen Ölproduktion bzw. mehr als 5% des weltweiten Ölangebots. Die Frage ist nun, wie lange es dauert, bis Saudi-Arabien die Schäden behoben und die Ölproduktion sich wieder normalisiert hat. Die saudi-arabischen Rohölbestände würden theoretisch ausreichen, um den gegenwärtigen Ausfall für ungefähr einen Monat auszugleichen, wenn man die aktuellen JODI-Daten für Juni zurate zieht. Zudem verfügen die Verbrauchsländer über hinreichend Notfallreserven, auf die sie zurückgreifen könnten. US-Präsident Trump hat bereits angekündigt, die strategischen Reserven falls erforderlich freigeben zu wollen. Ein Angebotsengpass droht daher zunächst nicht. Entsprechend haben die Ölpreise etwa die Hälfte der anfänglichen Gewinne wieder abgegeben. Der Drohnenangriff hat darüber hinaus das Potenzial, die Situation im Mittleren Osten zu eskalieren. Die USA machen den Iran für die Angriffe verantwortlich und drohen mit Gegenmaßnahmen. Die Drohung von Trump war unmissverständlich. Die USA seien “geladen und gesichert”, um auf die Attacken zu reagieren. Die Huthis haben unterdessen mit weiteren Angriffen gedroht. Die in der letzten Woche aufgekommene Hoffnung auf eine Deeskalation im Konflikt zwischen den USA und dem Iran ist nach den Ereignissen vom Wochenende verflogen. Dies rechtfertigt eine Risikoprämie auf den Ölpreis, so dass die Preise zunächst nicht wieder auf das Niveau von vor den Angriffen zurückkehren dürften.



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