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Kolumnist: Stock-World Redaktion

Vorsichtige Entwarnung für die Märkte




24.05.22 09:11
Stock-World Redaktion

-    Die US-Inflation sollte ihren Höhepunkt erreicht haben
-    Korrekturen deuten auf eine Verlangsamung des Expansionstempos hin, nicht aber auf eine Rezession 
-    Erwartungen für Unternehmensgewinne spiegeln Wirtschaftsentwicklung noch nicht wider



Der Markt ist durch eine Reihe von Problemen gekennzeichnet, die sich restriktiv auf die 
Weltwirtschaft auswirken.


Die US-Inflation hat wahrscheinlich ihren Höhepunkt erreicht, aber der Rückgang wird langsam und nicht linear ausfallen, wie die Aprildaten zeigen, die immer noch höher sind als prognostiziert. Neue Lockdowns in China und die kriegsbedingt hohen Rohstoffpreise dürften weiter Druck auf die Preise ausüben.


Die Fed erhöhte im Mai die Zinsen um 50 Basispunkte und kündigte an, dies auch im Juni und Juli zu tun. Die Fed Funds Futures gehen davon aus, dass die Zinssätze in einem Jahr ihren Höchststand bei 3 % erreichen werden. Was die EZB betrifft, so rechnet der Markt mit einer ersten Zinserhöhung zwischen Juni und Juli. Insgesamt wird für das kommende Jahr eine Erhöhung um 120 Basispunkte erwartet.


Sowohl die Wirtschaftsdaten für die USA als auch für Europa bestätigen die Fortsetzung des Aufschwungs nach der Wiedereröffnung der Märkte. Es ist jedoch davon auszugehen, dass sich die in den letzten Wochen vorgenommene Verschärfung der monetären Bedingungen in den Daten zwischen Frühjahr und Sommer dieses Jahres niederschlagen wird. Die Anleger könnten vor dem Hintergrund der Anzeichen für eine makroökonomische Verlangsamung jedoch Hoffnung daraus schöpfen, dass der Inflationsanstieg seinen Höhepunkt erreicht hat, die Rohstoffpreise sinken und die Corona-Welle in China wieder abebbt.


Thema des Monats: 


Analysen deuten auf eine Verlangsamung des Expansionstempos hin, nicht aber auf eine Rezession für den Rest des Jahres 


Das Jahr 2022 sollte ein geordneter Übergang von der Wachstumsspitze im Jahr 2021 zu einer Rückkehr zur Normalität im Jahr 2023 sein. Es ist tatsächlich ein Übergangsjahr, aber ein turbulentes. Das länger als erwartet anhaltende Aufflammen der Inflation hat die Zentralbanken zu einer scharfen Kehrtwende gezwungen und die Ökonomen veranlasst, ihre Wachstumsschätzungen nach unten zu korrigieren.


Für die USA liegt der Konsens für 2022 nach einem Wachstum von 5,7 % im letzten Jahr nun bei 2,7 %. Zu Jahresbeginn waren es noch 3,9 %. Für die Eurozone erfolgte die Anpassung der Wachstumserwartungen ähnlich wie in den USA: 2021 lag das Wachstum bei 5,4 %, während der Konsens für 2022 von 4,2 % auf 2,8 % zu Jahresbeginn gesenkt wurde.


Diese Korrekturen sind bereits recht deutlich und deuten auf eine Verlangsamung des Expansionstempos, aber nicht auf eine Rezession für den Rest des Jahres hin. Abschließend ist anzumerken, dass die Schätzungen für das Jahr 2023 von der derzeitigen Konjunkturabschwächung kaum betroffen sind. Was den Konsens anbelangt, so wird weiterhin davon ausgegangen, dass das Wachstum im nächsten Jahr nach drei ausgesprochen turbulenten Jahren endlich auf sein normales Tempo von etwa 2 % zurückkehren wird.


Vor dem Hintergrund einer umfangreichen Korrektur der Wirtschaftswachstumsschätzungen wurden andererseits die Erwartungen für die Unternehmensgewinne sowohl in den USA als auch in Europa weiter nach oben korrigiert.


Für den S&P 500 wird für 2022 ein Gewinnwachstum von 10 % erwartet. Zu Jahresbeginn lag die Schätzung noch bei 8,5 %. Für den Eurostoxx wird für das Jahr 2022 ein Gewinnwachstum von 8,5 % prognostiziert. Zu Beginn des Jahres lagen die Prognosen noch bei 8,2 %. Die Schätzungen für die Gewinnentwicklung im Jahr 2023 bleiben im Wesentlichen unverändert: +10 % für die Gewinne in den USA, +8 % für die Eurozone.


Die Diskrepanz zwischen dem Makrokonsens (Wirtschaftswachstum) und dem Mikrokonsens (Unternehmensgewinne) lässt sich durch die hohe Inflation erklären. Die Unternehmen sind unter den verschiedenen Wirtschaftsakteuren am besten dafür gerüstet, mit einer hohen Inflation zu leben. In gewisser Hinsicht sind sie sogar diejenigen, die die Inflation nähren, indem sie die Preiserhöhungen direkt an den Endverbraucher weitergeben.


Es liegt auf der Hand, dass eine hohe Rentabilität nicht unbegrenzt aufrechterhalten werden kann. Sollte sich die Konjunkturabschwächung in den kommenden Monaten fortsetzen und möglicherweise an eine Rezession grenzen, wäre eine Revision der Gewinne für 2022 und 2023 unvermeidlich und aller Wahrscheinlichkeit nach erheblich.


Selbst in Bezug auf die Gewinnerwartungen ist der Konsens bereits konservativ. Es stimmt zwar, dass die Gewinnprognosen in absoluten Zahlen nicht gesunken sind, aber es stimmt auch, dass die Analysten bereits begonnen haben, ihre Erwartungen zu senken. Die Korrekturen der Schätzungen weisen in der Tat nach unten, was auf eine bevorstehende Verlangsamung des Gewinnwachstums schließen lässt.


Die eigentliche Anpassung, die der Markt vorgenommen hat, betrifft die Multiplikatoren. Während die Gewinne weiter gestiegen sind, sind die Marktindizes gesunken (-15 % seit Jahresbeginn für den Index MSCI All Countries World).


In der Eurozone und in den Schwellenländern liegen die Kurs-Gewinn-Verhältnisse unter den langfristigen Durchschnittswerten und sind nicht mehr allzu weit von den Niveaus einer Rezession entfernt. Die Multiplikatoren des US-Aktienmarktes sind dagegen höher. In jüngster Zeit ist jedoch ein rapider Rückgang zu verzeichnen.


Im theoretischen qualitativen Ranking liegt der makroökonomische Konsens bei der Vorhersage einer Verlangsamung recht weit vorne. Die Unternehmensgewinne spiegeln diese Entwicklung bei weitem noch nicht wider. Sollten die makroökonomischen Prognosen erneut gesenkt werden (was ohne einen Rückgang der Inflation und eine Verlangsamung der Zinserhöhungen möglich ist), droht eine Korrektur der Unternehmensgewinne nach unten. Die Auswirkungen auf die Aktienkurse könnten dann jedoch zumindest teilweise durch die bereits weitgehend vorsichtig nach unten korrigierten Bewertungen abgefedert werden.



Eurizon ist ein bedeutender Akteur in der internationalen Vermögensverwaltungsbranche und bietet eine breite Palette von Produkten an. Eurizon Capital SGR ist Teil der Vermögensverwaltungsabteilung der Gruppe Intesa Sanpaolo. Sie ist in Europa durch ihre Tochtergesellschaften vertreten: Eurizon Capital S.A., eine Vermögensverwaltungsgesellschaft mit Sitz in Luxemburg, die sich auf die Entwicklung ausländischer Märkte konzentriert; Epsilon SGR, ein in Italien ansässiges Unternehmen, das auf quantitatives Portfoliomanagement spezialisiert ist; die osteuropäische HUB (Eurizon Asset Management Slovakia, CIB IFM und PBZ Invest); Eurizon Capital Real Asset (51%), die sich auf alternative Anlageklassen konzentriert; und Eurizon SLJ Capital LTD (65%), eine Vermögensverwaltungsgesellschaft mit Sitz in Großbritannien, die sich auf makroökonomisches Research und Währungsstrategien konzentriert. Eurizon ist in Asien durch Eurizon Capital Asia Limited und seine 49%ige Beteiligung an dem chinesischen Unternehmen Penghua Fund Management vertreten. 
Eurizon vertreibt seine Luxemburger Fonds in 25 Ländern und ist in Frankreich, Deutschland, Spanien und der Schweiz tätig. Eurizon ist mit seiner Minderheitsbeteiligung an Oval Money, einem Start-up-Unternehmen, das in den Bereichen digitale Zahlungsdienste und Sparen tätig ist, im Fintech-Sektor aktiv.



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Der Autor stellt hier lediglich Informationen zur Verfügung, es erfolgt keine Anlageberatung, Empfehlung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Vermögensanlagen. Anlagegeschäfte beinhalten Risiken, so dass die Konsultierung professioneller Anlagenberater empfohlen wird. Wir möchten in diesem Zusammenhang darauf hinweisen, dass ein Engagement in Aktien (auch Hot Stocks oder Penny Stocks), Zertifikate, Fonds oder Optionsscheine zum Teil mit erheblichen Risiko verbunden. Ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals kann nicht ausgeschlossen werden.





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