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Kolumnist: Lars Brandau

Vorsicht vor Etikettenschwindel




14.05.18 10:06
Lars Brandau

Das Ersparte mit gutem Gewissen investieren, das wünschen sich immer mehr Kleinanleger. Sogenannte ESG-Faktoren, die auf Soziales, Umwelt und Corporate Governance abstellen, sind heutzutage ein zusätzliches Entscheidungskriterium für oder gegen ein finanzielles Engagement. Analysten prüfen dann vor jeder Investitionsentscheidung, ob das Unternehmen die vereinbarten Standards einhält. Ist das nicht der Fall, bestraft der Kapitalmarkt diese Gesellschaften. Zumindest kurzzeitig.


Grundsätzlich betrachtet liegen „Grüne“ Investments im Trend. Das zeigen auch die Ergebnisse der monatlichen Online-Umfrage des Deutschen Derivate Verbands im Mai 2018. Tatsächlich gibt jeder fünfte Zertifikate-Anleger in Deutschland an, dass ethische und ökologische Kriterien im Rahmen seiner Portfolioallokation höchst bedeutsam sind. Immerhin noch etwas mehr als ein Viertel gibt an, dass sie diese Kriterien bei ihrer Entscheidungsfindung zunehmend in Betracht ziehen. Im Vergleich zur Umfrage aus dem Jahr 2015 ist dies ein signifikanter Anstieg. Für etwas mehr als die Hälfte der Investoren haben Nachhaltigkeitsaspekte bei ihrer Geldanlage jedoch nach wie vor eine geringere oder gar keine Relevanz. An der aktuellen Online-Befragung, die gemeinsam mit mehreren großen Finanzportalen durchgeführt wurde, beteiligten sich etwas mehr als 1.900 Personen. Dabei handelt es sich in der Regel um gut informierte Anleger, die als Selbstentscheider ohne Berater investieren. 


 


Die Gründe für die Ergebnisse sind sicher vielschichtig. Unter anderem hat es etwas mit den unterschiedlichen Begrifflichkeiten und angewandten Kriterien zu tun. „Nachhaltigkeit“ und „grüne Anlagen“ werden geradezu inflationär verwendet. ESG-Faktoren sind oftmals eher schlecht als recht dokumentiert. Zahlreiche Organisationen auf nationaler und internationaler Ebene haben Methoden entwickelt, die Nachhaltigkeitsfaktoren in Unternehmen zu erkennen. Auch Rating-Agenturen mischen hier mit und messen entsprechende Standards.


Angesichts der Angebotsvielfalt kann es interessierten Anlegern schwer fallen, sich zurechtzufinden und die für sie wichtigen Informationen entsprechend zu filtern. Hier sollte eine Vereinfachung erfolgen, die Klarheit bietet. Das würde Anlegern zusätzliche Sicherheit bei ihren Investment-Entscheidungen geben. Erst dann sind grüne Investments auch nachhaltig und nicht nur ein Trend.


 



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