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Volkswirtschaft: Corona im Schlepptau




10.09.21 11:10
Postbank Research

Bonn (www.aktiencheck.de) - Es läuft noch nicht überall rund - doch die globale Konjunktur erholt sich zunehmend von den Folgen der Corona-Krise, so die Analysten von Postbank Research.

So sei die Wirtschaftsleistung in den USA im zweiten Quartal hochgerechnet auf das Gesamtjahr gegenüber dem Vorquartal um 6,6% gestiegen. Die Eurozone melde einen Zuwachs beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 2% zum Vorquartal. Europas größte Volkswirtschaft Deutschland habe mit einem BIP-Plus von 1,6% die Markterwartungen sogar übertreffen können. Auch im dritten Quartal dürfte sich der Aufschwung bislang fortgesetzt haben - wenngleich einige Konjunkturdaten und Stimmungsindikatoren aus den USA bereits eine Abschwächung der Wachstumsdynamik signalisieren würden.

Völlig unerwartet seien das Konsumklima (Universität Michigan) und das Verbrauchervertrauen der US-Konsumenten (Conference Board) im August eingebrochen. Für den Absturz beider Stimmungsbarometer seien im Wesentlichen zwei Gründe auszumachen: steigende Infektionszahlen durch die aggressive Delta-Variante des Coronavirus und zu hohe Preise. Mehr als die Hälfte der US-Konsumenten halte den Zeitpunkt für Großanschaffungen aktuell für schlecht - so viele wie seit den 1970er Jahren nicht mehr. Außerdem würden steigende Benzin- und Lebensmittelpreise auf die Stimmung drücken.

Enttäuschende Zahlen seien auch vom US-Arbeitsmarkt gekommen. Im August seien gerade einmal 235.000 statt der erwarteten 733.000 neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft geschaffen worden. Immerhin sei aber die Arbeitslosenquote mit 5,2% auf den tiefsten Stand seit der ersten Phase der Corona-Krise gefallen. Allerdings signalisiere der abermals deutliche Anstieg der US-Stundenlöhne um 0,6% gegenüber Juli und um 4,3% zum Vorjahresmonat, dass die niedrige Anzahl der neuen Stellen eher auf einem Arbeitskräftemangel beruhe, den die Firmen nur über höhere Gehälter kompensieren könnten. Für die US-Notenbank sei die Situation recht unangenehm, da die Arbeitslosenquote noch ein ganzes Stück vom Vor-Pandemie-Niveau von 3,5% entfernt sei, sich gleichzeitig aber Löhne und Preise gegenseitig hochschaukeln könnten.

Weltweit würden sich rund 350 Schiffe stauen - doppelt so viele wie noch zu Jahresbeginn. Die Folge seien weiter steigende Frachtraten, die sich ohnehin in nur zwölf Monaten schon von 2.500 auf 10.000 US-Dollar je 40-Fuß-Container verachtfacht hätten. Für Chinas Exportindustrie könnte das zunehmend zum Problem werden: Produkte "Made in China" würden sich verteuern. Der einschlägige Einkaufsmanager-Index für Exportaufträge sei mit 47,7 Punkten im Juli denn auch erneut unter der Marke von 50 Punkten geblieben, ab der mit einer Belebung zu rechnen sei.

Außerdem könnte es gut möglich sein, dass Pandemie-Lockerungen in den USA und Europa, die zusammen für rund 30% der chinesischen Exporte stünden, die Konsumausgaben in Richtung Dienstleistungen verschieben würden. Eine geringere Exportdynamik in China dürfte sich zudem negativ auf die Umsätze der Zuliefererindustrien asiatischer Nachbarländer wie Südkorea, Singapur und Thailand auswirken. Ein Drittel des US-Containerverkehrs wickle die Häfen von Los Angeles und Long Beach ab. Das gemeinsame Management rechne unabhängig von der Corona-Lage mit Beeinträchtigungen der Lieferketten bis ins nächste Jahr. Zuletzt hätten sich vor Nordamerikas größtem Umschlagsplatz 35 Schiffe gestaut. Neben Containern würden auch Kapazitäten bei Lastwagen, Eisenbahnen, Lagerhäusern und Personal fehlen. Die Vorlaufzeit, bis US-Spediteure die Ware erhalten würden, liege derzeit bei neun bis zehn Wochen. (Perspektiven September 2021) (10.09.2021/ac/a/m)







 
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