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Kolumnist: Sven Weisenhaus

Viel Schlimmer kann es kaum noch kommen




30.07.22 09:17
Sven Weisenhaus

Während die Wirtschaft der USA mindestens schon mit einem Bein in einer Rezession steckt, hat die deutsche Wirtschaft gerade noch ein Minus abwenden können. Hierzulande ist es im zweiten Quartal 2022 lediglich zu einer Stagnation – bzw. in Verbindung mit der sehr hohen Inflation zu einer Stagflation – gekommen. Denn das Bruttoinlandsprodukt (BIP) blieb in der Höhe zwischen April und Juni gegenüber dem Vorquartal unverändert, wie das Statistische Bundesamt gestern mitteilte.


Bruttoinlandsprodukt (BIP) Deutschland


Ökonomen hatten zwar einerseits mit einem Wachstum um 0,1 % gerechnet, andererseits ist die Wirtschaft aber Anfang des Jahres deutlich besser gelaufen als gedacht: Das BIP-Plus für das erste Quartal wurde von +0,2 % auf +0,8 % nach oben revidiert. Und so kann man die Daten insgesamt durchaus positiv werten.


Für das aktuell laufende Quartal sollte man sich allerdings auf einen BIP-Rückgang einstellen. Denn insbesondere aufgrund der gedrosselten Gaslieferungen aus Russland dürfte die Wirtschaftsleistung weiter gebremst werden. Darauf deuten auch die Einkaufsmanagerdaten hin (siehe „Wirtschaft schrumpft wieder – droht dem DAX das nächste Korrekturtief“).


Eurozone deutlich stärker gewachsen als erwartet


Gleiches gilt für die Eurozone. Hier ist die Wirtschaft im Frühjahr noch stärker gewachsen als erwartet. Das BIP legte zwischen April und Juni um 0,7 % gegenüber dem Vorquartal zu, wie das Europäische Statistikamt Eurostat gestern mitteilte.


Bruttoinlandsprodukt (BIP) Eurozone


Angesichts der Rekordinflation und des Ukraine-Krieges ist das ein beeindruckendes Ergebnis. Zumal Volkswirte lediglich mit einem Anstieg um 0,2 % gerechnet hatten, nachdem Anfang des Jahres ein Plus von 0,5 % erzielt wurde (revidiert von 0,6 %). Doch sollte man auch hier für das laufende Quartal skeptischer sein.


Inflation der Eurozone erreicht neuen Rekord


Apropos Rekordinflation: Diese hat durch den anhaltenden Energiepreis-Schub infolge des Ukraine-Kriegs schon wieder einen neuen Höchststand erreicht. Die Verbraucherpreise kletterten im Juli um 8,9 % zum Vorjahresmonat, wie das Statistikamt Eurostat nach einer ersten Schätzung ebenfalls gestern mitteilte. Volkswirte hatten dagegen mit einer zum Juni unveränderten Rate von 8,6 % gerechnet. Zudem legte auch die Kernrate wieder zu – auf 4,0 %. Der kurzzeitige Rückgang vom Juni (3,7 % nach 3,8 % im Mai) wurde damit mehr als aufgeholt.


jährliche Inflation der Eurozone


Passend dazu hatte ich am Dienstag noch geschrieben, dass „von einer nachlassenden Inflation nicht viel zu sehen“ ist. Allerdings mehren sich die Anzeichen, dass das Schlimmste bald hinter uns liegen könnte.


Viel schlimmer kann es kaum noch kommen


Und viel schlimmer kann es aus meiner Sicht auch kaum noch kommen. Mit einer Ausweitung des Krieges über die Grenzen der Ukraine hinweg rechne ich derzeit nicht. Einen vollständigen Lieferstopp für russisches Gas halte ich dagegen durchaus in der nächsten Zeit für möglich. Doch derweil wird bereits massiv an Versorgungsalternativen gearbeitet. Und so halte ich die Gaspreisspirale für endlich.


Rückläufige Tendenzen mehren sich


Vielleicht wird die Inflation also abhängig von den Gaspreisen noch eine Weile hoch bleiben. Dass sie in Deutschland im Juli den zweiten Monat in Folge zurückgegangen ist, muss man wohl den temporären Maßnahmen der Bundesregierung zuordnen (Tankrabatt, 9-Euro-Ticket), die aber im September wegfallen. Der aktuelle weitere Rückgang auf nun +7,5 % ist daher noch kein klarer Grund zur Freude. Zumal Ökonomen mit „nur“ 7,4 % gerechnet hatten, nach +7,6 % im Juni und 7,9 % im Mai.


jährliche Inflation in Deutschland


Allerdings zeichnen sich Tendenzen einer rückläufigen Inflation auch in vorgelagerten Ebenen ab. So haben sich zum Beispiel die deutschen Importe zuletzt auch nicht mehr ganz so stark verteuert wie zuvor. Die Einfuhrpreise erhöhten sich im Juni noch um 29,9 % im Vergleich zum Vorjahresmonat. Hier hat sich der Anstieg somit ebenfalls den zweiten Monat in Folge leicht abgeschwächt (Mai: +30,6 %, April: 31,7 %).


Entwicklung der Importpreise in Deutschland


Auch laut dem Münchner ifo-Institut hat die Inflation ihren Hochpunkt voraussichtlich erreicht und wird im Verlauf der zweiten Jahreshälfte allmählich zurückgehen.


Die aktuell desaströsen Entwicklungen sind wahrscheinlich eingepreist


Das Thema Inflation dürfte also in jedem Fall langsam seinen Höhepunkt erreicht haben. Die Inflations- und Zinssorgen sollten daher ebenfalls kaum mehr zunehmen. Und dass die Wirtschaft hierzulande in eine Rezession geraten könnte und die USA womöglich bereits in einer stecken, damit hat sich auch schon so gut wie jeder abgefunden.


Wenn in Sachen Inflation also nun eine gegenläufige Tendenz Form annimmt, dann wäre dies ein guter Nährboden für ein Ende der Korrektur und eine stärkere Kurserholung an den Aktienmärkten. Denn jede Information, die auf nachlassenden Preisdruck hindeutet, könnte mit Erleichterung zur Kenntnis genommen und mit steigenden Kursen quittiert werden. Dies würde die aktuellen Ansätze einer Kurserholung befeuern. Und so ist es doch sehr gut möglich, dass die Anleger nun bereits durch die derzeit noch vorhandenen Probleme hindurch schauen.


DAX setzt seine Kurserholung fort


Dem DAX ist es gestern jedenfalls gelungen, seine Kurserholung fortzusetzen. Wie am Mittwoch vergangener Woche hier in der Börse-Intern beschrieben, war er mit einem Freudensprung über eine wichtige Abwärtstrendlinie gehüpft (dick rot im folgenden Chart). Danach prallte er allerdings an den letzten Hochs der ehemaligen Seitwärts- bzw. Abwärtsbewegung ab (siehe rote Pfeile), die von Mitte bis Ende Juni stattfand und den kurzfristigen Abwärtstrendkanal begründet. Es kam zu der vorgestern beschriebenen Seitwärtsbewegung in relativ engen Bahnen. Mit dem gestrigen Anstieg ist nun der bullishe Ausbruch aus dieser Seitwärtskonsolidierung gelungen (grüner Pfeil).


DAX - kurzfristige Chartanalyse


Das kurzfristige Chartbild ist damit natürlich bullish. Aber es liegen noch viele Hürden im Weg. Und sollte im Rahmen eines Rücksetzers die gestrige Aufwärtslücke vollständig geschlossen werden, trübt sich das Chartbild bereits wieder ein. Der gestrige Ausbruch wäre dann eine mögliche Bullenfalle. Bullishe und bearishe Signale liegen also noch nah beieinander.


Es ist schwer, exakt den Boden zu finden


Und so ist es vielleicht verständlich, dass ich in den vergangenen Tagen etwas geschwankt habe. Kommt es noch zu einem finalen Sell-Off oder blicken die Anleger bereits durch die Probleme hindurch und ist der Boden am Aktienmarkt daher schon erreicht? Diese beiden Optionen habe ich jüngst wiederholt angesprochen. Und die Frage, für welche Option sich der Markt entscheidet, ist für niemanden leicht zu beantworten. Auch jetzt ist noch keineswegs klar, ob die Korrekturen schon ihr Ende gefunden haben.


Aber genau aus diesem Grund habe ich Ihnen in den vergangenen Wochen und Monaten mit der Strategie der vorsichtigen Schnäppchenkäufe aufgezeigt, wie Sie in die fallenden Kurse hinein langsam in den Markt einsteigen können. Denn das Tief trifft man nie exakt. Aber wenn man in einem Bärenmarkt das Depot langsam aufbaut und die Cash-Quote stetig reduziert, dann legt man die Basis für zukünftige hohe Gewinne.


Im Börsenbrief „Börse-Intern Premium“ habe ich die Cash-Quote zuletzt bereits auf nur noch ca. 30 % reduziert. Sollten sich die Kurserholungen nun festigen, kaufe ich weiter ein. Und ebenso kann ich Zukäufe tätigen, wenn es doch noch weitere Korrekturtiefs geben sollte, zum Beispiel im Rahmen eines finalen Sell-Offs, der mit der Herbstkorrektur zusammenfallen könnte. Ähnlich gehe ich im Börsenbrief „Target-Trend-Spezial“ bzw. „Target-Trend-CFD“ vor.


Gestaffelte Trades


Und zwischenzeitig kann man bei steigenden Kursen auch schon erste Gewinne mitnehmen. Beim „Target-Trend-CFD“ habe ich gestern Morgen zum Beispiel für die Leser eine Long-Position auf den Euro STOXX 50 beendet. 167 Punkte bzw. Euro Gewinn je CFD-Kontrakt haben wir hier binnen nur 11 Tagen realisiert. Und da wir gestaffelt eingestiegen sind, können wir bei weiter steigenden Kursen mit noch laufenden Positionen weitere Gewinne erzielen.


Ähnlich ist das Vorgehen beim „Börse-Intern Premium“. In die fallenden Kurse hinein hatte ich eine Long-Position auf den DAX, dann eine auf den Nasdaq 100 und später noch einmal eine auf den DAX aufgebaut. Vor 10 Tagen konnte ich die zweite Long-Position auf den DAX bereits mit einem Gewinn von 20,42 % beenden (siehe auch Börse-Intern vom 20. Juli). Zu diesem Zeitpunkt hatte der Nasdaq 100-Trade gerade die Gewinnschwelle erreicht, so dass diese Position quasi den Staffelstab vom beendeten DAX-Trade übernehmen konnte. Vorgestern habe ich bei diesem Nasdaq 100-Trade mit einem Stop-Loss 10 % Gewinn gesichert. Und gestern habe ich den Stop-Loss angehoben, so dass nun schon mindestens 15 % Gewinn hängen bleiben werden.


Kommt es jetzt erneut zu fallenden Kursen, kann ich die Trades gegebenenfalls zurück ins Depot holen. Steigen die Aktienmärkte aber weiter, ziehe ich den Stop-Loss erneut nach, bis er ausgelöst und wieder ein Zwischengewinn realisiert wird.


Das klingt vielleicht einfacher, als es tatsächlich ist. Aber wenn man sich klar an die Strategie der vorsichtigen Schnäppchenkäufe bzw. der gestaffelten Käufe hält und man sich auch nicht davon aus der Ruhe bringen lässt, dass die Welt gerade äußerst dunkel erscheint, dann sind die Chancen sehr hoch, dass man sich am Ende über sehr schöne Gewinne freuen kann.


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg an der Börse
Ihr
Sven Weisenhaus


(Quelle: www.stockstreet.de)



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