Kolumnist: Feingold-Research

Unilever – Konsumgüterriese geht geeint in die Zukunft




02.10.20 13:44
Feingold-Research

Die niederländische Margarine Union und die britische Firma Lever Brothers schlossen vor rund 90 Jahren ihre Geschäfte unter dem Namen Unilever zusammen. Seit diesem Zusammenschluss stellt der Konsumgüter-Konzern eine Besonderheit dar: Bis heute ist Unilever ein geteilter Konzern mit zwei Zentralen. Diese Teile sollen nun vereint werden. Vontobel bietet eine Protect-Aktienanleihe unter der WKN VP8N2N in Zeichnung. 


Organisatorische Neuausrichtung

Um den Konzern organisatorisch an die Anforderungen des 21.Jahrhunderts auszurichten, hat man seitens der Führungen in Rotterdam und London entschieden, die zwei Teilkonzerne zusammenzuführen. Am vergangenen Montag stimmten die Aktionäre des niederländischen Teils endgültig für die Zusammenlegung. Bevor der Zusammenschluss finalisiert werden kann, steht noch die Entscheidung der britischen Anteilseigner aus. Diese wird Mitte Oktober erwartet. Im Vorfeld der Entscheidung wurde unternehmensintern vor allem über den Standort des fortan aus einer Zentrale heraus geführten Unternehmens diskutiert. Entgegen ursprünglicher Pläne das Unternehmen aus Rotterdam zu leiten, entschied sich die Unternehmensführung, auch unter dem Druck britischer Investoren, dafür, das Headquarter in London zu beziehen. Die Investoren befürchteten sinkende Kurse durch den Ausschluss der Aktie aus dem FTSE 100, der durch einen Umzug in die Niederlande unumgänglich gewesen wäre. Stimmen im Oktober auch die britischen Anteilseigner zu, wird die Vereinigung Mitte November vollzogen.


Die Aktien der niederländischen N.V. werden dann in Papiere der britischen PLC. getauscht. Die organisatorische und rechtliche Neustrukturierung ist der Versuch des Konzerns die Aktie attraktiver für Investoren zu machen. Zudem entfiele künftig ein Headquarter, was Kosteneinsparungen bedeuten dürfte. Auch denkt der Konzern über eine Umstrukturierung seines Produktportfolios nach. Der erste Schritt des geeinten Unternehmens könnte der Verkauf des Teegeschäftes der Marke Lipton sein. Der Teekonsum habe zwar eine lange – hauptsächlich britische – Tradition, gerate aber in der westlichen Welt an Grenzen. Unilever sieht wenig Wachstumspotential und möchte diesen Geschäftsbereich abstoßen. Analystenschätzungen zu Folge könnte Unilever bis zu 5 Milliarden Pfund durch einen Verkauf erzielen.


Globales Konsumgüterschwergewicht mit Fokus auf Emerging Markets

Unilever zählt neben Unternehmen Nestle und Procter&Gamble zu den größten Konsumgüterherstellern der Welt. In den Sparten Körperpflege, Nahrung und Reinigungsmittel besitzt der Konzern rund 400 Marken. Laut eigenen Aussagen nutzen weltweit täglich 2,5 Milliarden Menschen Produkte Unilevers. Zwölf dieser 400 Marken generieren einen Umsatz von mehr als einer Milliarde USD jährlich. Aufgrund der Größe und Vielfalt der angebotenen Produkte kann das Unternehmen, wie eine Vielzahl der Konkurrenten, Größenvorteile abschöpfen. Limitierender Faktor des Geschäftsmodells von Unilever sind die sich stets verändernden Konsumgewohnheiten der Kunden. Die Herausforderung des Unternehmens sei es, diese zu identifizieren, um Produkte anzubieten, die die Präferenzen der Kunden treffen. Prinzipiell unterscheidet sich Unilever von seinen Konkurrenten auch durch die unterschiedlichen Marktstrategien.


Dabei setzt das britisch-niederländische Unternehmen stärker als die Mitbewerber auf aufstrebende Märkte. So entfallen laut eines Berichts des Wall Street Journals 9% von Unilevers globalen Sales auf den indischen Markt. Dieser bildet damit den zweitgrößten nach dem amerikanischen. Insgesamt machen Unilevers Umsätze aus den aufstrebenden Märkten knapp über 50% des Gesamtumsatzes aus. Damit liegt man weit über dem Schnitt der Mitbewerber, bei denen sich dieser Anteil nur bei rund 40% im Schnitt bewegt. Zwar birgt der Ansatz Unilevers einige Risiken, allerdings bietet er auch die Chance Millionen neuer Kunden zu gewinnen. Unilever hat in der Vergangenheit von den guten Absatzzahlen in den „Emerging Markets“ profitiert und damit auch oft stagnierende Absatzzahlen in den bestehenden Märkten ausgeglichen.



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