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Ungarn: Im ersten Halbjahr 2018 läuft es konjunkturell rund




09.10.18 16:10
Helaba

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Im ersten Halbjahr 2018 lief es für Ungarn konjunkturell rund, berichten die Analysten der Helaba.

Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sei das reale BIP um 4,5% gewachsen. Bei weiterhin robustem Konsum komme dabei auch Schwung von den Investitionen, die von niedrigen Zinsen und von Projekten im Rahmen der EU-Strukturfonds profitieren würden. Im Jahresdurchschnitt dürfte 2018 ein BIP-Wachstum von 4% erreicht werden - ein Vorbote davon, dass das Tempo im nächsten Jahr etwas verhaltener werde. Zum einen würden sich dabei starke Vorjahreswerte bemerkbar machen. Zum anderen seien die Kapazitäten bereits stark ausgelastet und die Fiskalpolitik werde für die Verbraucher weniger Impulse setzen als vor den Wahlen im letzten April.

Der Fachkräftemangel verschärfe sich noch, denn mit einer Arbeitslosenquote von zuletzt 3,7% herrsche quasi Vollbeschäftigung. Bislang hätten zwar Produktivitätssteigerungen offenbar eine Entlastung bewirkt, jedoch falle der Anstieg geringer aus als etwa in Polen und Tschechien. Hier müsse zügig nachgesteuert werden, denn nach jüngsten UN-Schätzungen gehe die Bevölkerung im Arbeitsalter auch in Ungarn in den nächsten Jahrzehnten drastisch zurück, was der wirtschaftlichen Expansion Grenzen setze. Bereits heute würden Unternehmen den Arbeitskräftemangel als limitierenden Faktor für ihre Produktion beklagen.

Die Inflationsrate liege 2018 höher als im Vorjahr, bedingt u. a. durch gestiegene Ölpreise und den schwächeren Forint. Sie dürfte im Jahresdurchschnitt 2,8% erreichen. Das Zentralbankziel von 3% (+/- 1 Prozentpunkt) sei somit nicht gefährdet. Die ungarische Notenbank sehe daher aktuell keinen Bedarf zur Zinsstraffung. Sie wolle künftig die Mindestreservepflicht als wichtigstes geldpolitisches Instrument nutzen. Ab 2019 solle zudem die Kreditvergabe für kleinere Unternehmen auf dem derzeit niedrigen Zinsniveau durch ein entsprechendes Programm angeregt werden.

Im Frühsommer habe der volatile Euro/Forint-Kurs in Erinnerung gerufen, dass das Land als kleine, offene Volkswirtschaft über die EU von möglichen Handelskonflikten betroffen sein könnte und auch von der Zinspolitik der großen Zentralbanken beeinflusst werde. Eine länger anhaltende Phase oberhalb von 340 Forint je Euro halten die Analysten der Helaba jedoch außer im Falle massiver Störungen des Handels für wenig wahrscheinlich. Sollten Investoren allerdings gegenüber Zentralosteuropa generell skeptischer werden und sich stärker als bisher von Risiken wie der Korruption in Ungarn beeindrucken lassen, würden sie vermeintlich sicherere Anlagen in Ländern mit anziehenden Zinsen vorziehen. Bereits in der Vergangenheit hätten sich Turbulenzen in anderen Ländern der Region auch bei der ungarischen Währung bemerkbar gemacht.

Von einem Handelskonflikt wäre vor allem die Kfz-Industrie betroffen, die mit über 90% eine besonders hohe Ausfuhrquote habe. Zwar seien die direkten Exporte in die USA gering, jedoch sei Ungarn verwoben in den EU-Handel mit den USA. Das Rechtsstaatlichkeitsverfahren gegen Ungarn, das das Europäische Parlament im September angestoßen habe, werde an der Investorengunst kaum etwas ändern. Denn noch seien die geringe Körperschaftsteuer, die trotz Lohnsteigerungen niedrigen Löhne sowie hohe staatliche Zuschüsse die schlagenden Argumente bei der Standortwahl. (Ausgabe vom 04.10.2018) (09.10.2018/ac/a/m)







 
 
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