Erweiterte Funktionen


Überwinden EU und UK ihren Stolz?




24.11.21 17:15
Barings

Boston (www.aktiencheck.de) - Die Brexit-Verhandlungen ziehen sich hin - die Verhandlungspartner scheinen sich längst in der Endlosigkeit eingerichtet zu haben, so Matteo Cominetta, Senior Economist bei dem Barings Investment Institute.

Dabei würden die Risiken für die Märkte ins Hintertreffen geraten.

Inmitten einer weiteren Coronavirus-Welle, der Migrantenkrise an der polnischen Grenze zu Belarus und Berichten, denen zufolge Russland Hunderttausende Truppen an die ukrainische Grenze verlege, würden Nachrichten über weitere ergebnislose Gespräche zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich bezüglich Nordirland in den Hintergrund treten. Dennoch gebe es wichtige Hinweise auf den wahrscheinlichen Ausgang der Verhandlungen - und diese seien nicht gut.

Man habe keine Eile, eine Einigung zu erzielen. Das betone auch der EU-Hauptverhandlungsführer Maros Sefcovic in diversen Interviews. Da könnte er Recht behalten: Die britische Regierung habe bereits im Juli angekündigt, dass sie die Rolle des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) in dem als Nordirland-Protokoll bekannten Abkommen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich abschaffen wolle. Doch sei das in letzter Zeit kaum bis gar nicht thematisiert worden, auch nicht in der jüngsten Erklärung des britischen Verhandlungsführers David Frost. Nicht einmal die äußerste Grenze des Vereinigten Königreichs sei erörtert worden. Warum sollte man sich dann die Mühe machen, über Arzneimittel oder Grenzkontrollen zu verhandeln, wenn die EU den Ausschluss des EuGH mit ziemlicher Sicherheit nicht akzeptieren werde? Vielleicht würden die Verhandlungen selbst das Ende und nicht den Weg dorthin bedeuten.

Für die Experten stehe fest: Die Anreize für eine Einigung hätten sich verringert. Im Jahr 2020 seien sowohl die EU als auch das Vereinigte Königreich stark motiviert gewesen, sich zu einigen. Ein "No-Deal-Brexit" hätte die Beziehungen zwischen beiden Parteien und alles, was damit zusammenhänge, in Mitleidenschaft gezogen. Der starke Anreiz sei für die britische Regierung jedoch nicht mehr vorhanden. Ein Abkommen umzusetzen, das zutiefst unpopulär sei, sei schlimmer, als ewig darüber zu verhandeln. Gleichzeitig würden unangenehme Regeln außer Kraft gesetzt und die Stimmung unter den konservativen Wählern steige, weil man das Brexit-Thema am Leben halte. Hier werde eine rationale Strategie verfolgt.

Dies führe jedoch zu einem instabilen Gleichgewicht. Die endlosen Verhandlungen hätten für beide Seiten ihren Preis. Während zusätzliche Bürokratie den Handel zwischen Nordirland und dem britischen Festland behindere, boome der Handel zwischen Nordirland und der Republik Irland. In der Praxis werde die irische Insel viel stärker integriert. Und das Nordirland-Protokoll werde nach wie vor nur teilweise umgesetzt. Bevor die "Gnadenfristen" auslaufen würden, müsse die EU entweder eine Kehrtwende vollziehen, die ihrer Glaubwürdigkeit schade, oder Kontrollen einführen, die die Spannungen wahrscheinlich noch verschärfen würden.

Dieses instabile Gleichgewicht könne nicht ewig halten. Es könnte jederzeit und auf jede Art und Weise zerbrechen. Das könnte zu sektiererischer Gewalt in Irland, einer Aussetzung des gesamten Brexit-Abkommens und Handelsvergeltungsmaßnahmen führen. Man könne nur hoffen, dass beide Seiten bereit seien, ihren Stolz zu überwinden und pragmatisch zu handeln. (24.11.2021/ac/a/m)







 
 
Aktien des Tages
  

Jetzt für den kostenfreien Newsletter "Aktien des Tages" anmelden und keinen Artikel unseres exklusiven Labels AC Research mehr verpassen.

Das Abonnement kann jederzeit wieder beendet werden.



Aktien des Tages
  

Jetzt für den kostenfreien Newsletter "Aktien des Tages" anmelden und keinen Artikel unseres exklusiven Labels AC Research mehr verpassen.

Das Abonnement kann jederzeit wieder beendet werden.

RSS Feeds




Bitte warten...