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USA: Trumps Wirtschaftswunder - Fake News?!




04.12.18 12:32
Helaba

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Die Wirtschaftspolitik des US-Präsidenten ist so umstritten wie seine Person, so die Analysten der Helaba.

Fans würden Donald Trumps Handels- und Fiskalpolitik als Rezept feiern, Amerika ökonomisch wieder "great" zu machen. Skeptiker würden hingegen vor allem zerschlagenes Porzellan in der Diplomatie, steigende Schulden und ein konjunkturelles Strohfeuer sehen.

Ende 2018 schaue die US-Wirtschaft gemessen am Wachstum auf eines der besten Jahre in diesem Zyklus zurück. Seit eineinhalb Jahren liege das Quartalswachstum nun oberhalb des Trendwerts von rund 2% - ein Rekord in der aktuellen, seit 2009 laufenden Expansionsphase. Die Stimmungsindikatoren für Unternehmen und Verbraucher würden sich nahe historischer Hochs bewegen. Die Arbeitslosenquote sei so niedrig wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

Über die Ursachen dieses Booms werde kontrovers diskutiert. Sie hätten unmittelbare Implikationen für seine Nachhaltigkeit und damit für den Ausblick 2019. Donald Trump, der erfahrene "SelfPromoter-in-Chief" im Weißen Haus, nehme naturgemäß für sich in Anspruch, mit seiner "großartigen" Wirtschaftspolitik für den Boom verantwortlich zu sein. Entsprechend sehe er Wachstumsraten von 4%, soweit das Auge reiche.

Eine andere Möglichkeit wäre, dass zehn Jahre nach der Lehman-Pleite die aus der Finanzkrise resultierende Verunsicherung und Zurückhaltung nun überwunden seien und die Amerikaner endlich ihre "Animal Spirits" wiederentdecken würden. Die Analysten würden eine dritte Position vertreten: Die Investitionen hätten einfach eine temporäre Erholung nach einer äußerst ungewöhnlichen Schwächephase verzeichnet. Wichtiger sei aber noch der spürbare Stimulus durch die Fiskalpolitik. Deren Lockerung, und nicht die Genialität des Präsidenten, befeuere die Konjunktur. Die Steuersenkung Ende 2017 habe Haushalte und Unternehmen erheblich entlastet. Die Staatsausgaben würden so kräftig zulegen wie seit 2009 nicht mehr.

Der IWF schätze, dass der unmittelbare fiskalpolitische Impuls 2018 einen Prozentpunkt am Bruttoinlandsprodukt ausmache. Selbst unter konservativen Annahmen über die Größe der Zweitrundeneffekte einer expansiveren Haushaltspolitik sei ein guter Teil des geschätzten Wachstums 2018 von knapp 3% direkt oder mittelbar auf niedrigere Steuern oder höhere Staatsnachfrage zurückzuführen.

Auf Basis der aktuellen Gesetzeslage werde dieser Effekt 2019 noch nicht ins Negative umschlagen, sich aber mehr als halbieren. Der Rücken- werde nicht zu einem Gegenwind, flaue aber merklich ab. Da die Demokraten bei den Kongresswahlen die Mehrheit im Repräsentantenhaus erobert hätten, werde der Spielraum der Regierung für neue wirtschaftspolitische Maßnahmen überschaubar sein. Dies gelte auch für ein großes Infrastrukturprogramm. Obwohl die Demokraten dies inhaltlich mittragen würden, sei eine Kooperation mit diesem Präsidenten politisch wohl so "toxisch", dass man ihm jedes legislative Erfolgserlebnis werde verwehren wollen.

Entgegen der Ankündigung Trumps habe sich die Steuersenkung zudem nicht "selbst finanziert", das Haushaltsdefizit des Bundesstaates weite sich 2018 auf geschätzte 4,8% am Bruttoinlandsprodukt aus und dürfte 2019 über 5% steigen. Der Berg an Staatsschulden sei mit Ausnahme der Phase unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg relativ zur Größe der US-Wirtschaft nie höher als heute gewesen. Auch dies dämpfe den politischen Appetit für weitere Ausgabenerhöhungen und Steuersenkungen.

Donald Trump habe den Handelsstreit zu einem Zeitpunkt vom Zaun gebrochen, zu dem die US-Konjunktur erheblichen Schwung gehabt habe. Dies habe seine unmittelbaren negativen Auswirkungen minimiert. Zumindest auf mittlere und lange Sicht dürften auch US-Verbraucher und -Unternehmen zu den Verlierern zählen. Aber selbst mit einem auf 25% aufgestockten Zollsatz auf chinesische Waren wären die kurzfristigen Effekte der Strafzölle nicht groß genug, um die US-Wirtschaft von ihrem Expansionskurs abzubringen.

Die Analysten würden davon ausgehen, dass Verhandlungen mit der EU und China zumindest partiell erfolgreich sein würden und eine weitere Eskalation des Konfliktes vermieden werden könne. Unter dem Strich würden die USA 2019 im Jahresschnitt ein mit 2,6% noch immer überdurchschnittliches Wachstum verzeichnen. Die Dynamik dürfte aber im Verlauf des Jahres merklich "abbröckeln".

Aufgrund des hohen Auslastungsgrads und wegen der preistreibenden Wirkung der protektionistischen Handelspolitik bleibe die Kernteuerung im Aufwärtstrend. Die Kernrate (ohne Energie- und Nahrungspreise) werde im Jahresschnitt mit prognostizierten 2,4% den höchsten Wert seit 2006 erreichen. Die Gesamtteuerung sollte 2019 aber nicht spürbar anders ausfallen als 2018. Langsam, aber sicher erhalte der Preisauftrieb auch Unterstützung seitens der Lohnentwicklung. Der Lohnauftrieb ziehe in diesem Zyklus im Zeitlupentempo an. Mögliche Erklärungen für diese langsame Reaktion auf den enger werdenden Arbeitsmarkt gebe es viele, von der geschwächten Position der Gewerkschaften über die Globalisierung bis zu einem geringeren realen Verteilungsspielraum. Laut den offiziellen Zahlen leide die US-Wirtschaft seit Jahren tatsächlich unter einem schwachen Produktivitätswachstum. Dies schränke den möglichen Reallohnanstieg ein.

Die anziehende Kernrate spreche dafür, dass sich die Inflationserwartungen ebenfalls nach oben bewegen würden. Die US-Notenbank dürfte daher ihren graduellen Zinserhöhungskurs zunächst fortsetzen. Die Analysten würden erwarten, dass das Zielband für den Leitzins im Sommer 3,00% bis 3,25% erreiche. Dies wäre am unteren Rand dessen, was sie als ein neutrales Zinsniveau ansehen würden. Selbst wenn die Geldpolitik dann noch nicht neutral sein sollte, sei sie doch spürbar weniger expansiv als Anfang 2018, als die Federal Funds Rate noch unter 1,5% gelegen habe.

Angesichts der innerhalb der FED geführten Debatte, ab welcher Höhe der Leitzins die Konjunktur dämpfe, und vor dem Hintergrund der abnehmenden konjunkturellen Dynamik sollte ab Herbst aber eine längere Pause im Zinserhöhungszyklus anstehen. Die Geldpolitiker würden voraussichtlich erst einmal abwarten wollen, ob sich die Wachstumsraten stabilisieren und die Konjunktur den "Entzugseffekt" des fiskal- und geldpolitischen Stimulus wegstecken könne. Die Rendite der US-Staatsanleihen sollte vor diesem Hintergrund 2019 leicht steigen, allerdings deutlich weniger als der Leitzins. (Ausgabe vom 03.12.2018) (04.12.2018/ac/a/m)






 
 
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