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USA: Schicksalswahl für die Globalisierung?




15.10.20 15:35
NN Investment Partners

Den Haag (www.aktiencheck.de) - Protektionismus und steigende Handelszölle sind ein Schlüsselelement der Präsidentschaft von Präsident Donald Trump, so die Experten von NN Investment Partners (NN IP).

Viele würden befürchten, dass vier weitere Jahre seiner Wirtschaftspolitik das Ende der Globalisierung bedeuten könnten. Es sei schwer, die Aussicht auf eine zweite Trump-Periode als gute Nachricht für die Globalisierung zu werten, aber die Bedeutung der US-Wahlen sollte nach Ansicht der Strategen von NN Investment Partners nicht überschätzt werden.

Die Globalisierung sei in den zwei Jahrzehnten vor der globalen Finanzkrise eine wichtige Komponente gewesen - in einer Zeit, in der sich Waren, Dienstleistungen, Technologie und Kapital immer ungehinderter über Grenzen hinweg bewegt hätten. Seit der Krise sei sie jedoch ins Stocken geraten. Ihre Zukunft hänge wahrscheinlich stärker von anderen Entwicklungen ab als davon, wer der nächste US-Präsident werde.

Eine deutliche Wiederbelebung der Globalisierung sei ohne einige größere Liberalisierungsmaßnahmen unwahrscheinlich. Bevor sich der Trend aber eindeutig in Richtung De-Globalisierung verschiebe, müsste der Protektionismus weltweit um sich greifen und große Wirtschaftsregionen wie Europa und Asien einbeziehen.

"Das Ergebnis der US-Wahlen wird wichtig sein, aber es wird wahrscheinlich nicht die entscheidende Rolle für die De-Globalisierung spielen", sage Marco Willner, Head of Investment Strategy bei NN Investment Partners. "Die Unterschiede zwischen Trump und seinem demokratischen Herausforderer Joe Biden liegen mehr in Stil, Form und Taktik und weniger im Inhalt, wenn es um Globalisierung geht."

Beide Kandidaten hätten laut Willner eine strategische Agenda zum Schutz der US-Industrien und zur Aufrechterhaltung der globalen Führungsposition in der Informationstechnologie, da die Tage der USA als Weltmeister des Freihandels und des Internationalismus vorbei seien. Beide Kandidaten würden China gegenüber wahrscheinlich kämpferisch bleiben, auch wenn ihre jeweiligen Vorgehensweisen durchaus unterschiedlich sein könnten.

Sollte Trump die bevorstehenden Wahlen gewinnen, würden die USA wahrscheinlich den Weg der Deregulierung und niedrigeren Steuern für Unternehmen und Haushalte mit hohem Einkommen fortsetzen. Darüber hinaus könnten die USA ihre Unterstützung für die weltweite, auf Regeln basierende Ordnung, die sie mit aufgebaut hätten, weiter einschränken. Eine weitere Eskalation des Handelskonflikts mit China gehöre sicherlich zu den Eventualitäten. Außerdem könnte seine "America First"-Agenda die internationale, auf Regeln basierende Ordnung weiter schwächen.

Im Gegensatz dazu könne von einer Biden-Präsidentschaft erwartet werden, dass sie internationalen Abkommen und multilateralen Organisationen mehr respektiere. Dennoch werde sie wahrscheinlich den Druck auf China aufrechterhalten, seinen Binnenmarkt zu öffnen, Dumping-Praktiken einzustellen und die staatliche Einflussnahme auf seine Technologieunternehmen zu verringern. Darüber hinaus würde sich eine Biden-Präsidentschaft wahrscheinlich stärker auf die Verringerung der Ungleichheit durch eine entsprechende Innenpolitik konzentrieren. Dazu könnten eine Erhöhung der Steuern für Reiche und Unternehmen und die Einführung von Regelungen gehören, die die Marktmacht verringern und die Verhandlungsmacht der Arbeitnehmer stärken würden.

Andererseits würde Biden wahrscheinlich ein Programm für höhere Infrastrukturausgaben und die Stärkung des sozialen Sicherheitsnetzes auflegen, das teilweise durch die Rücknahme der Trump-Steuersenkungen finanziert werden dürfte. Daher dürften die Haushaltsdefizite unter Biden höher sein. Vorausgesetzt, die Mittel würden auf die Verbesserung der Angebotsseite abzielen, sollte dies zu einer anhaltend höheren potenziellen Wachstumsrate in den USA führen. Auf internationaler Ebene werde von Biden erwartet, dass er die auf Regeln basierende Ordnung wieder fördere, insbesondere im Umfeld der traditionellen US-Verbündeten.

Inwieweit der Präsident in der Lage sein werde, sein Programm umzusetzen, werde entscheidend von der politischen Couleur sowohl des Repräsentantenhauses als auch des Senats abhängen. Und selbst wenn die Partei des Präsidenten in beiden eine Mehrheit hätte, müsste er immer noch politischen Anträgen Priorität einräumen. Der Grund dafür sei, dass in mehreren Bereichen eine Supermajorität (mehr als 60 von 100 Stimmen) im Senat erforderlich sei. (15.10.2020/ac/a/m)






 
 
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